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Was dich erwartet, wenn du einen Jungen erwartest

Mama Susanne Holzer hatte aus tiefstem Herzen das Bedürfnis, über etwas ANDERES als Corona zu schreiben, irgendwas einfach nur zum Schmunzeln. Herausgekommen ist ein Text, bei dem wir nicht nur schmunzeln, sondern lauthals lachen mussten. Und worin sich alle Eltern mit Buben ganz sicher wiederfinden werden!

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Was dich erwartet, wenn du einen Jungen erwartest
© Andrew Rich/ iStock

Man sagt ja, Männer sind vom Mars und Frauen von der Venus. Wenn das so ist, dann sind kleine Jungs wohl vom Planeten Pampelplupp. Nach sechs Jahren mit zwei kleinen Burschen kann ich sagen: Sie sind mir nach wie vor ein Rätsel. Jeden Tag aufs Neue bringen sie mich zum Staunen. Zum Wundern. Zum Haareraufen. Zum Ausflippen. Und natürlich mehr als alles andere: zum Lachen. Denn bevor hier jemand weiterliest und die „Undankbare Mutter“-Keule schwingt: Ich liebe die beiden über alles.

Und trotzdem – und ich sag’s ganz ehrlich: Manchmal treiben sie mich schlicht und einfach in den Wahnsinn. Wahrscheinlich ist es selektive Wahrnehmung, dass mir in solchen Phasen die Mädels meiner Freundinnen immer viel braver vorkommen. Ebendiese Freundinnen haben mir zwar glaubhaft versichert, dass dem nicht (immer) so ist, aber was ich dann sehe, ist Folgendes: Mädels, die stundenlang dasitzen und Glitzerpickerl kleben, während meine beiden mit Indianergebrüll um den Tisch galoppieren. Mädels, die hingebungsvoll ihre Puppen frisieren, während meine Jungs daneben Hauspatschen-Weitwerfen spielen.

Es gibt bestimmt auch Jungs, die ruhiger sind. Und Mädels, die wilder sind. Aber im vollkommen subjektiven, nicht wissenschaftlich gesicherten Auswahlverfahren möchte ich euch trotzdem meine „Top 10“ über das Leben mit kleinen Jungs präsentieren. Für alle Jungs-Mamas und solche, die es vielleicht bald sind oder noch werden wollen: Ich finde, ihr solltet Folgendes wissen.

Die Top 10 des Mamalebens mit Jungs

1

Für Jungs ist die ganze Welt ein Abenteuerspielplatz.
Du siehst einen Vorhang? Deine Jungs sehen eine Liane! Du siehst einen Couchtisch? Deine Jungs sehen ein Sprungbrett! Das Lebensmotto von kleinen Jungs ist „Höher, schneller, weiter“, immer und in jeder Situation. Ganz gleich, ob sie sich gerade im Turnsaal oder in der Milchprodukte-Abteilung eures Supermarkts befinden.
Manchmal komme ich mir zu Hause wie in meiner eigenen Live-Version von „Takeshi’s Castle“ vor. Was manchmal ja ganz lustig ist, oft aber auch ganz schön nervenaufreibend. Denn obwohl Jungs im Geiste aller Superhelden sind, sind sie im Fleische dann leider doch nur kleine Menschlein, die der Schwerkraft unterliegen. Deshalb fallen Jungs. Vom Fahrrad. Vom Baum. Vom Sessel und vom Couchtisch. Du wirst bis zum sechsten Geburtstag deines Kleinen gefühlte 3.000 aufgeschlagene Knie, 2.629 blutende Ellenbogen und 1.562 Cuts auf der Stirn verarztet haben. Du wirst nicht mehr ohne Pflaster außer Haus gehen. Und mit den Rezeptionisten der Kinder-Unfallambulanz möglicherweise bald per Du sein.

2

Jungs sind Jäger und Sammler.
Vor allem Sammler. Du wirst keinen Spaziergang mehr machen, ohne dass dein Kind im Durchschnitt 5 Stecken und 23 Steine und Zapfen sammelt, die so schön sind, dass sie unbedingt mit nach Hause genommen werden müssen.
Mit den Stecken wird dein kleiner Bursche ziemlich sicher entweder sich selbst, seinem Bruder oder dir halb das Auge ausstechen. Er wird drüber stolpern und ihn in jedes noch so dreckige Kanalloch stecken wollen. Nach etwa der Hälfte des Weges leidet er dann an spontaner Erschöpfung, was bedeutet, dass du neben Jausenrucksack, Wickeltasche, Laufrad und was man als Mama eben noch so mithat, auch fünf sperrige Holzstecken mit dir herumtragen wirst.
Erfreulicherweise gilt das nicht für die gesammelten Steine. Die verteilt dein Kind nämlich in sämtlichen Hosen- und Jackentaschen und du findest sie wahlweise dort im nächsten Frühjahr oder in deiner kaputten Waschmaschine wieder.

3

Jungs haben anatomisch einzigartige, lanzen-förmige Knie.
Anders kann ich es mir nicht erklären, dass ich gefühlt jeden Tag Hosen flicke. Egal, wie teuer die Jeans, egal wie dick der Stoff: Meine Jungs kommen nach spätestens drei Tagen mit aufgerissenen Knien daher.
Mittlerweile besitzen sie jeweils nur noch eine Hose ohne bunte Knie-Flicken. Die wird dann nur zu Omas Geburtstag oder zur Hochzeit der Großtante hervorgeholt und zur Schau getragen. Vorzugsweise an solchen Tagen fallen sie damit bereits direkt bei Verlassen des Hauses Knie voran in die nächste Matschpfütze.

4

Jungs müssen alles auseinandernehmen.
Sie meinen es nicht böse, aber kleine Burschen MÜSSEN einfach alles kaputt machen. Sie sind einfach nicht glücklich, so lange sie nicht wissen, wie genau es im Inneren ihres ferngesteuerten Autos aussieht. Oder unter den Tasten deines Laptops.
Dabei hinterlassen sie dir überall im Alltag kleine Überraschungen. Zum Beispiel, wenn du mit deinem guten Kuli das Bestellformular für die Schulmilch unterschreiben möchtest und er unter deinen Fingern in seine Einzelteile zerfällt. Oder wenn du bei Stromausfall wirklich gerne deine Taschenlampe anschalten würdest und statt einer funktionierenden Batterie darin die Feder des Kugelschreibers wiederfindest.
Damit Jungs auch gern mit Puppen spielen, müsste man ihnen wahrscheinlich nur diese zerlegbaren Modelle aus dem Anatomie-Unterricht geben, bei denen sie ihnen Milz und Leber entfernen könnten.

5

Jungs werden magisch angezogen von Wasser, Matsch und Dreck.
Ich kann es immer kaum fassen, wenn ich Mädchen sehe, die voll angezogen an einem Bach spielen und sich dabei tatsächlich nur die Hände nass machen. Für meine Jungs gibt es nichts zwischen „10 Kilometer vom Wasser entfernt“ und „Juhu, Bauchfleck!“
Aus „mit Gummistiefeln in die Pfütze“ wird in Sekundenschnelle ein Vollbad. Selbiges gilt für Seen, Flüsse, Bäche, Matschgruben, Sandkisten und – ich sage es nicht gerne – Kuhfladen. Als Jungs-Mama hast du also immer mindestens ein Wechsel-Outfit mit. Und ein weiteres im Auto. Leider vergisst du dabei, auch etwas zum Wechseln für dich selbst einzupacken. Deswegen siehst du, nachdem du dein Kind aus der Ganzkörper-Matschtarnung befreit hast, leider selbst aus wie ein Erdferkel.

6

Jungs haben ein eingebautes Zielrohr.
Das erfährst du als Jungs-Mama bereits in den ersten Tagen, wenn du vorsichtig die Windel deines Zuckerpüppchens öffnest und er dir zielgerichtet auf dein Lieblings-Shirt pinkelt.
Leider Gottes können kleine Jungs dieses Zielrohr nur für ausgewählte Zwecke verwenden. Dazu gehört es bedauerlicherweise nicht, in die Kloschüssel zu treffen. Das funktioniert nur, wenn du gerade einen sauteuren Klostein gekauft hast. In diesem Fall pinkeln sie nämlich zielgerichtet von oben genau in diesen hinein, bis er innerhalb von drei Tagen leer ist.
Du wirst so viel Klo putzen wie nie zuvor. Du wirst versuchen, ihnen beizubringen, im Sitzen zu pinkeln. Bis du realisierst, dass sie auch im Sitzen einfach waagrecht nach vorne unterm Klositz herauspinkeln können.

7

Jungs müssen alles ausprobieren.
Und ich meine ALLES. Es reicht nicht, wenn du ihnen vorher sagst, was passieren wird, sie müssen es SELBST erleben. Was passiert, wenn ich mir mit der Bastelschere ein Dreieck in die Stirnfransen schneide (du wirst aussehen wie ein Vollidiot)? Was passiert, wenn ich mir ein Playmobil-Polizeiblaulicht in die Nase stecke (Mama wird es – natürlich nicht, ähem! – mit dem Zahnstocher wieder rauspulen)? Was passiert, wenn ich ohne Schwimmflügerl einfach ins Wasser springe (Blubb, blubb)?

8

Jungs haben immer Hunger.
Immer. Auch wenn sie gerade Frühstück, Vormittagsjause 1, Vormittagsjause 2, Mittagessen und Nachspeise gegessen haben. Außer natürlich, es gibt Gemüse. Aber das traust du dich ohnehin schon nur mehr in aufwendig versteckter Form aufs Teller zu bringen.
Gleichzeitig mit einem Buben zieht ein neues Wort bei dir zu Hause ein: Jause. Du wirst sie immer bei dir haben, egal wohin du gehst. Denn auch 20 Minuten am Spielplatz sind für einen kleinen Jungen offenbar körperlich ohne mindestens einen Früchteriegel oder eine Mandarine nicht überlebbar. Das wird dazu führen, dass dir im Arbeits-Meeting leere Quetschi-Packungen und Mini-Gummibärli-Sackerl aus der Tasche fallen werden, aber daran werden sich deine KollegInnen schnell gewöhnen.
Du solltest auch wissen, dass du nie wieder – und ich meine NIE wieder – das Keks, das man im Café manchmal zu seinem Kaffee bekommt, selbst essen dürfen wirst. Und dass mindestens die Hälfte des Brotes, das ihr zum Entenfüttern mitnehmt, im Mund deines Kindes landen wird. Selbiges gilt für sämtliche Brösel, die dein Kind unter dem Tisch (oder auch an der öffentlichen Bushaltestelle) findet.

9

Jungs lieben alles, was eklig ist.
Egal ob Spinnen, Asseln, Nacktschnecken oder ihre eigenen Fürze. Mit Begeisterung sammeln sie mit ihrer Becherlupe Weberknechte, Ohrwürmer und Feuerwanzen. Ungefähr fünf Schritte, bevor sie dir diese stolz in der Küche präsentieren möchten, fällt ihnen unweigerlich die Becherlupe auf den Boden, springt auf und sämtliches Getier flitzt in alle Himmelsrichtungen davon.

10

Jungs sind gnadenlos ehrlich.
Ich habe mal ein kleines Mädchen zu ihrer Mama sagen gehört: „Mama, du bist die schönste Mama auf der ganzen Welt!“. Meine Jungs sagen zu mir Dinge wie „Mama, warum hast du da so einen großen Pickel auf dem Kinn?“, „Mama, warum hast du eigentlich so viele graue Haare?“ oder „Mama, warum ist dein einer Busen länger als der andere?“.
In sechs Jahren habe ich mir jetzt schon so manche harte Wahrheit ins Gesicht sagen lassen müssen. Dafür geht nichts über den Moment, wenn dein kleiner Held zu dir sagt „Mama, du riechst so gut nach Kuchen“. Oder „Mama, ich hab dich so arg lieb.“ Weil dann weißt du ganz genau, dass sie es genauso ehrlich meinen wie die Sache mit dem Pickel …

Über die Autorin: Susanne Holzer ist freie Autorin aus Salzburg. Gemeinsam mit Sybille Maier-Ginther schreibt sie im ehrlichen Mama-Blog „Hand aufs Herz“ darüber, wie das Leben mit Kind wirklich ist. Mehr von den beiden gibt’s auf Facebook/HandaufsHerzblog.

Themen: Eltern, Kinder

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