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1x tapen, bitte!

Immer öfter sieht man Menschen mit bunten Pflastern. Tapes, die bei Verspannungen, Zerrungen oder Regelschmerzen helfen, sind im Vormarsch. Pia Kruckenhauser hat es probiert.

von

Schulter-Tape, Sport

Frisch geklebt! Aber hilft es auch?

© Thinkstock

Meine linke Schulter ist verspannt. Eine lange Autofahrt und eine falsche Bewegung beim Workout haben dafür gesorgt, dass ich meinen Kopf nicht einmal um 90 Grad schmerzfrei drehen kann, egal in welche Richtung. Das ist das dritte Mal in zwei Monaten, und es reicht mir. Ich beschließe, meine linke Seite tapen zu lassen. Schon oft habe ich die bunten Pflaster im Yogastudio oder beim Laufen gesehen und war ohnehin neugierig, ob Taping wirklich eine so effektive Methode ist, wie alle behaupten.

Wie wirken die Tapes?

Was steckt eigentlich dahinter? Gemeint sind extrem elastische und stabile Pflaster aus Baumwolle, die mit einem speziellen, hautverträglichen Kleber am Körper angebracht werden. Durch die gute Haftung heben sie bei jeder Bewegung Haut, Nerven, Bindegewebe und Faszien leicht an. Das aktiviert die Durchblutung und den Lymphfluss, Giftstoffe werden abtransportiert. Der Muskel wird entlastet, er kann besser arbeiten.

Mein Pflaster ist ein blaues Wunder

Beim Lokalaugenschein ist schnell klar: In der linken Schulter sitzt eine hartnäckige Verspannung. Erich Grimus, Heilmasseur und Schmerztherapeut, behandelt sie fachgerecht. Damit die Wirkung auch anhält, tapet er die Stelle zum Abschluss. "Als Heilmasseur weiß ich, wie die Muskeln und Sehnen im Körper verlaufen, das ist wichtig, um das Klebeband korrekt anzulegen. Sonst stützt es nicht richtig“, erklärt Grimus. Zuerst misst er die Länge des Tapes ab, dann rundet er die Ecken ab. Das sorgt für einen besseren Energiefluss. Beim Aufkleben wird das Pflaster in der Mitte stärker gedehnt, zu den Enden hin läuft die Spannung aus. So wird verhindert, dass sich die Haut wund reibt. Bei mir verwendet der Therapeut ein blaues Pflaster. Das soll kühlen und die Spannung aus dem Muskel ableiten. Rot würde die Haut aktivieren und energetisieren.

Perfekter Halt

Zum Abschluss wird das Tape noch warm gerieben, damit sich der Kleber mit der Haut verbindet. Die Haut darunter sollte fettfrei und enthaart sein, dann hält der Kleber auch unter der Dusche, bei normaler körperlicher Tätigkeit und leichter Bewegung. Nur bei sehr schweißtreibenden Sportarten löst er sich etwas schneller auf. Das Pflaster bleibt zumindest drei Tage auf der Haut, im Durchschnitt hält es rund sieben Tage. Zum besseren Ablösen reibt man es mit einem hautfreundlichen Öl ein. Beim Duschen lässt es sich dann ganz leicht abziehen.

Wo werden die Tapes eingesetzt?

Schnell habe ich mich an das Tape gewöhnt, und nach ein paar Stunden merke ich gar nicht mehr, dass es da ist. Nur wenn ich meine Schulter stärker bewege, spüre ich eine Art Zug auf der Haut. Ein durchaus angenehmes, stützendes Gefühl. Und ich habe gelernt: Die bunten Pflaster helfen auch bei anderen Beschwerden. Orthopädische und neurologische Probleme, Rückenschmerzen oder Menstruationsbeschwerden sind Indikationen. Auch Bänderzerrungen werden so behandelt. Das Tape ist sogar besser als eine Bandage, da diese die Blutzirkulation einschränken kann. Im Sport werden die Bänder auch prophylaktisch zur Stabilisation eingesetzt. Denn sie lassen sich um bis zu 80 Prozent ihrer ursprünglichen Länge ausdehnen. Je stärker ein Bereich stabilisiert werden soll, desto mehr wird es gedehnt.

Was muss man bei der Anwendung beachten?

Im Grunde kann man beim Tapen nicht viel falsch machen. Einige Dinge gibt es dennoch zu beachten. Nicht anwenden darf man es bei offenen Wunden und Verletzungen, Entzündungen der Haut wie Neurodermitis, im ersten Drittel der Schwangerschaft, bei Pflasterallergie und bei Lymphödemen aufgrund einer Nieren- oder Herzdysfunktion. Selbst Hand anzulegen empfiehlt Experte Grimus aber trotzdem nur, wenn man das Tapen vom Profi gelernt hat. "Denn es ist wichtig, die Muskeln und Verläufe der Energiebahnen im Körper zu kennen“, erklärt er. "Sonst ist das Tape sinnlos, im schlimmsten Fall kann es sogar die Energie blockieren. Und man muss das Tape richtig dehnen und aufkleben, um Verletzungen der Haut zu vermeiden.“ Deshalb bietet er einen Tagesworkshop an, in dem auch der Laie richtiges Tapen lernen kann (Kosten: € 150,-).

Bei mir hat er definitiv alles richtig gemacht. Schon bald sind die Schmerzen in der Schulter weg, und als ich das Pflaster nach fünf Tagen entfernt habe, vermisse ich die angenehme Stütze beinahe. Übrigens: Ein cooles Flirttool ist es auch. Mit dem blauen Blickfang auf der Schulter kommt man schnell ins Gespräch ;-)

Themen: Workout, Fitness