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Installationskünstlerin Starsky macht die Welt zur Leinwand

Es gibt nichts, das von ihr nicht in Licht getaucht werden kann: Die Künstlerin Starsky projiziert Texte an Gebäude, Landschaften oder auf Menschen in der Öffentlichkeit. Mit Wortspielen setzt sie politische und feministische Zeichen. Ihr nächstes Projekt befasst sich mit "100 Jahre Frauenwahlrecht".

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Installationskünstlerin Starsky macht die Welt zur Leinwand
© VIO WAKOLBINGER/strasky

Der Schriftzug „wir sind schön“ steht quer über der Fassade der Wiener Staatsoper, „überall konzepte für den kleinen mann… wir sind visionen für die große frau“ leuchtet am Heldenplatz und „wider das patriarchat“ erscheint großflächig über der Gebäudefront der MA57, dem Amt für Frauenangelegenheiten in Wien. Julia Zdarsky, die unter dem Pseudonym Starsky künstlerisch arbeitet, projiziert gesellschaftskritische Texte an Orte, die für sie Objekte der Macht sind. Ihre Wortspiele sind lediglich für einen kurzen Moment zu sehen, die Botschaften wirken nach. „Kunst hat vielfältige Funktionen in unserer Gesellschaft“, erläutert die Wienerin, die sich „unter anderem auch traut, die Klappe aufzureißen, Stellung zu beziehen und für etwas zu stehen“.

Mit der Guerilla-Tour im Rahmen ihres Projektes „niemand mischt sich ein“ entlang zentraler Wiener Fassaden gewann die Künstlerin im vergangenen Jahr den renommierten Marianne von Willelmer Preis der Stadt Linz. Aktuell steckt sie mitten in den Vorbereitungen der Arbeit „100 Jahre in 100 Minuten“ bei dem sie sich anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Frauenwahlrechts mit der feministischen Geschichte der letzten 100 Jahre auseinandersetzt. Ihr aktuelles Projekt wird von der Kulturförderung SHIFT der Stadt Wien und Basis.Kultur.Wien unterstützt.

Projektkünstlerin seit 20 Jahren

Seit mehr als 20 Jahren ist Starsky als Projektionskünstlerin aktiv, aber Preisverleihungen und Förderungen, wie sie die Künstlerin in den vergangenen Jahren miterlebte, waren lange Zeit keine Selbstverständlichkeit. Nach ihrem Studium an der Angewandten in Wien erlernte sie die technischen Fähigkeiten für ihre Projektionen autodidaktisch. Vieles war noch nicht Teil des Lehrplans, es gab kaum Vorbilder und so entwickelte sie die Technik für ihre Kunst kurzerhand selbst. Während ihren männlichen Kollegen für technische Arbeiten Förderungen zugeflogen schienen, ging sie leer aus. Zum Glück sind diese Tage vorbei: Erst vor ein paar Tagen wurde bekannt, dass Starsky am 6. Juni mit dem Gabriele Heidecker Preis ausgezeichnet wird.

"Technische Innovationen nicht zugetraut"

„Mir wurden technische Innovationen als Frau einfach nicht zugetraut“, erzählt die gebürtige Wienerin. Arbeitete sie mit männlichen Kollegen zusammen wurde ihr schnell die Rolle Assistentin zugeschrieben, bei Budgetverhandlungen wanderten die Blicke zu den Männern in der Runde. Ihr war schnell klar: „Uns Frauen wurde nichts geschenkt, schon gar nicht die Gleichberechtigung, die noch nicht vorhanden ist“. Einen Satz, für den sie bei der Preisverleihung in Linz großen Beifall erntete.

Für Starsky ist es eine Notwendigkeit sich zu positionieren und Geschlechterrollen bewusst aufzubrechen:„Die Kunst kann keine Machtstrukturen verändern, jedoch kann sie starke Bilder erzeugen, die wirken auf sich und auf andere“.

"trau di" am Traunsee

Das überdimensional groß projizierte „trau di“ auf der Uferlandschaft am Traunsee ist an die Besucherinnen und Besucher gerichtet und zugleich Starskys Lebens- und Arbeitsmotto. Als sie zum ersten Mal Texte auf das Bundeskanzleramt projizierte, hätte sie nicht erwartet, dass man dies ungestraft machen darf: „Das zeigt uns aber, dass wir in der Gesellschaft größere Handlungsspielräume haben, als viele denken“. Projektionen stellten sich für die Künstlerin als ideales Medium dar, denn im Gegensatz zu beispielsweise Graffiti, bleiben die Botschaften aus Licht nur für den Moment und die Gefahr im öffentlichen Raum durch Kunst Sachbeschädigung zu betreiben fällt weg.

100 Jahre in 100 Minuten

In ihrem aktuellen Projekt „100 Jahre in 100 Minuten“ nimmt Starsky 100 Jahre Frauenwahlrecht zum Anlass in einem Zeitraffer die Rechte und Lebensrealitäten im Leben von Frauen unter die Lupe zu nehmen. „Es wird ein Format bei dem wir nicht nur Kunstwerke präsentieren, sondern das Publikum aufgefordert wird etwas selbst beizutragen, indem es sich selbst mit den Fragen auseinandersetzt und Visionen entwickelt“, beschreibt Starsky für die auch diese Aktion ein großes Experiment bleibt, bei dem es nur heißt „trau di“.


Nächste Installation ist vom 24.-31. Mai, Eröffnung ist am 24. Mai ab 19 Uhr, Intervention am 28.5. 15-19 Uhr im Mz* Baltazar’s Laboratory, hier gibt's außerdem weitere Infos zum Projekt.

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