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43, Single, aber endlich Mutter!

Sonja wollte unbedingt ein Kind, doch als die biologische Uhr schon laut tickte, war noch immer kein Partner in Sicht. Sie entschloss sich, es mit einer Samenspende zu versuchen. Heute ist die 43-Jährige glückliche Mutter einer Tochter. Der Weg dahin war jedoch eine emotionale Achterbahnfahrt!

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43, Single, aber endlich Mutter!
© istockphoto.com

Sie hat das geschafft, wovon immer mehr Single-Frauen träumen: ein süßes Baby, ganz ohne Vater. Sonja, 43, brachte mittels Samenspende ihre kleine Ida auf die Welt. "Mein größtes Glück!", strahlt die Berlinerin. Während es in Deutschland zumindest in zwei Bundesländern für alleinstehende Frauen möglich ist, eine künstliche Befruchtung vornehmen zu lassen, ist das in Österreich verboten.

"Eine Frau kann für die Behandlung nur ins Ausland reisen", weiß Prim. Dr. Georg Freude, Leiter des Kinderwunschzentrums Gynandron. In vielen europäischen Ländern ist dieser Weg zur Mutterschaft kein Problem. "Unsere Frauen fahren bevorzugt nach Dänemark", so der Fortpflanzungsmediziner. Dass sogar das Einfrieren eigener Eizellen hierzulande verboten ist (außer bei Krebserkrankung), hält er für einen besonders dreisten Eingriff des Staates in die Privatsphäre von Frauen.

"Denn wenn ich in jungen Jahren meine Eizellen einfriere, wofür die medizinischen Voraussetzungen da wären, habe ich später viel bessere Chancen, schwanger zu werden." Die nehmen ab 42 nämlich drastisch ab. Sonja war 41, als ihr Töchterchen geboren wurde. Wie es ihr davor erging und wie sie heute in ihrer Mutterrolle aufgeht, erzählt sie hier.

WOMAN: Wie viel an Überlegung brauchte es, bis Ihr Entschluss feststand?
Sonja: Vom ersten, eher noch scherzhaften Gedanken bis zur wirklichen Umsetzung sind Jahre vergangen. Anfang 2012, nicht allzu lange nach meinem 39. Geburtstag, saß ich mit meiner besten Freundin an einem einsamen Strand. Auch wenn es kitschig klingen mag, dort wurde mir klar, dass ich nicht länger auf den passenden Partner warten konnte. Letztendlich ist ja auch ein Mann keine Garantie dafür, dass man ein glückliches Familienleben führt. Zum Glück habe ich einen guten und sicheren Job, sodass ich mir auch die finanzielle Verantwortung für eine kleine Familie zugetraut habe.

WOMAN: Hätten Sie die Entscheidung aber lieber mit einem Partner getroffen?
Sonja: Natürlich. Als sich aber abzeichnete, dass mir die Zeit davonlief, war der Wunsch nach einem Kind stärker als der nach Erfüllung des klassischen Familienmodells. Rückblickend kann man natürlich sagen, dass ich zu lange gewartet habe, aber das sagt sich leicht, wenn man immer denkt, der passende Mann käme schon noch um die Ecke. Auch meine biologischen Voraussetzungen, die Hormonwerte etwa, waren alles andere als ideal. Ich werde nie vergessen, wie mir meine Frauenärztin sagte: "Machen Sie mit dem Geld lieber eine schöne Reise." Ich bin dann lange in mich gegangen, aber ich war mir sicher, dass ich mir eines Tages Vorwürfe gemacht hätte, es nicht wenigstens versucht zu haben.

WOMAN: Haben Sie die Erfahrung gemacht, dass viele Männer kein starkes Interesse mehr an fixen Beziehungen und Nachwuchs haben?
Sonja: Das kann ich so nicht bestätigen. In meinem Freundeskreis gibt es schließlich viele glückliche junge Familien. Ich habe aber auch ohne festen Partner ein ausgefülltes Leben geführt und bin einfach nicht der Typ fürs Internet-Dating. Wenn man dann noch in einer Branche arbeitet, die von Frauen dominiert ist, wird es mit der Partnersuche nicht gerade leichter.

WOMAN: Für so eine Entscheidung braucht man bestimmt einige Unterstützung...
Sonja: Ich wurde von Anfang an von meiner Familie und meinem engsten Freundeskreis unterstützt. Ich weiß auch ehrlich gesagt nicht, ob ich mich getraut hätte, wenn meine Familie gesagt hätte: "Du bist verrückt und musst dann alleine zusehen, wie du damit fertigwirst." Obwohl meine Eltern 350 Kilometer entfernt leben und meine Schwester sogar in Zürich, sehen wir uns oft. Wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich aufgrund meines Alters nicht wirklich damit gerechnet, schwanger zu werden.

WOMAN: Wie fanden Sie einen Spender?
Sonja: Die Suche nach einem Spender im Internet oder gar ein One-Night-Stand kamen für mich nicht infrage. Ich habe auch ernsthafte Gespräche mit einem schwulen Freund geführt, der sich ebenfalls ein Kind wünschte, aber die Sorgerechtsfrage und der Lebensmittelpunkt - wir wohnen weit entfernt voneinander - sprachen dagegen. Also entschied ich mich für eine Samenbank.

WOMAN: Wie haben Sie die Behandlungen erlebt? Gab's großen emotionalen Stress?
Sonja: Zuerst dachte ich, dass ich aufgrund der Gesetzeslage gezwungen sein würde, eine Insemination im Ausland vornehmen zu lassen. Ich hätte mich dann sicherlich für Dänemark entschieden, auch wenn es aus beruflichen und logistischen Gründen eine große Herausforderung gewesen wäre. Dann fand ich heraus, dass die künstliche Befruchtung von Alleinstehenden in Deutschland nicht konkret verboten ist. Ich fand zum Glück liberal eingestellte Ärzte in Berlin, welche die Behandlung vorgenommen haben. Ganz ohne Bürokratie ging es jedoch nicht. So musste zum Beispiel eine Person unter 40 bei der Samenbank dafür bürgen, dass sie, sollte mir etwas zustoßen, die Samenbank von finanziellen Ansprüchen meines Kindes freistellen würde. Das hat dankenswerterweise meine Schwester übernommen. Was den Spender betraf, konnte ich nach Aspekten wie Körpergröße, Haar- & Augenfarbe und Schulbildung wählen.

WOMAN: Wie schnell hat es dann geklappt?
Sonja: Ich habe acht Versuche und etwa ein Jahr benötigt, um schwanger zu werden. Es handelte sich bei mir um Insemination, der Samen wurde per Katheter in die Gebärmutter eingebracht. Nach dem 9. Versuch hätte ich aber aufgehört. Emotional ist es natürlich eine Achterbahnfahrt, und ich kann schlecht einschätzen, wie ich mich gefühlt hätte, wenn es nicht geklappt hätte. Sicher sehr leer.

WOMAN: Als sie wussten, Sie sind schwanger - können Sie diesen Moment beschreiben?
Sonja: Als ich den ersten positiven Schwangerschaftstest in der Hand hielt, konnte ich es nicht glauben. Ich hab meine Freude ehrlich gesagt ziemlich lange nicht zugelassen. Zu groß war die Angst, dass noch etwas schiefgehen könnte. Als klar war, dass mein Kind gesund und wohlauf war, fiel mir ein ganzer Felsblock vom Herzen. Als ich meine Tochter nach der Geburt in den Armen hielt, haben meine Mutter, die mich bei der Geburt begleitet hat, und ich vor Freude geweint.

WOMAN: Wie war das erste Jahr mit Baby?
Sonja: Sicherlich das intensivste meines Lebens. Es ist einfach unglaublich, mitzuerleben, wie sich ein kleiner Mensch entwickelt. Trotz aller Anstrengung habe ich so viele Glücksmomente durchlebt wie sicher nie zuvor. Natürlich wäre es schön, wenn man ab und zu das Kind einem Partner geben und sagen könnte, jetzt kümmere du dich mal, ich möchte ins Kino, ein Buch lesen oder einfach in Ruhe duschen. Aber diese Momente sind ohnehin selten. Ich hatte 40 Jahre Zeit, zu reisen, auszugehen und mich auszuleben. Ich arbeite jetzt wieder Vollzeit und genieße jede Sekunde vor und nach der Arbeit mit meiner Tochter. Gegen acht Uhr bringe ich sie in die Kita, wo es ihr sehr gut gefällt. Um vier hole ich sie wieder ab.

WOMAN: Würden Sie Ihren Weg also jederzeit nochmals gehen?
Sonja: Definitiv. Ein Baby auch ohne Mann zu kriegen, war die mutigste und beste Entscheidung meines Lebens. Jeden Tag, wenn ich meine Tochter aus der Kita abhole, sie mich erblickt, vor Freude aufschreit und mir entgegenläuft, könnte mein Herz vor Glück und Stolz überquellen.

WOMAN: Haben Sie überlegt, wie Sie Ihrer Tochter die Situation erklären werden?
Sonja: Ansatzweise. In jedem Fall möchte ich von Anfang an offen damit umgehen, auch, um keine falsche Scham zu erzeugen. Meine Tochter hat übrigens spätestens ab 18 Jahren die Möglichkeit, die Identität ihres Erzeugers zu erfahren. Ob sie das will, bleibt dann ihr überlassen.

Thema: Kinder

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