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Soziales Engagement hoch 15 bei der Welt-AIDS-Konferenz 2010!

15 Frauen und zwei Männer: Das ist die Quote des Wiener Büros der Welt-AIDS-Konferenz 2010, die in diesem Sommer vom 18. bis 23. Juli stattfinden wird. Auch für Jugendliche ist ein spezielles Event geplant: „Dance the Ribbon“.


Soziales Engagement hoch 15 bei der Welt-AIDS-Konferenz 2010!
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Besucher können sich im bunten globalen Dorf über die Arbeiten und Projekte der AktivistInnen und NGOs aus der ganzen Welt gegen das heimtückische Virus informieren. Ebenfalls ist jeder herzlich eingeladen bei Diskussionsrunden mitzumachen. Für Teenager wird es auch eigens einen Jugend-Pavillon geben und zusätzlich steigt am 16. Juli im Wiener WUK die „Dance the Ribbon“-Willkommensparty für junge Menschen bei AIDS 2010. Mit dabei ist Michel Sidibé, Exekutivdirektor des AIDS-Programms der UNO (UNAIDS), und für musikalische Unterhaltung sorgen Bauchklang, dunkelbunt und Fatima Spar.
Organisiert wurde das Riesen-Event fast ausschließlich von Frauen. WOMAN hat die Teamleiterin Marijana Grandits zum Talk gebeten.

WOMAN: Das Team des Wiener Büros der Welt-AIDS-Konferenz ist eindeutig weiblich. Sind wir Frauen die besseren Organisatoren?

Grandits: Nicht von Natur aus die besseren, aber Frauen werden oft frühzeitig sozial geprägt, denn noch immer sind es die Mädchen, an die vom Kindesalter an eine höhere Erwartung sich sozial zu engagieren gestellt wird. Dazu kommen Rollenbilder, die sie von Müttern und andern weiblichen Bezugspersonen mitbekommen. Dadurch entwickeln Frauen eher soziale Kompetenz und vor allem auch viel Empathie für sensible Themen. Frauen leisten noch immer die Mehrzahl der unentgeltlichen Arbeit in der Familie und in der Gesellschaft. Es ist schon großartiges Management, wenn alleinerziehende Mütter Kinder und Karriere unter den Hut bringen können.

WOMAN: Wie sieht der normale Arbeitsalltag in Ihrem Büro aus, wenn fast ausschließlich Frauen am Werk sind?

Grandits: Bunt, heiter, fürsorglich. Es hängt aber natürlich ganz viel von der Zusammenstellung des Teams und von der Gruppendynamik ab und nachdem beides von einer Frau bestimmt wurde, hat das auch Auswirkungen. Wichtig sind ausgewogene Strukturen und eine gute Durchmischung, weil es so viele unterschiedliche Zugänge gibt. Nicht nur geschlechterspezifische, sondern vor allem kulturelle und soziale Vielfalt sind das A und O.

WOMAN: Liegt das große weibliche Engagement bei diesem Thema daran, dass wir Frauen am meisten von AIDS betroffen sind?

Grandits: Natürlich. Nicht so sehr bei uns, aber generell sind Frauen dreifach davon betroffen, weltweit liegt der weibliche Anteil bei 50 Prozent. Außerdem ist HIV/AIDS eine Krankheit der Armen, was allgemein wieder mehr Frauen trifft und hinzu kommt noch, dass mehrheitlich Frauen die Pflege und Betreuung von Erkrankten leisten.

WOMAN: Funktioniert internationale Zusammenarbeit und Kooperation unter Frauen besser?

Grandits: Es geht nicht um besser oder schlechter, es ist einfach anders: Männer machen Männerbünde, Frauen schaffen Netzwerke. Gerade in so einem Unterfangen wie bei unserer Konferenz, geht es auch darum Raum zu schaffen und zur Verfügung zu stellen und das tun Frauen eher und häufiger als Männer, die sich in den Vordergrund stellen.

WOMAN: Wie hat die Arbeit an dem Projekt Sie und Ihr Team in den letzten Monaten zusammengeschweißt?

Grandits: Sehr positiv. Ein unglaublich großes gemeinsames Ziel, die „Internationale AIDS Konferenz 2010“, mit gigantischen Dimensionen ( 20.000 TeilnehmerInnen, 1500 SprecherInnen, Anm. ) vor Augen zu haben, verbindet sehr stark. Einmal in der Woche gibt es ein gemeinsames Mittagessen im Büro, jedes Mal kocht eine andere Gruppe, da gibt es dann Arbeit und Privates und viel Lustiges. Aktivitäten wie Kletternachmittag oder Eislaufen am Rathausplatz – mit AIDS 2010 und Kondomdekoration – bringt die Leute näher.

WOMAN: Gab es ein besonders rührendes, aufregendes oder tolles Erlebnis während der zwölfmonatigen Vorbereitung?

Grandits: Strahlende Stimmen oder Mails, wenn es uns gelingt für die TeilnehmerInnen aus verschiedenen Ländern die Visa-Frage erfolgreich abzuschließen, da sieht frau dann welch großes Anliegen es den verschiedensten Menschen ist zur Konferenz kommen zu können. Bei den Vorbereitungstreffen Frauen zu treffen, die zum ersten Mal in ihrem Leben aus ihrem Land und ihrer Umgebung herausgekommen sind und mit unglaublicher Freude und Demut alles wahrnehmen, und mit Enthusiasmus an der Sache arbeiten – das sind wahrlich unvergessliche Erlebnisse. Das Beste wartet aber bestimmt noch auf uns, in diesem Sinne laden wir alle dazu ein, das „Global Village“ und das Jugendprogramm zu besuchen, dann können auch Sie ein Teil davon sein und es einfach selber miterleben.

Interview: Agnes Ferner