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So wirst du den Lustfrust los

Jede zweite Frau kennt Probleme mit der Lust. Dahinter steckt meist eine Mischung aus hormonellen und psychischen Ursachen. Entsteht Leidensdruck, sollte man Hilfe von Profis suchen.

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So wirst du den Lustfrust los
© Wavebreakmedia Ltd/Lightwavemedia/Thinkstock

Die Lustlosigkeit ist das Frauenleiden des 21. Jahrhunderts. Zumindest könnte man das glauben, so oft, wie das Thema in Büchern und Medien aufgegriffen wird. Tatsache ist, dass im Schnitt jede zweite Frau Probleme mit der Libido kennt. Ob das ein Phänomen des 21. Jahrhunderts ist oder man inzwischen einfach mehr darüber spricht, ist nicht ganz geklärt. Doch Experten meinen, dass die neue Lustlosigkeit stark mit unserer hoch entwickelten Leistungsgesellschaft zusammenhängt, in der einfach keine Zeit mehr bleibt, Verlangen überhaupt entstehen zu lassen.

Leidensdruck. Natürlich kann Unlust in einer Partnerschaft ein Ausdruck dafür sein, dass man mit der Beziehung nicht glücklich ist. Doch auch Frauen in guten Partnerschaften kennen den Frust mit der Lust. Wenn daraus dann ein persönlicher oder partnerschaftlicher Leidensdruck entsteht, sollte man dringend etwas dagegen tun. Die Ursachen dahinter können einerseits körperlich, vor allem hormonell bedingt sein. Aber auch die Psyche macht sich oft auf diese Weise bemerkbar. Meist liegt dem Libidoverlust eine Mischung aus Ursachen zugrunde. Unser Expertenteam, bestehend aus den Gynäkologen Andreas Nather und Johannes Seidel sowie der Psychologin und Psychotherapeutin Laudina Weiß, erklärt, wie man mit der fehlenden Lust umgeht.

Hormone.

Als Erstes gilt es, mögliche körperliche Ursachen zu finden. Die weibliche Libido ist ein komplizierter Prozess, an dem jede Menge Hormone beteiligt sind. Und da kann jede Art von hormoneller Verhütung ein Problem sein. Im Verlauf des natürlichen Zyklus verändert sich nämlich die Konzentration von Östrogen, Testosteron und Progesteron. Östrogen-und Testosteronkonzentration sind zur Zeit des Eisprungs am höchsten, und das macht mehr Lust auf Sex. Die Pille, noch immer das am häufigsten verwendete Verhütungsmittel, unterdrückt aber den Eisprung und damit die Hormonproduktion, wie Dr. Nather erklärt. Und Dr. Seidel ergänzt: "Es gibt dann die natürlichen Spitzen und Täler der Lust nicht mehr. Sie schleift sich auf dem immer gleichen Niveau ein, bei vielen Frauen wird das Bedürfnis nach Sex immer weniger."

Will man nicht auf die sehr sichere Verhütung mit Hormonen verzichten, kann eine Hormonspirale die Lösung sein. Diese unterdrückt den Zyklus nicht, sondern verhindert den Auf bau der Gebärmutterschleimhaut. Die Hormonproduktion läuft im Hintergrund trotzdem ab. Fakt ist aber, dass jede hormonelle Verhütung in unser körperliches System eingreift. Bei Problemen mit der Lust sollte man deshalb erwägen, auf andere Methoden wie Kondom, Kupferspirale oder Goldkettchen umzusteigen.

Substitution. Besonders wichtig für das Entstehen der Lust sind die Androgene, männliche Sexualhormone. Ein Hormonstatus beim Arzt klärt, ob davon vielleicht zu wenige vorhanden sind. Ist das der Fall, kann der Arzt z. B. Testosteronpräparate verschreiben. "Aber wenn eine gesunde Frau nicht genügend Sexualhormone produziert, dann stecken häufig auch psychische Ursachen dahinter. Medikamente sind nur eine Überbrückungshilfe. Der Körper muss lernen, die richtigen Substanzen wieder selbst zu produzieren. Das ist nur über die Psyche möglich", betont Seidel.

Evolution.

"Es gibt Phasen im Leben einer Frau, in denen es ganz normal ist, keine Lust zu haben. In unserer Gesellschaft, in der immer alle perfekt funktionieren müssen, vergisst man das manchmal", erläutert Weiß. "Nach einer Geburt etwa haben viele Frauen oft mehrere Monate lang überhaupt keine Lust auf Sex. Der Körper muss sich von dieser Wahnsinnsleistung erst wieder erholen." Und Medikamente, Herzkreislauferkrankungen, Diabetes, Schilddrüsenprobleme, Krebs oder Depressionen führen häufig ebenso zu Lustfrust. Andreas Nather spricht auch die Problematik von langen Beziehungen an. Einerseits ein Ideal, ist andererseits nach vielen Jahren Zweisamkeit oft die erotische Luft draußen: "Evolutionär gesehen gibt es einen natürlichen Druck, sich möglichst bunt zu vermischen. Monogame Langzeitbeziehungen stehen dazu im Widerspruch." Weiß rät, sich daher gegenseitig ständig neu zu entdecken: "Die immer gleichen Rituale und ein unmotiviertes Ich hab dich lieb töten jede Lust auf Dauer." Denn besonders für die weibliche Libido sind Aufmerksamkeit und liebevoller Umgang miteinander wichtig. Nicht nur kurz bevors ins Bett geht.

Psyche.

Apropos liebevoller Umgang: Auch mit sich selbst sollte man diesen pflegen. Viele Frauen sind mit ihrem Körper unzufrieden, z. B. weil sie sich zu dick finden. Das nagt am Selbstbewusstsein und an der Libido. Auch das Gefühl, Leistungsansprüchen nicht zu genügen -ob den eigenen oder fremden -, kann ein großer Lustkiller sein.

Rollenbilder. Zur eigenen psychischen Bestandsaufnahme empfiehlt Therapeutin Weiß, sich ein paar Fragen zu stellen: Wie ist meine sexuelle Erziehung? Habe ich anerzogene Glaubenssätze in Bezug auf Sexualität und Leidenschaft? Wie war die Beziehung zum Vater? Welche Anforderungen hat man da als (kleines) Mädchen erfüllt? "Oft gibt es hier ein sogenanntes Gefallensprinzip: Wenn ich mich den Erwartungen entsprechend verhalte, hat man mich lieb. Wenn dies gegen die eigenen Bedürfnisse geht, kann es jedoch Frust erzeugen." Fragen Sie sich auch: Welche Rollenbilder erfülle ich heute im täglichen Leben? "Immerhin sind viele Frauen gefordert, im Beruf ,ihren Mann' zu stehen. Weibliche Qualitäten werden noch allzu oft als zweitrangig abgetan. Es stellt sich die Frage, wo man überhaupt noch Frau sein darf. Auch unser Leistungsdenken und das Bedürfnis, immer alles unter Kontrolle zu haben, sind nicht lustfördernd."

Fantasie.

Bei der Lösung der individuellen Probleme sind das eigene Empfinden und die Fantasie gefordert. Stellen Sie sich vor, wie ein ideales erotisches Erleben aussehen kann. Entwickeln Sie positiv besetzte Bilder ohne den Druck, diese auch tatsächlich erfüllen zu müssen. Wie wäre es, wenn Sie morgen aufwachten, und alles wäre so, wie Sie es immer wollten? Welche Schritte sind nötig, um diesen Zustand zu erreichen, und wie lässt sich das mit Ihrer realen Situation vereinbaren?

Rollenbilder. Und Laudina Weiß hat auch noch einen ganz praktischen Tipp: "Planen Sie Zeit für Sex ein. Wir haben alles im Terminkalender stehen: Arbeit, Familienfeste, Sport. Warum nicht mal ein Sexdate mit dem Partner einschieben?" Damit ist klar, dass die Liebe nicht einfach nebenher passiert, dass man sich auch dafür ganz bewusst Zeit nehmen muss.

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Hallo,
mir hat femlamore echt aus dieser Kriese geholfen. Die Lustlosigkeit ist nun Geschichte.
Alles ist wieder wie in guten alten Zeiten und mein Mann ist happy !
LG. Jutta