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Warum Trudeaus Gattin mit einem Shitstorm kämpft

Ihr Gatte, der kanadische Premier Justin Trudeau, wird als Feminist beklatscht. Seine Frau Sophie wird medial angegriffen – weil sie Job & Familie nicht locker schupft.


Warum Trudeaus Gattin mit einem Shitstorm kämpft

Justin und Sophie Trudeau: "Ich brauche mehr Hilfe!"

© Getty Images

Es ist schon eine kuriose Situation, in der sich Sophie Grégoire Trudeau, die Ehefrau des kanadischen Premiers Justin Trudeau, aktuell wiederfindet.

Während ihr Mann weltweit für seine offene, liberale Politik (so kündigte er eben besseren Schutz von Transgender an, sorgte erstmals für eine Frauenquote im Kabinett und bezeichnete sich selbst als "Feminist") gefeiert und beklatscht wird, wird Sophie Trudeau aktuell medial gebasht.

Was war geschehen? Die 41-Jährige hatte der Zeitung "Le Soleil" ein Interview gegeben, in dem sie zugab, mit ihren Aufgaben sachte überfordert zu sein. Sie habe drei Kinder – Ella Grace, Hadrien und Xavier – um die sie sich kümmern müsse. Doch ständig trudelten neue Anfragen hereibn. Man wolle sie als Rednerin, als Schirmherrin für Charity-Veranstaltungen oder als Botschafterin für gute Zwecke. Zwar verfüge sie über eine Assistenzkraft, so Grégoire Trudeau, aber das sei bei weitem zu wenig, um all den Anforderungen gerecht zu werden.

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Mehr brauchte es nicht. Denn auch wenn Grégoire Trudeaus Aussage inhaltlich berechtigt sein mag – für die kanadische Opposition waren die Klagen der Premierminister-Gattin nur ein gefundenes Fressen. Diese führe ein Luxus-Leben, das mit den Problemen "normaler" Frauen so gar nichts gemein habe, meinte etwa der konservative Abgeordnete Jason Kenney. Das Interview zeige nur, wie abgehoben die dreifache Mutter mittlerweile sei. Kenney und fügte an: "Die Frau des früheren Premiers hat sich auch nie beschwert."

Auf Twitter formierten sich sofort die sarkastischen Hashtags #PrayForSophie, #SophieStrong und #JeSuisSophie.

Nun mag es vielleicht wahr sein, dass die Gattin des kanadischen Premierministers ein privilegiertes Leben lebt, dass sie mit Kindermädchen und Haushaltshilfe im Vergleich zu Müttern mit normalen Jobs, die ohne Assistenz auskommen müssen, keinen großen Grund zur Klage hat.

Aber kurz mal Stopp. Denn mal ungeachtet der Lebensumstände und der damit einhergehenden Vorverurteilung: Die Frau des Premiers gibt zu, dass sie Job und Familie nicht so einfach ohne Hilfe stemmt. Ein Problem, dass viele Frauen kennen – die sich aber lieber auf die Lippen beißen, ehe sie als "hilfesuchende Versagerinnen" abgestempelt werden.

Thema: Feminismus