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Sophie von Leyya: "Diese Schubladisierung nervt"

Wie geht es jungen Musikerinnen heutzutage in Österreich? Sophie Lindinger, ein Teil der Band Leyya, erklärt im WOMAN-Interview mit welchen Vorurteilen man immer noch zu kämpfen hat.

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Sophie von Leyya: "Diese Schubladisierung nervt"
© Gabriel Hyden

Sie ist nicht nur "die, die halt singt." Sophie Lindinger (25) und Marco Kleebauer (24) alias Leyya entwickeln ihre Musik gemeinsam - vom ersten Ton bis zum letzten Feinschliff. Im Gespräch mit WOMAN erzählt Sophie, warum schon seit gemeinsamen Jugendtagen in Eferding in Oberösterreich klar war, dass ihre Zukunft in der Musik liegt. Dass der Plan aufgegangen ist, zeigen nicht zuletzt die Konzerte von Leyya, die sie inzwischen schon bis nach Mexiko geführt haben. Im Herbst gehen die beiden wieder auf (internationale) Tour.

Wie hat sich eure Band gefunden?
Sophie Lindinger: Wir stammen aus derselben kleinen Gemeinde – Eferding in Oberösterreich. Wir haben dort schon in sehr jungen Jahren begonnen, miteinander Musik zu machen. Wenn man dort am Musikmachen interessiert ist, sind die Gleichgesinnten schnell gefunden.

Warum klappt gerade diese Konstellation so gut?
Sophie Lindinger: Vielleicht, weil wir schon so lange gemeinsam Musizieren und daher sehr gut wissen, was wir wollen und voneinander erwarten dürfen. Wir ergänzen einander in den verschiedenen Prozessen des Songschreibens und Produzierens sehr gut, werfen einander die Bälle zu und kommen damit immer sehr gut weiter. Wir scheuen uns auch nicht uns gegenseitig die Meinung zu sagen, wenn uns etwas nicht gefällt, wissen aber auch, dass wir meist die selben Vorstellungen und Vorlieben haben.

Was ist euer Anspruch an eure Musik?
Sophie Lindinger: Ich glaube unser wichtigster Anspruch ist die beständige Suche nach Neuem. Wir sind wahnsinnig neugierig und probieren sehr viel aus. Dementsprechend suchen wir immer etwas in der Musik, das wir so noch nicht gehört oder selber eingesetzt haben. Wir wollen nicht auf der Stelle treten und unser Publikum auf diese Entdeckungsreise mitnehmen.

Wie entstehen eure Songs?
Sophie Lindinger: Wir wollen Songs nie auf die selbe Art und Weise beginnen, weil wir sonst womöglich in das selbe Muster verfallen, daher versuchen wir immer unterschiedliche Instrumente oder Sounds als Beginnpunkt zu setzen bzw. unterschiedliche Genres einzeln oder vermischt als Inspirationsquellen herzunehmen. Wir picken uns von allem das raus, das uns gefällt und setzen es in unserem Stil um.

Der Traum, auf der Bühne zu stehen und Musik zu machen – seit wann gab es den?
Sophie Lindinger: So etwas entscheidet man nicht bewusst. Wir machen beide schon von klein auf Musik und haben uns mit den Jahren immer mehr damit beschäftigt und uns Neues antrainiert. Irgendwann kommt der Zeitpunkt wo man überlegen muss, was man nach der Schule machen soll/will und da hat sich bei uns einfach nie die Frage gestellt - weil wir wussten, dass Musik machen wahrscheinlich das ist was wir am besten können. Und so haben wir beide mehr oder weniger unausgesprochen entschieden alles auf die diese Karte zu setzen.


Die heimische Musikszene floriert gerade und ist über österreichische Grenzen hinaus erfolgreich. Woran liegt das?
Sophie Lindinger: Ich glaube man traut sich hierzulande viel mehr als früher, tritt selbstbewusster auf und da es auch Vorzeigebeispiele von Parov Stelar über Bilderbuch bis hin zu HVOB in verschiedenen Segmenten gibt, wurde deutlich mehr Aufmerksamkeit im Land und auch außerhalb auf die Musik gelenkt. Und viele haben dann gemerkt: Hoppla, da gibt es ja noch viel mehr.


Haben Bands bzw. der breite Erfolg von Wanda & Bilderbuch den Weg für die „Nachkommen“ geebnet, macht es das für junge Bands einfacher?
Sophie Lindinger: Ja und nein. Man kann die vielen verschiedenen Bands überhaupt nicht miteinander vergleichen und die genannten Bands kennt man ihrer Sprache wegen auch hauptsächlich im deutschsprachigen Raum. Man sagt uns, dass in Deutschland die Offenheit gegenüber österreichischen Bands jetzt eine ganz andere ist als noch vor zehn Jahren. Aber ob eine Band wie Leyya jetzt aus Österreich oder sonst woher stammt, ist in England oder Spanien relativ egal. Wir waren heuer etwa in Mexiko – dort kennt man Wanda natürlich auch nicht, aber trotzdem wurden wir mit Neugier und Begeisterung empfangen.

Das Erfreuliche: Viele Frauen bereichern die Branche – werden aber bei Preisverleihungen, etwa bei den heurigen Amadeus Awards, immer noch wenig berücksichtigt. Woran liegt das und was kann man dagegen tun?
Sophie Lindinger: Es nervt. Ich denke aber, wir erleben gerade den Anfang der Bewusstseinsbildung und Sensibilisierung. Es wird sich nicht schnell ändern, aber genau deswegen dürfen wir nicht aufhören, lautstark darauf hinzuweisen, dass da etwas nicht stimmt.

Wie wichtig ist es euch sich zu vernetzen – insbesondere die Frauen untereinander?
Sophie Lindinger: Wir sind eine sehr aktive Generation, die sich untereinander vernetzt und kommuniziert, ohne dass es dafür eine offizielle Institution bräuchte. Wir arbeiten mit Leuten die uns inspirieren und von denen man lernen kann und die die eigene Kreativität bereichern - da wird nicht nach Geschlecht sondern nach der 'kreativen Verbindung' Ausschau gehalten. Eigentlich sollte so etwas ja gar nicht der Rede wert sein bzw. normal sein, denn wir haben sehr viele verdammt gute Musikerinnen in unserem Umkreis.

Habt ihr euch als Frauen in der Branche schon mal benachteiligt gefühlt?
Sophie Lindinger: Da gibt es schon ein paar Vorurteile mit denen wir ab und zu konfrontiert werden. Konkret nervt immer wieder die klassische Schubladisierung – in unserem Fall bedeutet das: Marco ist immer „der geniale Produzent“ und Sophie „die, die halt singt“ – dabei sind alle Prozesse vom ersten bis zum letzten Fingergriff gemeinsame Arbeit. Der Gesang ist eigentlich nur ein kleiner Teil eines großen Ganzen. Ab und zu werden bei Konzerten auch technische Fragen oder fragen zu unserem Bühnensound bzw. zur Umsetzung automatisch an die Jungs gerichtet, weil 'die Sängerin so etwas ja nicht weiß'.

Wer Leyya live sehen will hat im Herbst Gelegenheit dazu:
08.09. Linz / Brucknerhaus (im Rahmen der Klangwolke)
03.10. Salzburg / Rockhouse
04.10. St. Pölten / Cinema Paradiso
24.11. Vöcklabruck / OKH
27.11. Wien / Konzerthaus

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