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Hormonfreie Verhütung: Erfahrungsbericht Kupferspirale einsetzen lassen

Hormonfreie Verhütung boomt. Vor dem Schritt, sich die Spirale einsetzen zu lassen, scheuen sich ob der Schmerzen aber viele. Redakteurin Anna erzählt, wie es wirklich war!

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Hormonfreie Verhütung: Erfahrungsbericht Kupferspirale einsetzen lassen

So klein und doch mit derart viel Wirkung!

© iStock

Gleich vorweg: Arztbesuche sind schon grundsätzlich eher unlustig. Da ist auch der Gang zum Gynäkologen keine Ausnahme. Geht es dann auch noch darum, sich ein kupfernes, gar nicht mal so kleines Teil in die Gebärmutter pflanzen zu lassen, ist angstvolle Grundstimmung vorprogrammiert.

Ich selbst habe jahrelang mit der Pille verhütet. Anfangs problemlos. Als ich dann aber vor drei Jahren das Präparat wechselte, ging es bergab. Wortwörtlich. Meine Stimmungsschwankungen haben mich teilweise selbst überfordert. Bei jeder Kleinigkeit fühlte ich mich völlig hilflos. Immer öfter arteten eigentlich nebensächliche Streitereien mit meinem Freund oder auch meiner Mutter zu wahren Heul- und Schreigelagen aus. "Das bin doch nicht ich ", dachte ich immer wieder, schluckte das kleine Tablettchen aber jeden Tag weiter. Auch die TÄGLICH AUFTRETENDEN Kopfschmerzen und die unsägliche Müdigkeit schreckten mich anfangs nicht wirklich ab. Ich verbuchte es als kleine Quarterlife-Crisis. (Spoiler: War es nicht.)

Kupferspirale, Kupferkettchen oder doch Kupferball?

Long story short: Irgendwann habe ich dann doch den Konnex geschlossen und mich nach langen Recherchen für eine hormonfreie Verhütung entschieden. (Wir haben übrigens schon mal mit dem hartnäckigen Mythen rund um Spirale, Kette und Bällchen aufgeräumt! Sehr lesenswert!) Ich persönlich habe mir die Kupferspirale einlegen lassen. Das Prozedere ist bei Kupferkette oder -bällchen übrigens fast dasselbe.

Was ist eine Spirale?

Mein Frauenarzt riet mir aber zur Spirale. Der Grund? Bei der Spirale wird im Gegensatz zum Kupferkettchen nicht direkt in der Gebärmutterwand verankert. Das kann zu Komplikationen führen. Beim Ball wiederum ist die Gefahr eine höhere, dass er verrutscht. Lass dich aber diesbezüglich am besten von deinem Arzt beraten. Er oder sie wird sicher die passende Lösung für dich finden! Ich kann hier nur von meiner Erfahrung sprechen.

So sieht es zumindest in meiner Gebärmutter derzeit aus! Das Schönste? Für die nächsten 5 Jahre ist Ruhe!

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Wie schmerzhaft war das Legen der Spirale?

Zugegeben. Ich war ziemlich aufgeregt. Gut. Speiübel war mir, ich gebe es zu. Ich hatte bereits allerhand Schauergeschichten im Netz gelesen und den großen Fehler begangen, mir auf YouTube das Legen einer Kupferspirale anzusehen. Ich bitte euch inständig: Tut es nicht. Tut es einfach nicht...

Zum Eingriff selbst: Das Schmerzempfinden ist ja bekanntlich subjektiv, ich kann also nur für mich sprechen: Es war aushaltbar. Das setzen der Spirale ist vorbei, bevor es überhaupt angefangen hat. Der Frauenarzt führt beim Einsetzen der Spirale die Kupferspirale mit Hilfe von einem Einführungsstab durch den Muttermund in die Gebärmutter ein. Die Kupferspirale selbst liegt dabei versteckt im Einführungsstab und wird erst in der Gebärmutter durch einen Handgriff herausgeschoben und aufgespannt. Es dauert vielleicht fünf Minuten. Das ist das "Pro" auf meiner kleinen Liste.

Mein Tipp: Nehmt vor dem Termin noch eine Schmerztablette und fragt euren Gynäkologen gegebenenfalls schon vor dem Legen um ein Medikament, dass den Muttermund etwas öffnet. Ich habe außerdem um eine Betäubungscreme gebeten, die mir vor dem Einsetzen auf den Muttermund geschmiert wurde. Der ist nämlich ein Biest. Als Kinderlose ist der Muttermund nämlich durchaus stur ... und eng. Und auch wenn die Spirale wirklich alles andere als ein Monstrum ist, reicht schon diese Größe aus, um ein ziemlich unangenehmes Ziepen zu verursachen. (Mütter werden an dieser Stelle vermutlich nur müde lachen. Mir trieb es aber die Tränchen in die Augen.)

Außerdem rate ich, nach dem Einsetzen wirklich noch einige Minuten am Behandlungsstuhl sitzen zu bleiben. Der Schmerz verschwindet sofort. Du bist unfassbar erleichtert, dass es vorbei ist. Du fühlst die Endorphine. Du willst raus aus dem Behandlungszimmer. Dein Körper sieht das aber anders. Es ist jetzt wirklich keine groß angelegte Studie, die ich hier präsentieren kann. Aber es sind doch ... Erfahrungswerte. Vier meiner engsten Freundinnen lagen trotz "Danke, mir geht's gut. Ich geh' jetzt heim" nach dem Legen der Spirale am Ordinationsboden. Kreislauf. Ich habe es zumindest bis ins Stiegenhaus der Ordination geschafft, bevor ich dann umkippte. Also. Setzt auch noch ins Wartezimmer, nehmt euch eine Cola oder eine Banane mit und lasst. euch. Zeit. Es geht hier nicht um den Schmerz, sondern rein um die Aufregung. Das muss nicht sein.

Wie viel kostet das Legen der Spirale?

Ich habe 370 Euro beim Gynäkologen meines Vertrauens gefragt. Das ist auch ein ganz guter Richtwert. Kupferball und -kettchen sind manchmal etwas teurer und kosten beim Legen bis zu 600 Euro. Erkundige dich am besten bei deinem Frauenarzt oder deiner Frauenärztin nach dem Preis. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten nicht und der Preis ist meist bar zu entrichten.

Wie sicher ist die Spirale?

Wie sicher die Spirale ist? Da die Kupferspirale in punkto Sicherheit nicht von der Zuverlässigkeit der Anwenderin abhängig ist - sprich - du kannst sie nicht "einfach vergessen" wie beispielsweise Pille oder Kondom und auch keine Anwendungsfehler passieren können, hat die hormonfreie Verhütung eine Schwangerschaftsrate von 0,1 bis 0,8 Prozent. Das ist geringer als bei Pille oder Kondom. Halbjährlich wahrgenommene Kontrolluntersuchungen per Ultraschall beim Gynäkologen können die Sicherheit jeder Spirale (auch der Kupferspirale und Kupferkette) erhöhen, weil eine Fehlposition zeitnah entdeckt werden kann.

Wie waren die Tage nach dem Legen der Kupferspirale?

Ehrlich? Unlustig. Ich hatte immer wieder starke Krämpfe und habe in der ersten Woche ganz auf Wärmeflasche und Schmerzmittel vertraut. Aber wie gesagt: Das ist immer subjektiv. Die Schmerzen sind zu vergleichen mit sehr sehr starken Regelschmerzen. Die kannte ich bis dato nur nicht. Nach guten zwei Wochen habe ich aber rein gar nichts mehr gespürt und auch vor dem ersten Sex nach Legen der Spirale hatte ich völlig unnötig Angst. Alles beim Alten. Versprochen. Und solltest du oder dein Partner das Rückholfädchen beim Sex doch spüren: Kann man easy kürzen lassen. Auch kein Problem. Übrigens: Die Spirale schützt ab dem Zeitpunkt des Legens - sobald du keine Schmerzen mehr hast, kannst du also auch problemlos Sex haben. Dass die Spirale aber nicht vor Geschlechtskrankheiten schützt, will ich an dieser Stelle eigentlich gar nicht erwähnen müssen...

Was hat sich seit der Spirale verändert?

Das Positive zuerst: Ich hatte ab Tag Eins mit der Spirale keine Kopfschmerzen mehr, mein Zyklus war glücklicherweise sofort regelmäßig und auch meine Stimmungsschwankungen waren wie weggeblasen. Es hört sich etwas esoterisch an, aber: Seitdem ich die Pille abgesetzt habe ist es, als hätte jemand einen grauen Schleier von meinem Leben gelüftet. Ich bin ausgeglichener, fitter, fröhlicher, wacher. Dafür nehme ich auch die paar mühsamen Dinge in Kauf.

Mühsame Dinge? Meine Periode wurde zwar nicht stärker, dauert jetzt aber länger. Hatte ich früher gute drei bis vier Tage die Ehre, dauert meine Regel jetzt bis zu einer Woche. In den ersten paar Monaten hatte ich außerdem mit wirklich starken Regelschmerzen zu kämpfen. Das hat aber nach gut vier Monaten eingependelt. Auch meine Haut reagiert auf die Hormonschwankungen seither stärker. Mein Hautbild wurde nicht signifikant schlechter, der eine oder andere Pickel mehr wurde es aber schon.

Fazit

Ja. Es ist nicht ganz schmerzfrei. Ja. Es gibt lustigere Dinge, aber die positiven Aspekte sind derart überwiegend und groß, dass ich mir lieber monatlich die Spirale legen lassen würde, als noch einen einzigen Tag länger die Pille zu nehmen. Die grundsätzliche Verteufelung der Pille verstehe ich aber nicht. Fühlst du dich damit wohl, nimm sie bitte weiter. Für mich war es aber schlicht keinen Option mehr. Im Nachhinein kann ich nur sagen: Hätte ich bloß nicht so lange gezögert.