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Gegen Grant: Das verändert euer (Liebes-) Leben

Verhaltenstherapeut Jens Corssen meint, dass ärgern nichts bringt. Wie wir gelassener werden und dadurch auch unsere Beziehungen festigen können.

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Gegen Grant: Das verändert euer (Liebes-) Leben
© Mika Knezevic iStockphoto

Ja, klar, Jens Corssen ärgert sich auch. Im Galore Magazin erzählt er, dass er letztens in einem guten Restaurant mit der Leistung nicht zufrieden war. „Das Problem aber hatte ich, weil ich eine Vorstellung davon gemacht habe, wie das Essen sein sollte. Da kann aber das Lokal nichts dafür.“ Wie hat er reagiert, den Ärger unterdrückt? „Natürlich habe ich meine Enttäuschung mitgeteilt! Und klar kann man sagen: Blöder Stau. Es ist gesund seine Gefühle auszudrücken.“ Das gewohnte Klagen und Anklagen jedoch erzeugt eine Opferhaltung, die schwächt.

Man sollte also darauf zu achten, sich nicht so lange zu ärgern.

Doch wie gelingt es einem, sich weniger zu ärgern? Corssen trägt an seinem Handgelenk ein Gummiband. „Sobald ich mich ärger, dann zupfe ich daran. Immer wenn ich gegen das Leben bin, gegen mich und andere, erzeugt mein Organismus Stresshormone.“

Auf Dauer macht uns dieser Klagemechanismus krank.

Wer vier bis sechs Wochen an dem Band zupft, wird sich weniger ärgern, so Corssen, weil sich die Weltsicht verändert. Das heißt also, dass man sich über Trump beispielsweise nicht mehr ärgern soll? „Trump Bashing ist simpel und bringt uns nicht weiter. Er hat – wie jeder Mensch, recht –zumindest in seinem Angst- und Denksystem. Das muss man respektieren und diese Menschen darf man nicht wie Abfall behandeln.“
Aber Menschen scheint es leichter zu fallen, über andere herzufallen, als sie zu respektieren.

Viele wissen nicht: Es gibt eine Klagesucht. So wie sich der Körper an Alkohol gewöhnt, so gewöhnt er sich auch an das Jammern.

Ein Klient, der damit aufhören wollte, sprach am elften Tag von Depersonalisationserscheinungen. Er erkannte sich nicht wieder. Statt erleichtert zu sein, fühlte er sich mit sich selbst fremd. Das ängstigte ihn. Ich habe ihm dann seine Situation erklärt: Sie sind auf kaltem Entzug, Ihre Körperzellen sind süchtig nach Stresshormonen. Der Grund, warum auch gerade in Beziehungen so viel gejammert wird, liegt in den Erwartungen: “

Der Mensch, den wir lieben, ist nicht dafür da, unsere Erwartungen zu erfüllen.

„Wichtig wäre, den anderen daraus zu entlassen. Ihm zu sagen, Schatz, du musst mich nicht glücklich machen, ich kümmere mich selbst darum. Denn wenn ich es nicht selbst schaffe, zufrieden zu sein, schafft es keiner. So kommen Sie raus aus der Opferhaltung: Fangen Sie bei sich an. Und nicht bei den anderen. Die anderen sind nie schuld an Ihren Bewertungen, an Ihren Verstimmungen.“

Diese vier Dinge ändern die Beziehung zu deinem Partner zum Positiven:


1. Dem anderen nichts einreden. 2. Ihm nichts ausreden. 3. Keine ungefragten Beurteilungen. 4. Keine ungefragten Ratschläge – denn das heißt übersetzt: Du bist doof.

Interessant ist auch Corssens Meinung zu Treue:
„Viele Frauen nehmen sexuelle Treue als ein Kriterium für Liebe, was ich schade finde. Dadurch wird die Liebe diskriminiert, weil Sexualität ein biologischer Trieb ist.
Hört auf zu denken, mein Mann kam heute nicht nach Hause, sondern denkt euch, ein Mann kam heute nicht nach Hause. Denn er ist nicht Euer Besitz!
Ein Mann, das fühlt sich anders an als mein Mann. Der Buchstabe M kostet Euch zu viel. Diese Rechthaberei macht Euer Leben kaputt! Die Liebe kommt, die Liebe geht, so, wie alles fließt. Wenn ich für das Leben bin, dann bin ich auch für das Kommen und Gehen. Einer der klügsten philosophischen Sätze, die mir immer Halt geben, lautet: „Willkommen, Tag, ich erwähle dich mit allem, was du bringst. Ich darf nicht in die Falle gehen, immer nur das Plus haben zu wollen.“

Positives Denken ist nicht förderlich.

„Es blendet andere Teile des Lebens, Wut oder Trauer zum Beispiel, einfach aus. Ich kann aber nicht immer nur alles schön und toll finden. Wenn mein Computer streikt, dann schreie ich nicht Hurra. Aber dass er nicht funktioniert, ist Teil des Lebens, genauso wie das Auto, das morgens nicht anspringt. Und wenn ich für das Leben bin, dann bin ich auch dafür, dass Dinge mal funktionieren und mal eben nicht. Das bedeutet nicht, dass ich es gut finden muss. Wenn ich aber das Gesamte annehme, komme ich in eine gehobene Gestimmtheit und bin mental stabiler.“

Thema: Psychologie