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Spotted: Stalker-Trend oder Singlebörse?

Auf Facebook formieren sich sogenannte "Spotted"-Seiten, auf denen schüchterne Studenten und ältere Semester flüchtige Bekanntschaften ausfindig machen wollen.


Spotted: Stalker-Trend oder Singlebörse?
© Spotted: University Vienna

Es liegt irgendwo zwischen lächerlich und unterhaltsam - die derzeitige "Spotted"-Manie, die Österreich erfasst hat. Was mit "Spotted - University of Vienna" begonnen hat, ging munter mit "Spotted: Öffis Wien" oder "Spotted: Nightlife Vienna" weiter. Die Mitgliederzahlen wachsen rapide, und auch Absurdes wie "Spotted: Wien Schwedenplatz" findet sich im Netz.

Was, zum Teufel, ist Spotted?

Bevor wir uns Grundlegendem zuwenden, zuerst einmal eine Einführung in das Spotted-System. Über Facebook-Seiten kann man den Admins unkompliziert eine Nachricht schicken, diese wird dann anonym veröffentlicht. So zum Beispiel:

" Suche ungefähr 21-jähriges Mädl mit langem, braunem Haar und blauem Mantel. Sie ist zwischen 165 und 170 groß, trug am Freitag ne enge, graue Jeans, schwarze Schuhe und ein türkises Stirnband! Sie kam mit ihrem hippen Bike angeradelt und entwischte meinem Blickfeld bei dem linken Seiteneingang der Hauptuni. Kennt jemand die Sportbegeisterte mit dem süßen Grinsen?(sic!) "

Und so geht es fröhlich dahin auf den Spotted-Seiten, Erfolgsquote schwer erhebbar. Auch LIVE-Action ist möglich, so zum Beispiel:

" Live action WU: 18.50 1.Stock links bib
Ein brünetter Engel in Lederleggins und grauem Pulli ging gerade Richtung Toilette. Kannst dich ja mal melden,wenn du das ließt. (sic!)
"

Mit Typos zur großen Liebe

Abgesehen vom herzzerreissenden literarischen Niveau der Aufrufe stellt sich hier natürlich die Frage: Verharmlosen "Spotted"-Seiten Stalking-Avancen? Wollt ihr wirklich, dass der seltsame Typ, der euch beim WC-Gang beobachtet, eure Identität kennt? Denn wer richtig Pech hat, den enttarnen die Freunde. Dank unzähligen Spotted-Clubseiten kann es auch passieren, dass der Typ, dem du gestern die falsche Nummer ins Handy getippt hat, das Missgeschick über Facebook aufklären will.

Auch Aufrufe wie " Du, braunes Haar, Leder-Leggins und Pelzkragen" sind keine Seltenheit - die Erfolgsquote auf Liebesglück darf man sich dementsprechend ausrechnen.

Schwer unterhaltsam, etwas beängstigend

Der (oder die) selbsternannte Mr. Spotted hat mittlerweile zur Unterstützung aufgerufen - die geschätzten 30 Facebook-Seiten müssen zeitaufwendig betreut werden. Zwar gibt es auch Seiten abseits von Mr. Spotted, das Spotted-Monopol scheint in Österreich jedoch vergeben. Der Erfolg von Spotted ist leicht erklärt: die kurzen Aufrufe sind durchaus unterhaltsam, meist recht platt, manchmal dämlich und oft beschämend. Eine wunderbare Beschäftigung also, die Posts zu durchstöbern.

Auf jeden Trend folgt ein Gegentrend: Im Spotted-Fall sind das Seiten, die sich gelungen über Niveau und Zweckhaftigkeit amüsieren. So zum Beispiel "Spotted: Hofer Vienna": "Spotted: Hofer Gersthof, Mittwoch Nachmittag. Schöner fremder Mann! Dunkle Haare, blaue Augen, sexy Dreitagebart...du bist noch süßer als die Malakoffschnitten die du gekauft hast! Falls die vielen Nudeln in deinem Einkaufswagen nicht für deine Freundin waren, melde dich bitte (sic!)"

Spotted - unterm Strich

Solange uns "Spotted: media.tower" (der Redaktionssitz der WOMAN) erspart bleibt, ist alles gut. Die Fremdscham-Posts lesen wir gerne weiterhin, haben aber so ein Gefühl, dass die Spotted-Manie bald nachlassen wird...

Therese Kaiser

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