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Spontangeburten werden schwieriger

Größere Babys, wachsende Intelligenz, gesteigerte Assoziationsfähigkeit. Prof. Johannes Huber sieht die menschliche Zukunft nicht rosig. Im WOMAN-Talk erklärt der Wiener Arzt, was dahintersteckt.

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Spontangeburten werden schwieriger
© istockphoto.com

Der Mensch ist bereit für den nächsten Evolutionssprung. Davon ist der Wiener Gynäkologe Prof. Johannes Huber (drhuber.at) überzeugt. In seinem Buch "Es existiert" (erschienen bei edition a, € 21,90) beschreibt er, was elektronische Medien damit zu tun haben und warum Babys immer größer werden.

WOMAN: Wie soll man sich den nächsten Evolutionsschritt vorstellen? Kommen auf einmal andere Kinder auf die Welt?

Huber: Nein, das ist natürlich ein schleichender Prozess. Aber Fakt ist, dass Babys immer größer werden. In Wien wurden in den vergangenen 50 Jahren rund 80.000 Kinder bei der Geburt vermessen. Da zeigte sich, sie werden dicker, haben einen größeren Kopfumfang und breitere Schultern.

WOMAN: Und was bedeutet das?

Huber: Erst einmal hat das medizinische Folgen. Wir kamen deshalb auf die Idee, diese Parameter zu vermessen, weil die Kaiserschnitte so deutlich zunahmen. Das Becken der Frau kann sich diesem Wachstum rein anatomisch fast nicht anpassen. Die Kinder sind einfach zu groß für den Geburtskanal, Spontangeburten werden dadurch schwieriger.

»Elektronische Medien stimulieren die Neuronen-Neubildung im Gehirn.«

WOMAN: Woher kommt diese Entwicklung?

Huber: Wir hatten noch nie in der Menschheitsgeschichte so leicht Zugang zu hochwertigen Nahrungsmitteln. Durch die Überversorgung, zumindest in unserer Hemisphäre, wird der Mensch größer, stärker und auch gesünder. Darüber hinaus fehlen größere Bedrohungen durch Kriege. Das fördert außerdem die Intelligenz.

WOMAN: Heißt das, die nächsten Generationen werden klüger?

Huber: Ganz bestimmt. Da spielen noch zwei weitere Parameter mit. Die heutigen Kinder sind in ihren Prägejahren extrem gefordert durch die elektronischen Medien. Die stimulieren schnelle Reaktionen, das regt die Neuronen an und steigert die Assoziationsfähigkeit. Dazu ist der Mensch heute viel mobiler als früher. Das aktiviert die sogenannten Place-Cells.

WOMAN: Und was machen die?

Huber: Jede Art von Bewegung regt die Gehirnaktivität an und fördert die Bildung von Neuronen. Das ist auch der Grund, warum Tiere ein Gehirn haben, Pflanzen aber nicht. Für diese Entdeckung gab es 2014 den Medizin-Nobelpreis. Je mehr wir uns bewegen, desto mehr Aktivität gibt es im Gehirn. Je mehr Orte wir sehen, desto mehr Neuronen entstehen. Und da Reisen heute so einfach ist wie nie zuvor, fördert das natürlich diese Entwicklung. All das führt dazu, dass langsam, aber sicher ein neuer Mensch entsteht.

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