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So wird Ihre Liebe endlich erwachsen: Wie Sie zu einer erfüllenden Beziehung finden

Erfahrungen und Ängste durch frühere Beziehungen oder Prägungen und Muster aus der Kindheit stehen uns oft im Weg, wenn es um die Liebe geht. Wie Sie sich befreien können, um eine erfüllende Beziehung zu finden, lesen Sie hier.

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So wird Ihre Liebe endlich erwachsen: Wie Sie zu einer erfüllenden Beziehung finden
© Corbis

Wahre Liebe, Respekt, zwei Menschen auf Augenhöhe - vom Kopf her wissen wir, wie eine Beziehung sein sollte, die uns glücklich macht. Für die Erkenntnis, dass die Praxis oft ganz anders ausschaut, braucht man keine Statistiken über hohe Scheidungsraten: Jeder kennt im eigenen Freundeskreis soundsoviele Paare, bei denen's nicht gut läuft oder die sich gerade getrennt haben. Und in der eigenen Partnerschaft ist womöglich auch schon (wieder) der Wurm drin. "Warum gerate ich immer an den Falschen?", haben Sie sich schon in vielen schlaflosen Nächten gefragt. Die einfache Antwort darauf: weil Sie ihn suchen. Denn alte Muster aus der Kindheit übernehmen unbewusst die Regie, wenn es um die Auswahl von Partnern geht. Und solange wir ihnen nicht das Handwerk legen, ist die Gefahr groß, immer wieder an den gleichen, nicht adäquaten Typ Mann zu geraten: zu machoartig, zu unterwürfig, zu lieblos, zu gewalttätig...

Beziehungsmodell.
"Großteils haben wir Partnerschaft durch das Vorbild unserer Eltern gelernt", erläutert Michael Adam, Lebenscoach und Seminarleiter in Eichgraben, NÖ ( www.sonnenscheinseminare.at ). "Das hat uns geprägt. Das Teuflische ist, dass diese Prägungen fast ausschließlich in unbewussten Bereichen wirken. Wir glauben, das gehört sich halt so. "

Eine Frau macht sich zum Beispiel zum "Putzfetzen" für ihre Familie. Papa meckert nur herum, Worte der Wertschätzung fallen nie. Tochter und Sohn erleben dieses "Spiel" tagtäglich, 18 Jahre lang. Dann hat der Sohn selbst eine Freundin, legt die Füße auf den Tisch will sich bedienen lassen. Sie ist empört: "Was ist los, bist du gelähmt? Kannst mir ruhig im Haushalt helfen. Und deine Socken gib gefälligst selbst in die Waschmaschine!" Er versteht die Welt nicht mehr: "So funktioniert Partnerschaft nicht, ich habe das ganz anders gelernt." Und die Streitereien sind programmiert. Oder aber es kippt ins andere Extrem: Er macht sich selbst zum "Putzfetzen", weil er nicht möchte, dass eine Frau, die er liebt, so leiden muss wie seine Mutter. Seine Partnerin findet ihn mit der Zeit nicht mehr erotisch, beginnt ihrerseits zu meckern. "Warum drückst du die Zahnpastatube immer oben statt unten aus...?"

Teufelskreis.
Die Tochter wiederum wird entweder das Muster der Mutter übernehmen, ihrer Tochter weitergeben und so den Teufelskreis am Leben erhalten. Oder aber: Hausarbeit löst bei ihr Brechreiz aus, sie möchte nie so sein wie ihre Mutter. Wenn man bei ihr in die Wohnung kommt, denkt man, eine Bombe hat eingeschlagen.

"Muster werden oft über Generationen weitergegeben", bestätigt auch Elisabeth Moshammer, Psychologin und Psychotherapeutin aus Wien. "Unsere Eltern sind unser erstes Beziehungsmodell, dieses prägt unsere Definition von Normalität. Selbst dann, wenn unangenehme und drastische Elemente wie Gewalt oder sexuelle Übergriffe unseren frühkindlichen Beziehungsalltag ausmachen. Leider bedeutet das uns Bekannte auch immer Sicherheit." Und so ist später der unbewusste Drang vorhanden, alte Beziehungsmuster erneut zu inszenieren. "Ein leider gängiges Beispiel sind hier Töchter alkoholkranker bzw. gewaltbereiter Väter, die wieder Beziehungen eingehen, die den Erfahrungen der Kindheit entsprechen", so Moshammer, "die sich in einem immer wiederkehrenden Scheitern zwischen Liebe, Abhängigkeit, Ohnmacht, Verzweiflung und dem Wunsch, aus dieser Spirale auszusteigen, wiederfinden."

Inneres Kind.
Weniger drastisch, aber ebenfalls problematisch sind Erfahrungen mit einem Vater, der die Tochter große Autorität spüren ließ, ihr vorschrieb, welche Freunde sie haben und was sie anziehen sollte. "Sie wird sich später wieder einen Mann suchen, der sie unterdrückt", weiß Michael Adam, "oder einen, den sie unterdrücken kann." Beide Modelle sind von partnerschaftlicher Liebe weit entfernt.

Neben den Mustern, die Kindern durch Erleben und Beobachten der Eltern oder sonstiger Bezugspersonen eingraviert werden, wirken sich natürlich auch direkte gefühlsmäßige Erlebnisse auf die spätere Liebesfähigkeit aus. Der Begriff "inneres Kind" steht für das Kind im Unterbewusstsein des Erwachsenen, das möglicherweise zu wenig Liebe bekam und die jetzt nachholen möchte. Das vielleicht verletzt wurde und sich schützen muss. Es lässt daher nicht zu, dass zu viele Gefühle gezeigt werden oder zu viel Nähe angestrebt wird.

Verlustängste.
"Musste man in der Kindheit die Gewissheit vermissen, auch wirklich um seiner selbst willen gewollt und geliebt zu werden, hat man später Zweifel an der Sicherheit von Liebesbeziehungen", gibt Elisabeth Moshammer zu bedenken. "Man benötigt in der Partnerschaft ein besonderes Ausmaß an Bestätigung. Und selbst wenn einem das gewährt wird, sind Verlustängste oft an der Tagesordnung." Spätestens wenn die "rosarote Narkose", die erste Verliebtheit, dem Beziehungsalltag weicht. Und ganz besonders dann, wenn handfeste Krisen auftauchen. "Die Angst vor dem Verlassenwerden", zeigt die Expertin auf, "zwingt uns oft in übertriebenem Ausmaß, die Bedürfnisse des Partners zu erfüllen und die eigenen zu ignorieren." Auch krankhafte Eifersucht entsteht meist aus Verlustängsten.
"Viele Frauen", ergänzt Coach Michael Adam, "sehnen sich ihr Leben lang nach der Liebe des Vaters, da dieser emotional nicht greifbar war. Ein Mann ist allerdings überfordert, wenn er seiner Partnerin diese Liebe ersetzen soll."

Wie eine Bombe.
Eine weitere Hürde auf dem Weg zur glücklichen Partnerschaft sind negative Glaubenssätze. "Ich bin sowieso ein Versager", "alle Männer sind Schweine", usw. Eltern und Erziehern ist oft gar nicht bewusst, was sie anrichten können, wenn sie einem Kind sagen: "Du schaffst das sowieso nicht", "Du machst aber auch immer alles falsch" oder "So wie du bist, wird keiner mit dir was zu tun haben wollen."
"Solche Sätze können auch noch bei einem Pubertierenden einschlagen wie eine Bombe", erklärt Michael Adam. "Ich erinnere mich an eine Klientin, die sehr attraktiv war, aber fest davon überzeugt, keinem Mann zu gefallen. Was war geschehen? Ihre Eltern hatten wiederholt vor anderen den Satz fallen lassen: Schönheit ist unsere Tochter ja keine, aber dafür sehr brav!"
"Würde man diese Frau in einen Raum gehen lassen, in dem zehn Männer sind", zeigt der Coach die Dramatik solcher "Glaubenssätze" auf, "würde sie neun gefallen, einer denkt: Die ist nicht mein Typ. Sie würde sich genau zu diesem einen hingezogen fühlen und nachher die Bestätigung haben: Ich hab ja gewusst, dass ich keinem Mann gefalle!" Hinter diesem Phänomen - "Wir erleben genau das, was wir erwarten" - steckt, so Adam, das Gesetz der Resonanz. Wir senden bestimmte Schwingungen aus, und alles, was damit in Gleichklang steht, ziehen wir an.

Waterloo.
Christian, 44, und Alexandra Wild, 35, können ein Lied davon singen. Die beiden, seit drei Jahren verheiratet und bald frischgebackene Eltern, sind "so glücklich wie noch nie" in ihrer Beziehung. Ein Seminar, in dem sie sich von alten Mustern befreiten, war allerdings Voraussetzung dafür. "Mein Problem war die Angst, nicht entsprechen zu können", so der Kaufmann, "und dadurch nicht liebenswert zu sein." Als ihm seine Frau nach 13 Jahren Ehe an den Kopf warf, ihn sowieso nie geliebt zu haben, war das Waterloo für ihn perfekt. "Ich musste aber erst einmal draufkommen", so Christian Wild, "dass ich selbst etwas ändern konnte." Im Seminar "Inneres Kind" bei Michael Adam wurde ihm im Rahmen der Gruppe mit speziellen Übungen und Rollenspielen vor Augen geführt, wie er sich selbst im Weg stand. Er lernte erst einmal anzunehmen, dass ihn andere liebenswert fanden und ihm vieles zutrauten, bevor er selbst an sich glaubte. "Wenn man einmal draufgekommen ist, wo der Hund begraben ist, ist schon viel erreicht", meint er. Seine Frau, die er beim Seminar kennen und bei einem zufälligen Treffen danach lieben lernte, hatte sich den Stolperstein "Männer sind für nichts zu gebrauchen, man muss sowieso immer alles allein machen!" aufgestellt. Kein Wunder, dass sie auch immer an solche Nichtsnutze geraten war.

Leidensdruck.
"Wenn bestimmte Lebens- und Beziehungsprobleme immer wiederkehren, der Leidensdruck zu- nimmt und die Bereitschaft, sich diese Muster zu verdeutlichen und reflektiert zu betrachten, offensichtlich ist, scheint der erste und wichtigste Schritt vollzogen", ist auch Psychologin Moshammer sicher. Wichtig wäre dann, darüber zu reden, mit Freundinnen, Familienangehörigen, Menschen, denen man vertraut. Sie können einem als Außenstehende Dinge aufzeigen, die man selbst nicht mehr gesehen hat: "Er musste nur die Stimme erheben, und du bist schon ganz klein geworden..." Schafft man es allein nicht, aus dem Wirrwarr der alten Muster herauszukommen, sollte man eine professionelle Therapie in Erwägung ziehen. "Wenn wir ein freies, selbstbestimmtes Leben führen", macht Michael Adam Lust auf mehr, "können wir gar nicht verhindern, dass der perfekte Partner in unser Leben kommt." Und Elisabeth Moshammer ergänzt: "Worauf es ankommt, ist, was wir aus dem machen, was aus uns gemacht wurde!"

Tipp: So streifen Sie alte Muster ab

Roter Faden. Wenn es nicht ohnehin offensichtlich ist, gehen Sie in sich: Welche Eigenschaften hatten Ihre bisherigen Partner gemeinsam?

Ursachen. Lassen Sie Ihre Kindheit Revue passieren. Welche Bezugspersonen könnten Sie in Sachen Partnerschaft beeinflusst haben? Haben Sie negative Glaubenssätze, die Ihnen im Weg stehen?

Aufarbeitung. Fragen Sie vertraute Menschen, wie diese Sie in Beziehungen erlebt haben. Besprechen Sie mit den Freunden auch erkannte Probleme: Bin ich wirklich nicht liebenswert? Nützen einen alle Männer nur aus? Arbeiten Sie bewusst an neuen, positiven Glaubenssätzen.

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