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Bist du in Zukunft ein digitaler Analphabet?

Sprichst du HTML, CSS oder Phython? Nein? Dann gehörst du künftig zur Gruppe der digitalen Analphabeten. Wir sprechen mit der Expertin über die Wichtigkeit von IT-Skills.

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SmartNinja - Girls n'Code

Wer die digitale Sprache nicht versteht,

© shutterstock.com

„Wer künftig nicht programmieren kann, ist der digitale Analphabet der Zukunft“, so Larisa Stanescu und Eva Krizsanits von SmartNinja Österreich und Gründerinnen von „Girls n’Code“, einer Plattform, die verstärkt Frauen an das Thema Programmieren heranführen will. SmartNinja wurde 2015 in Slowenien von Matej Ramuta und Miha Fabjan gegründet – mit dem Ziel, AnfängerInnen und Fortgeschrittenen in Kursen wertvolle IT-Kenntnisse zu lehren und sie damit fit zu machen für den Arbeitsmarkt der Zukunft. „Bis 2020 werden EU-weit im IT-Sektor rund 1 Million qualifizierte Mitarbeiter fehlen. Die Nachfrage nach kompetenten IT-Mitarbeitern war noch nie so groß wie heute", erklärt Miha Fabjan, Co-Founder von SmartNinja. Wir haben Larisa Stanescu über Coding gesprochen und erfahren, warum vor allem Frauen die Programmiersprache beherrschen sollten.

WOMAN: Wie kam es dazu für SmartNinja zu arbeiten?
Larisa: Ein halbes Jahr, nachdem Eva und ich Girls n’ Code gegründet hatten, trafen wir die SmartNinja-Jungs. Sie waren auf Erkundungsreise in Wien, wir haben slowenischen Startups das Ökosystem hier gezeigt. Es hat von Anfang an gepasst, wir haben uns gut verstanden und ergänzt. Wir verfolgen mit unseren Projekten dieselben Ziele, insofern wäre es verrückt, uns nicht zusammen zu schließen.

Eva Krizsanits & Larisa Stanescu
Eva Krizsanits und Larisa Stanescu von SmartNinja Österreich

WOMAN: Was genau ist Coding?
Larisa: Man kann sich Coding ganz simpel vorstellen: man sitzt mit einem Stift in der Hand vor einem Blatt Papier. Der Anfang ist immer schwer, wenn man nie gezeichnet oder geschrieben hat, wenn man nicht die Regeln kennt. Aber mit ein bisschen Übung und viel Kreativität können vielfältige Sachen entstehen: Es kann ein Buch, ein Brettspiel, ein Comic, ein Brief oder ein Papierflugzeug werden. Mit Computern ist es nichts anderes: Man schreibt ein Set von logischen Befehlen, die von einem Gerät ausgeführt werden. Die Resultate sind vielfältige Programme & Apps, die uns unseren Alltag erleichtern.

WOMAN: Neben Schreiben, Rechnen und Lesen soll Coden schon bald zum Grundwissen jedes Menschen gehören. Was bedeutet das für Schulen in Österreich?
Larisa: Das bedeutet, dass sie ein gutes Curriculum entwickeln müssen, das von kompetenten LehrerInnen vorgetragen wird. Im besten Fall bekommen alle LehrerInnen eine IT-Ausbildung, denn Biologie, Mathe oder Physik sind unmittelbar mit Programmieren verknüpft. Das wird dazu führen, dass Interdisziplinarität eine große Rolle spielen wird. Es ist sicher eine große Herausforderung für das aktuelle Schubladendenken, aber sobald das überwunden wird, kann es einen großen Einfluss auf die kommenden Generationen haben.

WOMAN: Was bietet ihr bei SmartNinja?
Larisa: Einen einfachen Zugang zu den gefragten Skills von heute. SmartNinjas lernen bei uns Programmieren auf einfache Art und Weise. Unsere TrainerInnen erklären komplexe IT-Konzepte anhand von konkreten Beispielen (ein Buchungs-Tool für einen Friseurladen, das Design der Google-Startseite etc.), die man sofort selber anwenden und nachbauen kann. Wir legen viel Wert auf eine Kombination von Online- & Offline-Learning. Wir zeigen unseren KursteilnehmerInnen, welche Tools sie nutzen können, damit sie schnellstmöglich zu den gewünschten Resultaten kommen.

WOMAN: Was, wenn man es verabsäumt die verschiedenen Programmiersprachen zu erlernen? Wird man dann zum Analphabeten?
Larisa: Ich denke schon. Es wird ähnlich problematisch sein, wie für Personen die heutzutage nicht lesen können. Viele Informationen gehen verloren und es wird immer schwerer sein, einen Job zu finden. Man ist konstant auf die Unterstützung von anderen angewiesen und – noch viel schlimmer – man kann sich selber nicht ausdrücken. Wenn man Schreiben lernt, ist die Erwartungshaltung ja auch nicht, dass man Schriftstellerin wird. Das gleiche gilt auch für das Programmieren. Wenn man versteht, welche Funktion die Codes ausführen, ist man schon weit voraus.

Programmieren Frau

WOMAN: Welche Jobbereiche stehen mir offen, wenn ich einen Kurs bei SmartNinja belege?
Larisa: Web Development und Software Entwicklung sind zwei Beispiele für neue Karriere-Optionen. Das Schöne an unseren Kursen ist, dass sie unseren TeilnehmerInnen Superkräfte geben – egal welchen Job sie gerade ausüben. Ein/e Social Media ManagerIn, die selbstständig Änderungen auf einer Webseite machen kann, wird sich am Arbeitsmarkt, aber auch im Unternehmen, leichter durchsetzen. Eine Journalistin, die das Web nach gewissen Daten automatisch durchsuchen kann, hat bessere Grundlagen für eine spannendere Story. Eine IT-Projektmanagerin, die die Coding-Grundlagen beherrscht, kann besser mit den DeveloperInnen kommunizieren.

WOMAN: Mit der Plattform Girls n’Code richtet ihr euch an Frauen, die programmieren lernen möchten. Wie ist das heutzutage eigentlich bei den Girls? Interessieren sie sich für IT-Themen?
Larisa: Immer mehr Frauen kommen zum Glück auf die Idee, Programmiererin zu werden! Das Image des Nerds in den Medien hat sich verbessert: Von dem asozialen Genie mit Kapuze, das nachts programmiert, hin zu einer intelligenten, sozialen Person, die mit ein paar Zeilen Codes reich werden kann. Leider werden viel zu wenige Frauen, die in diesem Bereich Karriere machen, für die Öffentlichkeit sichtbar gemacht. Das führt dazu, dass IT für viele Ladies noch ein Tabu ist. Ich glaube, sie wissen es noch nicht, dass sie sich dafür interessieren ;) Programmieren hat für viele ja noch eine fade, komplizierte Aura, man traut sich nicht ran. Aber das ändert sich, denn gemeinsam können wir das Internet erobern!

WOMAN: Warum ist es gerade für Mädchen und Frauen wichtig programmieren zu erlernen?
Larisa: Es gibt unzählige Gründe dafür, aber die wichtigsten drei Argumente für mich sind:
1. Weil sie das Internet und die Technik, die wir tagtäglich nutzen, mitgestalten können.
2. Weil sie dadurch empowert werden, sowohl finanziell als auch karriere-technisch.
3. Weil sie ihre eigenen, kreativen Ideen umsetzen können und nicht auf andere Personen angewiesen sind.

WOMAN: Welche Programmierkenntnisse sollte man 2020 zumindest beherrschen?
Larisa: Es ist ganz schwer, eine Vorhersage für 2020 zu machen, da sich der IT-Bereich sehr schnell ändert. Ich glaube, man ist auf der sicheren Seite, wenn man einen Source-Code lesen, verstehen und ändern kann. Die Programmiersprache Python ist ideal zum Einsteigen, weil man dadurch die Basis-Konzepte des Programmierens versteht und man sie vielseitig einsetzen kann. Python ist das Klebeband der Programmiersprachen: leicht zugänglich und praktisch. Webseiten sind eine Grundlage für jedes Unternehmen, insofern ist es auch wichtig zu verstehen, wie eine Webseite aufgebaut ist. Und im Idealfall lernt man auch, das selber zu machen.

WOMAN: Für wen macht es Sinn einen eurer Coding-Kurse zu belegen?
Larisa: Ganz ehrlich, für alle! Aber primär sind es Personen, die eine IT-Karriere anstreben oder die auf der Suche nach neuen Job-Opportunities sind. Gleichzeitig können Projekt-ManagerInnen, Online Marketeers, WissenschafterInnen, JournalistInnen und BloggerInnen sehr stark von unseren Kursen profitieren. Wenn man in diesen Bereichen programmieren kann, ist man den KollegInnen garantiert ein paar Schritte voraus!

WOMAN: Was können Eltern tun, um diese Kenntnisse bei ihren Kindern zu fördern?
Larisa: In erster Linie würde ich vorschlagen, dass sie selber programmieren lernen, um die Grundlagen zu verstehen und sich dafür zu begeistern. Dann kann man sich zusammen setzen und Pair Programming machen, also zu zweit Projekte umsetzen. Es besteht natürlich immer die Möglichkeit, den Kids einen Kurs zu zahlen, aber die Erfahrung, etwas gemeinsam zu gestalten und voneinander zu lernen, ist viel wertvoller.

Mehr Informationen zu den Kursen findest du hier: www.smartninja.at

Themen: Karriere, Report