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Olympische Spiele 2016: Sexismus in der Sport-Berichterstattung

Die Athletinnen der olympischen Spiele sollten für ihre erstaunlichen Leistungen gefeiert werden. Stattdessen kann man über manche Berichterstattungen und deren - wohl nicht einmal böse gemeintes - Weltbild einfach nur mehr staunen!

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Olympische Sportlerinnen

Allyson Felix aus den USA, Christine Day aus Jamaica und Shaunae Miller von den Bahamas im 400 Meter-Lauf.

© 2016 Getty Images

Vor blöden Meldungen aus den Weiten der sozialen Netzwerken ist man als Frau - vor allem in der Öffentlichkeit - wohl nie gefeit. Aber dass ausgerechnet professionelle Kommentatoren bei einem Sport-Event, wie den olympischen Spielen oftmals dermaßen verbal daneben greifen, ist doch erstaunlich. Und vermeidbar.

Wer bei den olympischen Spielen teilnimmt ist bewundernswert. Für die herausragende sportliche Leistung. Aber bitte nicht für die Frisur, die Kleidung, die Figur - und schon gar nicht für den Ehemann!

Aber all diese Dinge werden auch 2016 noch von den Sportkommentatoren hervorgehoben. Und der Sport rückt in den Hintergrund.
Wie beispielsweise bei der Chicago Tribune, wo die Bronze-Medaille-Gewinnerin Corey Cogdell-Unrein in einem Bericht nicht einmal namentlich genannt wurde, sondern nur ihr Ehemann, der zufälligerweise auch erfolgreicher Sportler ist. Oder wie bei der Schwimmerin Katinka Hosszu, die gerade einen neuen Rekord aufgestellt hatte, wofür von NBC jedoch sofort ihr Trainer und Mann verantwortlich gemacht wurde. Das People Magazin wiederum bezeichnete Simone Biles als den “Michael Jordan der Gymnastik” - ein weibliches Äquivalent wäre ja wirklich zu schwierig gewesen.

Olympische Sportlerinnen
Caterine Ibarguen aus Kolumbien beim Dreisprung-Finale.

Lindy West hat daher in einem Beitrag für The Guardian ein paar Aufforderungen an die Sportberichterstattung gestellt, die wir nur unterstützen können. Wie etwa diese drei Punkte:

Schreibt über Athletinnen genauso wie über Athleten. Oder könntest du dir folgenden Text vorstellen: "Der flotte männliche Verteidiger Isaiah Thomas präsentiert sich mit einem vorteilhaften Haarschmuck aus Frottee und beweist, dass Männer tatsächlich mit einem Ball umgehen können, während sie dabei cool und sommerlich sexy aussehen!"

Verbringe nicht mehr Zeit damit, über das Make-up, die Frisur, die kurzen Hosen, den Gesichtsausdruck, die Stimmlage, den Oberschenkelumfang, den Beziehungsstatus oder Ähnliches zu berichten, als über die unglaubliche Stärke, Geschicklichkeit oder das Talent dieser Sportlerinnen.

Bringe die Frauen nicht sofort in Verbindung mit irgendwelchen Männern in ihrem Leben. Frauen sind eigenständige Wesen, die ganz alleine Dinge zustande bringen.

Und wir müssen wohl nicht erwähnen, dass all diese Dinge natürlich nicht nur für die Olympionikinnen gilt, sondern für alle Frauen dieser Welt!

Olympische Sportlerinnen
Agatha Bednarczuk aus Brasilien feiert den Sieg über Russland im Beach Volleyball-Viertelfinale.