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Sind Single-Mums egoistisch?

Die Ausbildung abgeschlossen, in der Arbeitswelt Fuß gefasst: Jetzt wäre für Frau die richtige Zeit, sich ihren Kinderwunsch zu erfüllen. Was aber, wenn kein Partner zur Verfügung steht? Ist Samenspende eine Alternative? Ja, meint Expertin Christina Mundlos.


Sind Single-Mums egoistisch?
© istockphoto.com

An Vorurteilen mangelt's nicht, wenn Single-Frauen die Errungenschaften der modernen Medizin nutzen und ein Baby mithilfe künstlicher Befruchtung bekommen. In ihrem Buch "Dann mache ich es halt allein" (mvg, € 17,50) zeigt Christina Mundlos mögliche Probleme auf und bietet praktische Hinweise. Besonders der Vorwurf, egoistisch zu denken, ärgert die Expertin. "Wem gegenüber ist diese Frau egoistisch? Dem Kind gegenüber, das es sonst gar nicht geben würde? Der Gesellschaft gegenüber, weil sie sich nicht an überholte und althergebrachte Familienmuster hält? Ich halte den Kinderwunsch für menschlich und halte es für falsch, dass wir in manchen Ländern die Befruchtung von Single-Frauen verbieten." Wir baten um Statements zu wichtigen Punkten.

Faktor Zeit

Single-Mums auf dem Vormarsch. Frauen und Männer fühlen sich später erwachsen als noch vor 50 Jahren. Feste, langfristige Bindungen werden seltener, zögerlicher und später eingegangen. Doch gerade feste Beziehungen zwischen Mann und Frau wurden bislang in der Regel als Grundvoraussetzung für die Gründung einer Familie angesehen. Aus biologischer Sicht sind insbesondere Frauen jedoch Grenzen gesetzt, wie weit sie die Familiengründung rausschieben können.

Faktor Bindungsangst

Männer und Verantwortung. Wir stellen fest, dass Männer seltener einen expliziten Kinderwunsch haben als Frauen. Aus sozialen oder ökonomischen Gründen muss zudem nicht mehr geheiratet und eine Familie gegründet werden. Darüber hinaus wurde der Wandel der Geschlechterrollen massiv von Frauen vorangetrieben. Viele Männer sind nun verunsichert. Es gibt weitaus mehr moderne, emanzipierte Frauen, die eine Partnerschaft auf Augenhöhe anstreben, als dies bei den Männern der Fall ist. Der Menschenkatalog in den Flirt-Apps ermöglicht es außerdem, sich schnell und unkompliziert von seinen Schwierigkeiten, Bindungen einzugehen, abzulenken. Das Phänomen betrifft natürlich nicht alle Männer. Viele gründen ja auch Familien. Aber am Ende bleiben eine Menge Frauen über, die keinen bindungs- und fortpflanzungswilligen Partner mehr finden.

Faktor Gesellschaft

Verpönter Alleingang. Eine Single-Frau, die sich befruchten lässt, bricht mit herkömmlichen Familienbildern. Während viele Konservative noch immer glauben, Männer und Frauen wären grundverschieden und hätten unterschiedliche Talente und Funktionen, demonstrieren diese Frauen, dass sie alle Rollen selber ausfüllen können. Zudem haben viele falsche Vorstellungen von den Single-Mums. Diese Frauen sind sehr reflektiert und machen sich die Entscheidung nicht leicht.

Faktor Unterstützung

Was vorher zu bedenken ist. Es gibt eine ganze Menge von Fragen zu klären: Zum einen die medizinischen Möglichkeiten und die rechtlichen Rahmenbedingungen. Zum anderen geht es aber auch um die Frage, ob eine Single-Frau sowohl die Befruchtungsbehandlungen als auch das Leben mit Kind komplett allein finanziell stemmen kann. Und natürlich sollte man auch darüber nachdenken, über welche Netzwerke man verfügt. Ohne Geld und Freunde/Familie, die einen unterstützen, wird es sehr, sehr schwierig.

Faktor Belastung

Bist du unglücklicher? Vieles deutet darauf hin, dass sie zwar einerseits mehr Belastungen und Herausforderungen meistern müssen, aber auch Vorteile haben: Im Gegensatz zu vielen ungewollt alleinerziehenden Müttern, haben sie ihre Mutterschaft von Beginn an allein geplant und müssen sich nicht mit Trauer, Scheidung oder Rosenkrieg auseinandersetzen. Außerdem bekommen sie nicht "einfach so" ein Kind. Sie haben einen sehr starken Kinderwunsch. Das trägt über so manche Belastung. Viele Single-Mums sind sogar glücklicher als andere Mütter.

Faktor Vaterfigur

Fehlendes Rollenbild. In Studien konnten für die Kinder keinerlei Nachteile festgestellt werden. Die meisten haben ohnehin andere enge männliche Bezugspersonen wie z. B. Großväter, Onkel, Freunde. Ganz im Gegenteil kann man sogar feststellen, dass Kinder von Single-Mums sehr aufgeschlossen sind, was die Geschlechterrollen angeht. Die Mädchen sind durchsetzungsstärker, und die Jungen sensibler als bei anderen Eltern. Es gibt im Übrigen viele leibliche Väter, die ihre Kinder auf herkömmlichem Weg gezeugt haben und dennoch nichts von ihnen wissen wollen. Die Art der Zeugung garantiert keine Liebe.

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