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Ein Bus voller Single-Frauen

Die Frauen kommen! Jedes Jahr karren Busse Single-Frauen von Spaniens Hauptstadt Madrid in abgelegene Dörfer. Jetzt regt sich Protest gegen die "Caravana de Mujeres".

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Ein Bus voller Single-Frauen

Die Frauen kommen!

© 2015 Getty Images/Pablo Blazquez Dominguez

In Mota del Cuervo, einem kleinen Dörfchen etwa einenhalb Autostunden von Madrid entfernt, passiert wenig. Es gibt ein paar Windmühlen, aber wegen derer verirrt sich kein Mensch extra hierher. Am ersten Mai gibt es ein kleines Dorffest mit etwas Musik, sonst gehen die Menschen ihrer wenig abwechslungsreichen Arbeit in der Landwirtschaft nach.

Aber heuer herrscht Ausnahmezustand in Mota del Cuervo. Da ziehen die hiesigen Männer ein sauberes Hemd an, wird die Hose gebügelt. Denn heute, da kommen die Frauen!

Wie eine Wärmedecken-Fahrt – nur sollen sich hier Single-Männer erwärmen
Die Caravana de Mujeres: Ein bisserl Sightseeing gibts obendrauf

In Bussen werden sie herangekarrt, die Single-Frauen aus der Großstadt Madrid. Einen Tag und eine Nacht bleiben sie, beschnuppern die Männer und finden bei Tanz und Cerveza heraus, ob da mehr sein könnte als ein kleines bisschen Sympathie.

Bei einem gemeinsamen Abendessen...
...und einem Tänzchen soll herausgefunden werden, ob da mehr als Sympathie sein könnte.

In Spanien gibt es zahlreiche kleine Ortschaften wie Mota del Cuervo. Ihnen gemein: Sie leiden unter akutem Frauenmangel. Die jungen Menschen wollen nicht mehr in der Landwirtschaft ackern, sie fliehen aus der Langeweile der Dörfer, ziehen ab in die Städte, die Orte überaltern und sterben langsam aus.

Hier greift Manuel Gozalos Idee. Seit 20 Jahren veranstaltet der freundliche Mann mit dem rundlichen Bäuchlein und den gewitzten Äuglein die "Caravana de Mujeres" (Karawane der Frauen). 20 Euro zahlen die Single-Ladys aus Madrid, die seit geraumer Zeit alleinstehen, die keine Lust auf Disco und langes Anbahnen haben, die ein Leben am Land nicht weiter schreckt. Die Busse sammeln die Teilnehmerinnen auf und bringen sie jedes Jahr in ein anderes Dorf.

Zwei Dorfbewohner beobachten die tanzenden Frauen – es ist ihre einzige Gelegenheit, eine Partnerin kennenzulernen
Die Atmosphäre ist ungezwungen

Dort warten bereits die Männer. 50 Euro zahlen die einsamen Bauern für den Anbahnungsabend, 30 Euro mehr als die Damen. Neben den Frauen gibt es ein Essen im örtlichen Gast- oder Gemeindehaus, anschließend Musik und Tanz. Für viele ist es eine der seltenen Gelegenheiten, eine Partnerin kennenzulernen. Die Abende sind fröhlich, lustig. Ein Teilnehmer sagt im Video auf der Veranstalter-Website nach seinen Erwartungen an das Eintreffen der "Caravana de Mujeres": "Ich will eine Frau kennenlernen, die mich liebt." Bei 120 Paaren soll das über die Jahre schon funktioniert haben, so Veranstalter Gozalo.

Gesucht: "Eine Frau, die mich liebt."

Doch nun regt sich nach 20 Jahren erstmals Protest gegen die Single-Tour. Auf change.org wurde eine Online-Petition eingerichtet. Die Liebesfahrten, so die Initiatorinnen, nützten Frauen als Werbung, um Kunden anzuziehen und am Schicksal der Männer Geld zu verdienen. Es sei, so steht zu lesen, eine "Kommerzialisierung des weiblichen Körpers." Das Ziel: Die "Caravana de Mujeres", die am 18. April gen Merida zuckelt, zu stoppen. Bislang haben rund 11.500 Menschen den virtuellen Protest unterschrieben.

Themen: Flirt, Sexismus