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Er steht auf mich – oder doch nicht?

Nichts ist zu Beginn einer Beziehung grauenhafter als die Frage: "Steht ER überhaupt auf mich?" Wann alle Anzeichen dafür sprechen – und was frau bleiben lassen sollte.

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Rothaarige Frau schaut skeptisch nach oben.

Warum meldet er sich nicht? Soll ich mich melden....?

© Corbis

Jetzt hat er schon seit drei Stunden kein SMS geschrieben. Soll ich mal schreiben? Irgendwas Unverfängliches? Auf Facebook ist er doch aktiv. Da wär eine schnelle Antwort eigentlich drin. Vielleicht ist es ja aber auch so: Er steht einfach nicht auf mich...

Es sind diese ersten Stunde, Tage, Wochen, nachdem wir einen Mann kennengelernt haben, die uns in den Wahnsinn treiben. Jeder Satz wird mit Freundinnen seziert, jede Meldung gedeutet, jede Bewegung analysiert. Und hinter all dem stehen meist nur zwei bange Fragen: "Glaubt ihr, der steht wirklich auf mich?" Und: "Gebe ich mir eine Blöße, wenn ich zuerst schreibe? Oder anrufe?"

Diese albernen Spielereien. Eigentlich wollte man doch darauf verzichten, beim nächsten Mal. Trotzdem: Ein Flirt – und schon schaut man wieder ohne Unterbrechung aufs Handy, wartet auf eine Nachricht, interpretiert sie, legt sich Sätze zurecht, nimmt sich vor, diesmal – ja, diesmal, da wird man das Telefonat zuerst beenden. Weil man doch noch was vor hat. Man ist schließlich eine coole, begehrenswerte Frau. Und nicht so ein kleines Mädel, abhängig von der Bestätigung eines Kerls. Nicht wahr? Nicht wahr!

»Der beste Anmachspruch bist du selbst.«

Sagt Dominik Borde. Der Mann weiß, wovon er spricht. Als Beziehungsexperte und Flirt-Coach lehrt er Männer und Frauen, wie sie ihr Glück finden und das Liebes-Unglück vermeiden. "Im Grunde", so Borde, "haben alle Menschen, die ich berate, dieselben Fragen. Und dieselben Probleme."

Nummer 1: Wir wollen jemand sein, der wir nicht sind. Aber wer tatsächlich ernsthaft einen Partner (im besten Fall fürs Leben) finden will, der muss authentisch sein. Bedeutet konkret: Sparen wir uns die Spielchen. Wir müssen beim ersten Date nicht vorgeben, verrückte Partyhühner zu sein, wenn wir am liebsten vor dem Fernseher liegen. Wir brauchen kein Interesse für Kunst zu heucheln, wenn wir in Wahrheit keinen blassen Schimmer davon haben. Keine Lust auf Sport? Dann erzählen wir bitte nicht von unserem strammen Workout-Programm und unseren Marathon-Plänen. Wir sind, wer wir sind.

"Wer glaubt, sich beim Flirt verkaufen, sich anders positionieren zu müssen, der fliegt auf die Schnauze," so Flirt-Coach Dominik Borde. "Der beste Anmachspruch ist immer noch man selbst. Jeder Schauspieler fliegt auf, wenn es ernster wird. Die Enttäuschung beim Gegenüber ist dann riesengroß. Zeigt lieber den Menschen, der ihr seid. Natürlich nicht das ängstliche, von Selbstzweifeln geplagte Selbst – sondern das, worin ihr gut seid, was ihr an euch mögt." Dann bekommt ihr auch den Menschen, der gut für euch ist.

Seinen Kunden rät Borde, eine Art "Businessplan" aufzustellen. Was zeichnet mich wirklich aus? Was ist an mir liebenswert? Dazu eine zweite Liste: Was will ich von einer Beziehung – und wie soll der Partner sein, den ich mir wünsche? Vor allem aber: Wer muss ich sein, um diesen Wunschpartner anzuziehen? Borde: "Man muss seinen Anspruch ein wenig runterschrauben. Oder die Sache realistisch einschätzen: Will ich einen Abenteurer, bin aber selbst in Wahrheit keiner – dann muss ich diese Leidenschaft bei meinem Partner auch akzeptieren können." Denn Umerziehen: Das klappt nicht.

Junge Frau schaut böse, während ihr Freund neben ihr auf dem Boden liegt.
Stellen wir keine falschen Ansprüche an unseren Partner – und wecken auch selbst besser keine.
»Ein Mann, der auf dich steht, meldet sich. Punkt.«

Lektion 1 gelernt. Wir waren authentisch, wir haben einen (potenziell) tollen Mann an der Angel. Schon beginnt das Spiel. Wer meldet sich zuerst? Woran erkenne ich, ob er mich wirklich mag? Dabei ist alles ganz simpel. Dominik Borde: "Wenn ein Mann auf dich steht, dann meldet er sich. Tut er es nicht – vergiss die ganze Sache."

Dann heißt es: Das Krönchen richten und weitergehen, Prinzessin. Ist es dem Mann jedoch ernst, gibt es einen Kardinalfehler, den Frauen begehen können: Dauernd erreichbar und verfügbar zu sein. Borde: "Wir haben ein Leben, einen Job, Hobbys, Freunde – all das sollten Frauen nicht links liegen lassen, bloß weil sie auf ein Signal eines Mannes warten." Denn damit würden wir signalisieren, dass wir eine Beziehung BRAUCHEN. "Eine Beziehung mit jemanden wollen ist geil", rät der Liebes-Experte, "eine zu brauchen wirkt bedürftig und damit ziemlich unsexy." Männer, das bestätigt auch der Profi, wollen erobern und um eine Frau kämpfen. Flutet frau den Mann gleich nach den ersten Dates mit Liebeserklärungen ("Du bist der Einzige....") und Plänen für Kind und Haus oder schreibt, wenn sich der Kerl mal einen Tag nicht meldet, sofort eine Nachricht – dann wird er schnell die Flucht ergreifen.

Wer so agiert, will künstlich und mit Druck Nähe herstellen. Aber Gemeinsamkeiten und damit auch tiefer gehende Liebe entstehen mit der Zeit. Die man sich und dem Partner geben sollte. Der Rat von Dominik Borde: "Ein unsicherer Mensch erhält Sicherheit, indem er lernt, abzuwarten. Wenn er sieht: Der Andere will Kontakt, selbst wenn ich nichts tue. Das gibt emotionale Kontinenz." Die große Liebe, das schreiben wir uns jetzt mal hinter die Löffel, entscheidet sich nicht über einer SMS mehr oder weniger. Also locker lassen.

»SMS-Analyse: Was meint er eigentlich damit?«

Der Abend mit dir war nett . Nett? Nett? – Nett ist doch die kleine Schwester von Sch.... Was will er mit dieser SMS sagen? Warum hat er seine Ex erwähnt? Hat er das gesagt, weil...? Wir Frauen neigen zur Interpretation. Jedes Wort wird auf die Waagschale geworfen, jeder Nebensatz mit freudscher Akribie analysiert. Die gute Nachricht: Wir können es uns sparen. Männer ticken anders. "Nett" etwa wurde nur gesmst, weil es tatsächlich "nett" klingt – der Abend war trotzdem grandios, gigantisch, unglaublich, unvergesslich, sensationell, bombastisch. "Der Wortschatz von Männern ist einfach kleiner und weniger blumig als der von Frauen", klärt Dominik Borde auf und bringt ein typisches Beispiel für die Fehlkommunikation von Mann und Frau. Sagt der Mann, dass alles "okay" sei, dann ist es auch genau so. Sagt Frau dasselbe, meint sie eigentlich: "Gar nichts ist okay." Gehen wir also nicht immer von uns aus. Dann kommt es auch zu weniger Missverständnissen. Schreiben wir uns ebenso auf. Aber die Runde mit den Freundinnen, in der wir über IHN ratschlagen, die – versprochen – werden wir weiter aufrecht erhalten.

Themen: Liebe, Flirt

Kommentare

Autor

Der Mann weiss wovon er spricht, hab seine beiden Frauenbücher gelesen und kann das nur jeder Frau weiterempfehlen, mir hat die Lektüre enorm geholfen. Sehr ehrlich, äusserst direkt und auf den Punkt, Daumen hoch für Männer die denken!

Autor

Sehe ich genau so! Ich habe eine Freundin, die peinlich genau jedes Wort von ihrem Typen analysiert und einfach nicht kapieren will, dass er NICHT auf sie steht und einfach nur ein Lügner ist! Ich hab ihr das auch schon gesagt, aber sie will das nicht akzeptieren. Habt ihr einen Tipp? Ich glaub ich schick sie zum Coach, vielleicht kann der ihr helfen ;)

Autor

Der Spruch "Ein Mann der auf dich steht meldet sich. Punkt" gefällt mir total gut und ist einfach voll wahr! Leider verstehen das nur die wenigsten Frauen und suchen immer hunderte von Ausreden warum er sich nicht meldet. Auf der Seite von dem Coach Dominik Borde findet man übrigens kostenlos voll viele coole weitere Artikel, wens interessiert.

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