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Eisen: So rostest du sicher nicht ein

Jetzt brauchst du volle Eisenspeicher. Denn das Spurenelement stärkt die Immunabwehr, hilft gegen Müdigkeit und Erschöpfung. Alles von der Ernährung bis zum Test.

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Frau, Herbst, lachen
© Digital Vision/Thinkstock

Das Schlagwort Eisenmangel hat jeder schon mal gehört. Doch längst nicht jeder weiß, was dahintersteckt, welche Symptome auftreten und wer dafür besonders anfällig ist. Tatsache ist, dass das Spurenelement Eisen essenziell ist für eine Vielzahl von Vorgängen in unserem Körper. Vor allem das Immunsystem braucht den Kraftstoff, um optimal zu arbeiten. Deshalb ist gerade der Herbst, der uns verstärkt mit Viren und Bakterien zu Leibe rückt, ein guter Anlass, unseren Eisenstatus zu klären. Wer genug von dem Funktionsstoff in seinen Zellen hat, besitzt die besten Waffen gegen Infektionen, Erschöpfung und Lustlosigkeit. Wie wir unseren Eisenvorrat bestimmen und gegen (halb)leere Speicher vorgehen, erklärt Allgemeinmedizinerin und Eisenexpertin Dr. Birgit Brandner (aktivesleben.at).

Viele Aufgaben.

"Jede einzelne Zelle des Körpers benötigt Eisen", erklärt die Expertin, "für die Blutbildung, für den Sauerstofftransport, den Muskelaufbau, die Hormonbildung. Die Neurotransmitter im Gehirn brauchen es und auch bestimmte Immunzellen, die für die Virenbekämpfung verantwortlich sind." Ist nicht genug von dem Spurenelement vorhanden, können viele Prozesse im Körper nicht rund ablaufen. Das erkennt man an Symptomen wie Müdigkeit, Erschöpfung, Schwindelgefühle, Konzentrationsprobleme, Kopfschmerzen, Haarausfall, brüchige Nägel, Immunschwäche, Libidoverlust und sogar depressive Verstimmung. Das Problem dabei, wie Brandner erklärt: "Jedes dieser Anzeichen kann mehrere Ursachen haben. Deshalb denkt man oft nicht an Eisenmangel. Außerdem haben viele damit zu leben gelernt. Die Symptome sind ja nicht von heute auf morgen da, sondern werden über Jahre immer stärker. Durch die schleichende Steigerung merkt man die verheerende Wirkung des Defizits dann nicht so stark."

Gefährdet.

Besonders betroffen von Eisenmangel sind Frauen. Jede zehnte in Österreich leidet darunter, denn durch die Menstruation kommt es zu regelmäßigem Blutverlust und damit zu einer Eisenreduktion. Die weiteren Problemgruppen: Schwangere durch den erhöhten Blutbedarf, Sportler (Eisenverlust durch Schwitzen), Heranwachsende, Vegetarier, ältere Menschen und Menschen mit chronischen Entzündungen wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn.

Befunde richtig lesen.

Besteht der Verdacht auf Eisenmangel, sollte man seine Blutwerte testen lassen, am besten bei einem Arzt, der sich auf Eisen spezialisiert hat. Mehr Infos und alle speziellen Zentren in Österreich gibt es auf eisencheck.at. Wichtig beim Bluttest: Es sollte sowohl das Ferritin (Protein, das Eisen speichert) bestimmt werden wie auch das Transferrin (Transport-Eiweiß) bzw. die Transferrinsättigung. Der Ausgangswert ist das Ferritin, dessen untere Grenze je nach Labor zwischen 10 und 15 liegt. Eisenspezialisten weisen allerdings darauf hin, dass diese offi zielle Festlegung eigentlich zu niedrig ist. Erst ab einem Wert von 30 liegt mit Sicherheit kein Eisenmangel mehr vor. "Wichtig ist allerdings das individuelle Gefühl. Wenn das Ferritin bei 25 ist, sich aber keine Probleme zeigen, sind Sorgen unnötig", erklärt Expertin Brandner. In manchen Fällen wird das Ferritin als ausreichend angezeigt, obwohl eigentlich ein Defizit besteht. Dann nämlich, wenn eine Entzündung oder akute Infektion dazwischenfunkt. Da kommt die Bestimmung der Transferrinsättigung ins Spiel, die den endgültigen Aufschluss gibt.

Was tun?

Stellt man Eisenmangel fest, empfiehlt der Arzt Infusionen oder Tabletten. Die leeren Speicher nur über die Ernährung aufzufüllen, ist - weil sehr langwierig - fast nicht möglich. Doch als Vorbeugung erfüllen eisenhältige Nahrungsmittel sehr wohl ihren Zweck. Wichtig zu wissen: Tierisches Eisen kann der Körper drei Mal besser verwerten als pflanzliches. Und die gleichzeitige Aufnahme von Vitamin C verstärkt diese Verwertbarkeit. Um den täglichen Bedarf von 2-3 mg zu decken, empfiehlt Expertin Brandner, 2-3 g Eisen zu sich zu nehmen. Denn der Darm nimmt nur maximal 10 Prozent des Stoffes auf, durch Schwitzen und Blutungen gibt es weitere Verluste. Wenn man Eisen mit Tabletten substituiert, kommt es sehr auf deren Qualität an. Je höher der Preis, desto besser. Denn nicht alle Pillen lösen sich dort auf, wo sie der Darm auch verwerten kann. Außerdem kommt es oft zu Nebenwirkungen wie Magenschmerzen, Verstopfung, dunklem Stuhl, gestörter Darmflora und Verdauungsproblemen.

Infusionen.

Als teurere, dafür aber sehr gut verträgliche Lösung stehen Eiseninfusionen bereit. Der Vorteil: Die Wirkung ist fast unmittelbar spürbar, Patienten merken da oft erst, wie sehr sie unter ihrem Eisenmangel gelitten haben. Einzig bei Allergikern und Patienten mit akuten Infekten sollte man vorsichtig sein. Der Nachteil: Die Krankenkassen zahlen die Infusionen, eine kostet ca. € 250,-, nur in manchen Fällen. Es gibt keine einheitlichen Kriterien.