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So gelingt die Liebe

Wenn zwei Menschen zusammenkommen, sind Stolpersteine nicht weit. Wie Liebe trotzdem zum Dauerbrenner wird, sagt Bestseller-Autor Michael Mary. Durch Emotion und offene Worte etwa. Denn das Zusammenleben funktioniert heute anders als früher. Wir haben 10 beste Tipps aus seinen Büchern.

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So gelingt die Liebe
© Henglein and Steets/cultura/Corbis
1

Begegnungen.
Verschmelzen ist nicht mehr in. Die Vorstellung, mit dem Partner eins werden zu können, ist nicht mehr zeitgemäß. Es ist kein Zufall, dass vor allem jüngere Paare immer häufiger den Wert individueller Unterschiedlichkeit betonen. Der Vorteil: Partner, die psychisch Abstand halten, können sich immer wieder nach Nähe sehnen und auf den anderen zugehen. Wenn die Begegnung geschieht, wird sie sehr intensiv erlebt. Das Gefühl, miteinander zu verschmelzen, ist jetzt da. In leidenschaftlichen Begegnungen findet auch die Bestätigung statt, liebenswert und akzeptiert zu sein. Dazwischen kann jeder Partner seine Individualität leben und so für den anderen attraktiv bleiben. Tipp: Damit die Begegnungsmomente möglichst intensiv sind, lass deinen Partner an deiner Innenwelt teilhaben. Vermittele ihm, dass nichts von ihm verlangt wird, außer da zu sein und zuzuhören.

2

Erwartungen.
In einer Beziehung hat jeder welche. Nur keine Erwartungen, erst mal sehen, was draus wird, denkt so mancher. Schön wär's! Wer sich auf die Liebe einlässt, hat immer Erwartungen, wenn auch viele unbewusste. Sie stehen in den Startlöchern und wenn die Liebe da ist, läuft eine nach der anderen los. Das bedeutet, dass Partner ihre eigenen Erwartungen und die des anderen erst nach und nach kennenlernen. Dann hört man sich irgendwann sagen: "Ich wusste selbst nicht, wie wichtig mir der Kinderwunsch ist!" Oder man hat von sich erwartet, man könne eine offene Ehe führen. Aber wenn der Partner dann mit jemand anderem im Bett war, fällt man aus allen Wolken. Über Erwartungen zu diskutieren - "Wie konntest du dieses oder jenes erwarten?" -, macht keinen Sinn. Weil niemand über sie bestimmen kann. Besser, als sie zu leugnen oder zu verurteilen, ist, sie zu entdecken und anzuerkennen - und dann mit dem Partner darüber zu sprechen. Tipp: Frage dich: Ist das, was ich erwartet habe, wirklich selbstverständlich? Was hält mein Partner für selbstverständlich? Kläre gemeinsam: Was kann ich, was mein Partner, in Bezug auf ein bestimmtes Thema erwarten, was nicht?

3

Vertrauen.
Vor allem ein Geschenk an sich selbst. Vertrauen zu schenken ist die Voraussetzung dafür, Liebe zu empfinden. Wer die Verlässlichkeit ständig überprüfen muss, der kann sein Herz nicht öffnen. Man schenkt also weniger dem anderen als sich selbst etwas. Weil Vertrauen ein Vorschuss in eine erwartete positive Entwicklung ist, kann es enttäuscht werden. Manchmal schnell. Eine Bemerkung, ein nicht gehaltenes Versprechen ... Enttäuschtes Vertrauen schmerzt sehr, doch Selbstvorwürfe - "wie blauäugig war ich nur!" - sind fehl am Platz. Du hast dich verlassen, weil du das Gefühl brauchst, zu vertrauen. Verzeihe dir also, es geschenkt zu haben. Ist der Partner zur Wiedergutmachung bereit, müssen neue, haltbare Abmachungen her. Tipp: Wenn dein Vertrauen in den Partner zu sinken droht, rede mit ihm. Worauf hast du bisher vertraut? Wessen bist du dir nicht mehr sicher? Worauf genau möchtest du zukünftig vertrauen können? Formuliere ganz konkrete Erwartungen, etwa: "Ich möchte darauf vertrauen können, dass du sofort anrufst, wenn du verhindert bist!"

4

Eifersucht.
Das sehr mächtige Gefühl. Eifersucht hat ihre Wurzeln in der frühkindlichen Angst, von dem Menschen, von dem man voll und ganz abhängig ist, verlassen zu werden. Der Eifersüchtige begegnet früher erlebten Gefühlen von Panik und Ohnmacht. Bestätigt sich seine quälende Unsicherheit, etwa weil der Partner fremdgeht, verliert er den Boden unter den Füßen. Deshalb ist das Gefühl der Eifersucht so mächtig. Selbst dann, wenn es unbegründet ist, nützt es nichts, dem Partner zu schwören: Es gibt gar keinen Grund! Denn es gibt einen: seine Angst. Eifersucht versucht, die Liebe abzusichern - ufert sie aus, erreicht sie genau das Gegenteil. Niemand will kontrolliert werden, als Pfand für das Sicherheitsgefühl des anderen herhalten. Tipp: Anstatt den Partner zu beschuldigen und auszuspionieren, gestehe ihm deine Angst ein. Eifersucht kann man nicht loswerden, nur versuchen, mit ihr umzugehen. Daher ist es auch an dem bedrängten Partner, zu Deals bereit zu sein. So einer könnte lauten: "Ok, du glaubst, ich bekomme verdächtige Mails. Da ist mein Passwort. Findest du nichts, darfst du vier Wochen lang das Thema nicht mehr ansprechen."

5

Recht haben.
Es gibt immer zwei Wahrheiten. Verliebte meinen euphorisch, sie würden die Welt aus dem gleichen Blickwinkel sehen. Aber weit gefehlt. Schon bald stellt sich heraus: Was dem einen Probleme bereitet, lässt den anderen kalt, was für den einen unerträglich ist, juckt den anderen kaum. Er findet etwa den Tonfall ihrer Stimme eindringlich, fordert sie auf, einen anderen Ton anzuschlagen. Dann streiten sie darum, ob ihr Ton tatsächlich aggressiv ist. Sie findet ihre ironischen Bemerkungen über seine Sammelleidenschaft witzig, er verletzend. Dann streiten sie darüber, ob sie verletzend oder witzig sind. Partner können endlos darüber streiten, wer recht oder unrecht hat, wer richtig oder falsch wahrnimmt. Tatsache ist, dass jeder den gleichen Sachverhalt anders sieht und erlebt. Daher ist es absolut sinnlos, die Wahrheit des anderen anzuzweifeln: Weil es in Beziehungen stets zwei Wahrheiten gibt. Spreche lieber darüber und staune, wie "ich die Sache sehe" und wie "du das tust." Tipp: Die Anerkennung der unterschiedlichen Wahrnehmung als gleichwertig ist Voraussetzung dafür, dass die Partner zu einem einvernehmlichen Umgang mit den Themen finden. Wobei die Einigung auch sein kann, sich nicht einig zu sein. Man kommt eben nicht überall zusammen.

6

Streit.
Das Duell braucht fixe Regeln. Streit wird gebraucht, um auseinander zu kommen. Auseinander zu sein, ist Voraussetzung dafür, wieder zusammenzukommen. Die Unterschiedlichkeit des Partners hat einst dazu beigetragen, tiefe Gefühle für ihn zu entwickeln. In der alltäglichen Lebensorganisation werden diese Unterschiede gerne verleugnet - Symbiose hat ja auch ihren Reiz. Jeder schneidet sich gewissermaßen ein Stück seiner Individualität ab. Aber irgendwann rebelliert der verleugnete Persönlichkeitsanteil, bricht einen Streit vom Zaun. Ziel ist, die Unterschiedlichkeit der Partner wieder bewusst zu machen und anzuerkennen. Tipp: Streit ist nicht dazu da, den Partner zu verletzen. Drohungen gehen gar nicht. Standpunkte müssen dargelegt werden können. Versuche, eine Streitkultur festzulegen, etwa: Welche Lautstärke ist für mich akzeptabel? Was ist eine Beleidigung?

7

Interessen.
Konflikte gehören dazu. Jeder Mensch hat Bedürfnisse, durchwegs egoistischer Natur. Allerdings lassen sich viele davon nicht ohne andere Menschen erfüllen, weshalb man auf diese angewiesen ist. Das gilt erst recht in der Liebe. Man kann vielleicht gut allein leben, aber niemand kann allein lieben. Bedürfnisse, die man gegenüber anderen vertreten und durchsetzen muss, werden als Interessen bezeichnet. Ganz oben stehen das an der Liebe und das an sich selbst. Was sich nicht immer verträgt. Das zeigt sich beispielsweise dann, wenn einer Nähe sucht und der andere für sich sein möchte. Wie findet man Übereinstimmung? Indem beide Bedürfnisse erfüllt werden, nicht gleichzeitig, aber nacheinander. Es gibt weiters Interessen an einer bestimmten Freizeitgestaltung, geistige, musische, sexuelle und andere mehr. Versuche, eigene Bedürfnisse durchzusetzen, sind, wenn man in seiner Beziehung zufrieden sein möchte, unerlässlich. Genauso unvermeidbar: die durch Interessenskonflikte ausgelösten Kämpfe. Wichtig: Die Liebe schafft keine völlige Interessensgleichheit, aber der Partner kann erwarten, dass man seine Bedürfnisse wahrnimmt. Tipp: Oft steht hinter dem Drängen des einen, mehr gemeinsame Interessen zu pflegen, ein ganz anderes Bedürfnis. Etwa nach emotionaler Nähe. Versuche zu hinterfragen, was wirklich Sache ist.

8

Leidenschaft.
Begehren contra Vertrautheit. Leidenschaft befreit aus der Alltäglichkeit, bietet eine der wenigen Möglichkeiten, das Leben als unmittelbar, unvorhersehbar und aufregend zu erleben. Deshalb wird leidenschaftsloser Sex auf Dauer als fade empfunden. Vor allem Paare in langen Beziehungen, die sich auf bestimmte Gewohnheiten festgelegt haben, die eine vertraute, von Gefahren verschonte Sexualität pflegen, leiden oft unter Spannungslosigkeit. Meist haben die Partner zu wenig Abstand zueinander. Distanz, die man sehnsuchtsvoll zu überwinden sucht, gehört aber zu den wesentlichen Bedingungen des Begehrens. (Siehe psychischer Abstand Punkt 1). Manche Partner finden eine Lösung in getrennten Betten oder Wohnungen. Sie gehören sich nie ganz. Tipp: Leidenschaft ist auf Spannung angewiesen. Wenn du unter Lustlosigkeit leidest, versuche, dich einmal anders zu zeigen, sexuelle Vorlieben aufs Tapet zu bringen und etwas zu riskieren. Vorhersehbarkeit ist der Tod des Begehrens.

9

Seitensprung.
Ende oder Chance für den Neuanfang. Bei einem Seitensprung geht die Welt nicht unter, auch wenn es sich für den davon Betroffenen so anfühlt. Sicherlich platzen Träume und Illusionen, werden einander Verletzungen zugefügt. Aber wenn der Seitensprung schon mal passiert ist, sollte man auch die Chancen nutzen, die er bietet. Beispielsweise bringt er Themen auf den Tisch, die darunter sicher verstaut zu sein schienen. Was erlebt ein Partner beim Auswärtsspiel, was er in der Beziehung vermisst? Akzeptanz, Nähe, Lebendigkeit? Die Partner könnten sich dann damit befassen, ob ihnen das vermisste Gefühl einmal gemeinsam möglich war, und wodurch es verschwand. Ob die Bereitschaft besteht, es nochmals zu versuchen. Daraus kann sich sogar eine Vertiefung der Zweisamkeit ergeben. Eine stabile Beziehung wird durch einen Seitensprung selten zerstört, für eine Partnerschaft mit ohnehin schon wenig Substanz ist er oft der Todesstoß. Tipp: Soll man Seitensprünge beichten? Grundsätzlich kommt es auf die Bedeutung der Affäre an. Hat sie keine Auswirkung auf die Beziehung, sollte man sich eine Offenbarung zweimal überlegen. Besteht Gefahr, sich anderweitig zu verlieben, ist es hingegen fairer, den Partner zu informieren.

10

Kompromisse.
Liebe lässt sich nicht verhandeln. Deals sind sinnvoll in der Partnerschaft: Sie beruht auf einem gemeinsamen Lebensprojekt, der Familie, der Alltagsbewältigung. Jeder Partner soll zu diesem Projekt gleichwertige Leistungen beitragen. Man kann aushandeln, wer die Wäsche macht, wer die Autos repariert und wie mit dem Geld umgegangen wird. Und wenn man dabei zu Kompromissen bereit ist, finden sich meist als gerecht empfundene Lösungen. In der emotionalen Liebe hingegen gibt's kein Aufrechnen. Es ist völlig sinnlos, zu fordern: "Weil ich mich nach dir sehne, musst du mich begehren" oder: "Weil ich dich küsse, musst du mich streicheln!" Liebe kann man nicht leisten. Liebende schenken und hoffen auf Erwiderung. Man kann, so man will, für den Partner freiwillig Opfer bringen, Wer aber "aus Liebe" Kompromisse macht, der landet in der Selbstverleugnung und nimmt das dem Partner irgendwann übel. Tipp: Wenn es gelingt, Partnerschaft und Liebe auseinanderzuhalten, können Kompromisse am richtigen Ort eingegangen werden.

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