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So wichtig sind die Zähne für deine Gesundheit

Ein Zahnarztbesuch ist nicht angenehm. Aber schieb ihn nicht vor dir her. Denn Parodontitis kann Sinusitis, Mundgeruch und sogar Frühgeburt auslösen.

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Lachende Frau, zeigt die Zähne
© istockphoto.com/mihailomilovanovic

Ein schönes, offenes Lächeln wirkt wie ein Sympathie-Booster. Gerade und ohne dunkle Flecken sollen die Zähne sein, das Zahnfleisch mit rosiger Farbe. Was viele nicht wissen: Das sieht nicht nur schön aus, sondern ist auch für deine Gesamtgesundheit sehr wichtig. Denn die chronische Zahnfleischentzündung Parodontitis kann im ganzen Körper Schäden anrichten. Nasennebenhöhlenentzündungen, Mundgeruch, Diabetes, Herzinfarkt und sogar Frühgeburten können dadurch ausgelöst werden. Wir haben mit Dr. Ralf Seltmann, Zahnarzt beim schwedischen Mundhygienespezialisten TePe , über Zusammenhänge, Wechselwirkungen und die richtige Zahnpflege gesprochen. Seine wichtigste Message: Zähneputzen alleine reicht nicht aus!

Was hat Mundhygiene mit dem allgemeinen Gesundheitszustand zu tun?

Seltmann: Viel mehr, als die meisten denken. Wir haben in einer Umfrage festgestellt, dass 80 Prozent der Befragten gar nicht wussten, dass es da einen Zusammenhang gibt. Intensive Forschungen haben aber ganz deutlich gezeigt, dass Parodontitis mit systemischen Erkrankungen wie Diabetes in enger Verbindung steht. Um diese Entzündung und ihre potenziellen Folgen auf den gesamten Körper zu vermeiden, gilt es vorzusorgen. Gründliche Zahnpflege und insbesondere die regelmäßige Zahnzwischenraumreinigung kann das Risiko senken.

Was genau ist Parodontitis?

Seltmann: Die Parodontitis, früher Parodontose genannt, ist eine Entzündung, die den Zahnhalteapparat, also den Kieferknochen, zerstört. Wird sie nicht behandelt, führt das irgendwann zum Zahnverlust. Neben Karies ist das die häufigste chronische Erkrankung des Menschen. Parodontitis kann in verschiedenen Schweregraden vorkommen, einzelne, mehrere oder auch alle Zähne betreffen. Dieselben Bakterien, die Parodontitis auslösen, gelangen über den Blutweg bis in entfernte Körperregionen. Dort können sie weitere Abwehr- und Entzündungsvorgänge hervorrufen und beeinflussen.

Wie verbreitet ist diese Krankheit?

Seltmann: Eine Mundgesundheitsstudie hat gezeigt: 51 Prozent der 35-44jährigen leiden an einer moderaten bis schweren Parodontitis. Bei Älteren ist der Prozentsatz sogar noch deutlich höher. Und Raucher sind besonders gefährdet. Das Problem ist, dass die Krankheit am Anfang oft ganz unauffällig verläuft. Dadurch bleiben viel zu viele Fälle unerkannt und entsprechend auch unbehandelt. Hellhörig werden sollte man bei Zahnfleischbluten, das ist ein typisches Anzeichen. Ein parodontal erkranktes Gebiss hat eine Entzündungsfläche etwa so groß wie eine Handinnenfläche. Hätten wir eine so große Wundfläche auf der Haut, würden wir die sofort behandeln, damit wir das Eindringen von Bakterien in den Blutkreislauf und damit den gesamten Körper verhindern.

Und welche Krankheiten stehen mit Parodontitis im Zusammenhang?

Seltmann: So eine chronische Entzündung kann Auswirkungen auf Volkskrankheiten wie Atherosklerose, Herzinfarkt, Schlaganfall und Diabetes haben. Aber auch Rheuma steht damit im Zusammenhang. Gerade bei Diabetes mellitus, an dem geschätzt jeder Zehnte leidet, ist eine frühzeitige Diagnose immens wichtig. Denn die Entzündung erschwert das Einstellen stabiler Blutzuckerwerte. Umgekehrt ist das Riskio, eine Parodontitis zu bekommen erhöht und die Therapie wird schwieriger.

Worauf muss man also bei der individuellen Mundhygiene besonders achten?

Seltmann: Es gilt auch hier die Devise Vorbeugen ist besser als heilen! Eine gründliche, regelmäßige Mundhygiene ist der beste Weg, um Zähne und Zahnfleisch dauerhaft gesund zu halten und eine Parodontitis zu vermeiden. Wird die Entzündung trotzdem diagnostiziert, oder ihre Vorstufe Gingivitis, also Zahnfleischentzündung, heißt es, sofort mit der Therapie beginnen. Je früher das geschieht, desto besser ist es für das Zahnüberleben und die Allgemeingesundheit. Im Frühstadium lässt sie sich auch gut therapieren und mit regelmäßiger Nachsorge kontrollieren. Bei der professionellen Mundhygiene werden Zähne und Ränder von Füllungen gesäubert, die Bakterien können sich nicht mehr so gut festsetzen. Tiefe Zahnfleischtaschen können mit einer speziellen Ozontherapie, die die Bakterien zum Zerplatzen bringt, schmerzfrei behandelt werden. Und bei der Mundpflege zu Hause muss man unbedingt Zahnseide oder Interdentalbürstchen verwenden. Denn mit der Zahnbürste reinigt man in der Regel nur etwa 50 Prozent der Zahnflächen, die Zwischenräume werden nicht erreicht. Dort lagert sich dann aber die bakterielle Plaque ab, die zu Karies und Parodontitis führt. Das Wissen um die Notwendigkeit, auch die Zahnzwischenräume zu pflegen, ist aber noch sehr wenig verbreitet. Nur etwa 16 Prozent der jüngeren Erwachsenen nutzen entsprechende Produkte.

Grafik Parodontitis udn Allgemeingesundheit
Parodontitis kann im Körper viel Schaden anrichten. Deshalb ist die regelmäßige Mundhygiene so wichtig.

Zahnseide oder Interdentalbürstchen, was ist besser?

Seltmann: Die Zahnzwischenräume sind sehr individuell, es gibt nicht das eine Allheilmittel für alle. Zahnseide ist bei gesundem Zahnfleisch und eng stehenden Zähnen die richtige Wahl. Vorsicht ist aber geboten, reinigt man zu grob, verletzt man das Zahnfleisch. Doch schon bei leichtem Zahnfleischrückgang, besonders im Bereich der Backenzähne, sind Interdentalbürstchen die bessere Wahl, sofern sie mit leichtem Druck in die Zahnzwischenräume gelangen. Sie füllen die Zwischenräume am besten aus und gelangen an Stellen, an denen Zahnseide keine Chance hat. Die regelmäßige, korrekte sowie langfristige Anwendung ist aber, unabhängig vom Hilfsmittel, das allerwichtigste. Daher müssen auch Geschicklichkeit und Motivation des Anwenders passen.

Thema: Zähne