Ressort
Du befindest dich hier:

Warum sollen Mädls nicht skaten können?

Zwei Freundinnen, eine gemeinsame Leidenschaft: Larissa Schweiger und Julia Dazinger verbringen jede freie Minute auf ihren Boards. Was sie antreibt und wie Girlpower auf vier schnellen Rollen funktioniert, erklären uns die Mädels beim Besuch im Skatepark.

von

Skatergirls im Interview

Girls CAN skate!

© Florian Rainer, Location: Mit freundlicher Genehmigung der MA51, Skatepark Goodlands, 1140 Wien, www.skate4life.at

"Hey, sagt den Ladys da draußen: Skaten ist einfach das Geilste auf der Welt. Und außerdem das beste Bauch-Bein-Po-Training ever!", lacht die 20-jährige Julia Dazinger, schnappt sich ihr Board und stürzt sich mit Karacho in die Skaterbowl. Woahh! Und weg war sie. Aber die smarte Skater-Elfe hat alles im Griff: Elegant zieht sie eine Bahn und steht im nächsten Augenblick schon wieder bei uns auf der Plattform. Die Frisur sitzt, der süße Schlapphut sowieso, Freundin Larissa Schweiger, 28, applaudiert. "Los ging's mit dem Skaten bei mir vor gut eineinhalb Jahren. Ich war auf der Suche nach einer sommerlichen Alternative zum Snowboarden. Also schnappte ich mir ein Skateboard und marschierte zum Girls' Day im Skatepark Hütteldorf. Dort stand ich dann zum ersten Mal auf dem Board - und es hat klick gemacht. Kurz darauf lernte ich Larissa kennen. Seitdem treffen wir uns so oft es geht zum Shredden!", so die Niederösterreicherin. Shredden? Hat natürlich nichts mit einem Papier-Shredder zu tun. Sondern bedeutet "besonders hartes und kompromissloses Skaten für Material und Fahrerin." Hier im Hütteldorfer Skatepark herrscht eine offene, freundliche Atmosphäre. Man kennt und respektiert einander. "Skaten verbindet die unterschiedlichsten Menschen. Wir motivieren uns gegenseitig. Wer einen coolen Trick schafft, bekommt Applaus. Das ist einfach so ein Gruppending", schwärmt Larissa, die mit 26 ihre ersten Meter am Skateboard wagte. "Früher wollte ich ja eigentlich Profi-Beachvolleyballerin werden, ich bin am Wörthersee aufgewachsen. Dort gehörte das quasi zum guten Ton. Als ich zum Studieren nach Wien kam, suchte ich nach einem Sport, bei dem ich nicht unbedingt auf eine Gruppe angewiesen bin", erzählt sie. Ihre Devise: Her mit dem Brettl, rauf auf die Rampe. "Meine Mutter hat mich damals gefragt, ob ich spinne!", schmunzelt sie. "Man ist aber nie zu alt oder zu jung zum Skaten!"

Skatergirls im Interview

»Beim Skaten muss man sich seinen Ängsten stellen, Grenzen überwinden. Nur so kommt man weiter, wie immer im Leben.«

BESSERWISSER MÄNNER

Anfangs waren Larissa und Julia schon eine "ziemliche Attraktion" für die Jungs vor Ort. "Doofe Sprüche kamen selten." Vielmehr bemühten sich die männlichen Kollegen, mit Tipps und Tricks zur Seite zu stehen. So gut es geht. Sooft es geht. "Du brauchst meistens gar nicht nach einem Rat fragen, schon bekommst du einen", so Julia. Mansplaining de luxe. Die beiden nehmen's trotzdem gelassen. "Warum sollten Mädels nicht skaten können? Wir haben zwei Beine und zwei Arme. Und wenn ich mit einem Rock shredden will, dann bin ich nicht mehr oder weniger Mädchen. Hallo!? Röcke sind ursuper! Maximale Beinfreiheit und so!", lachen beide. "Eher uncool" finden sie, dass es bis jetzt nur eine weibliche Boarderin auf das Cover eines Skate-Magazins geschafft hat. Nackt. Obwohl sich immer mehr junge Frauen ein Skateboard zulegen, ist die Szene schon noch immer männlich dominiert.

FEMINISMUS SPIELT SCHON EINE ROLLE...

... wenn auch keine übergeordnete. "Mein Partner müsste verstehen, dass ich keinen Bock habe auf Kochen und Bügeln", so Larissa unmissverständlich. Schließlich gebe es wichtigere Sachen im Leben. Skaten zum Beispiel. Bis zu sechs Mal die Woche, so oft ihr Job es eben zulässt. Larissa arbeitet in einer Werbeagentur, ihre Freundin studiert Sprachen auf Lehramt. Ihre Ziele? "Also Karriere möchte ich jetzt nicht unbedingt machen", sagt die Ältere, und fügt hinzu: "Hoffentlich liest mein Chef das nicht!" Lautes Gelächter.

»Warum sollen Mädels nicht skaten können? Wenn ich mit einem Rock shredden will, dann tu ich das auch! Das Leben ist eine Party!«

"Wenn ich einmal Kinder habe, möchte ich ihnen als Erstes das Skaten beibringen", weiß Julia jetzt schon. Bis dahin soll sich aber bereits einiges geändert haben, wollen die beiden doch viele Mädels zum Skaten motivieren. Wie? Durch die Facebook-Gruppe Cat's'n Rolls. "Wir sehen uns nicht als exklusive Mädls-Gang. Alle sind willkommen."

Skatergirls im Interview
Larissa Schweiger (28), Werbeberaterin & Julia Dazinger (20), Sprachstudentin

GRENZEN ÜBERWINDEN

Aber was ist es nun, das an diesem Brett mit vier Rollen so fasziniert? "Sobald ich auf dem Board stehe, ist die Welt wieder in Ordnung. Alle Probleme sind wie weggeblasen. Dazu kommt, dass es einiges an mentaler und körperlicher Arbeit braucht, bis Tricks wirklich funktionieren. Wenn es klappt, ist es ein überwältigendes Gefühl!", schwärmt Larissa, und Julia ergänzt: "Man muss seine eigenen Grenzen überwinden, sich trauen. Und nicht zu viel nachdenken. Sich seinen Ängsten stellen! Nur so kommt man weiter, wie immer im Leben." Abschürfungen und verknackste Gelenke stehen auf dem Tagesprogramm. Stolz zeigen die zwei ihr "drittes Knie" -eine klassische Skaterkrankheit. Nach dem hundertsten Sturz bildet sich irgendwann mal ein neuer Knorpel dort. "Bis jetzt sind bei uns alle Knochen wieder verheilt. Und ganz arg entstellt sind wir noch nicht, oder?", scherzt Larissa und wirft einen prüfenden Blick in die Selfie-Cam auf ihrem Handy. "Aber hey, was soll 's: Feiere das Leben, und das Leben feiert dich!", schnappt ihr Board und wirbelt davon ...

Skatergirls im Interview

Themen: Fitness, Sexismus

WOMAN Community

Deine Meinung ist wichtig! Registriere dich jetzt und beteilige dich an Diskussionen.

Jetzt registrieren!

Schon dabei? .