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Darf der Stiefvater das Kind nach einer Trennung noch sehen?

Der sogenannte "Bonuspapa" hat oftmals eine engere Beziehung zum Kind, als der biologische Vater. Ob er nach einer Trennung ein Recht darauf hat, das "Stiefkind" zu sehen, erklärt Rechtsanwältin Carmen Thornton.

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Darf der Stiefvater das Kind nach einer Trennung noch sehen?
© iStock/GoodLifeStudio

Bei minderjährigen Kindern hat jener Elternteil, der mit dem Kind nicht im gemeinsamen Haushalt lebt, das Recht auf regelmäßigen persönlichen Kontakt zum Kind. Das Kontaktrecht (auch Besuchsrecht genannt) soll auch nach einer Trennung eine stabile Beziehung und eine Bindung des Kindes an seinen getrennt lebenden Elternteil ermöglichen. Neben den Eltern haben grundsätzlich auch die Großeltern ein Kontaktrecht, wenn dadurch das Familienleben der Eltern oder deren Beziehung zum Kind nicht gestört wird.

Was viele nicht wissen: Auch andere Bezugspersonen, die eine besondere emotionale Beziehung zum Kind haben (wie zB Geschwister, Tauf- oder Firmpaten, Pflegeeltern oder auch der neue Partner eines Elternteils), können ein Kontaktrecht beantragen, wenn dies dem Kindeswohl dient. In welchem Umfang solchen Dritten ein Kontaktrecht zusteht, hängt davon ab, wie intensiv die Beziehung ist und ob sie im Interesse des Kindes ohne Störung des Familienlebens aufrechtzuerhalten ist. Erst vor kurzem hat er OGH dem Stiefvater eines Kindes, der die Rolle des "Ersatzvaters" eingenommen hatte, das Recht eingeräumt, mit seinem Stiefsohn auch nach der Trennung an verlängerten Wochenenden einen Tag alleine zu verbringen. Dies entsprach allerdings auch dem ausdrücklichen Wunsch des Kindes, das zu seinem leiblichen Vater keinen Kontakt hatte und gerne mehr Zeit mit seinem "Papa" verbracht hätte.

Carmen Thornton ist Rechtsanwältin und spezialisiert auf Scheidung und Obsorge.

Wenn sich die Eltern schon im Baby- oder Kleinkindalter trennen, kommt es natürlich häufig vor, dass der neue Partner auch für ein Stiefkind die Vaterrolle einnimmt. Das gilt vor allem dann, wenn der leibliche Vater überhaupt keine Rolle im Leben des Kindes spielt. In solchen Konstellationen kann es für die Entwicklung des Kindes sicherlich förderlich sei, wenn der Kontakt zu seiner väterliche Bezugsperson nicht abreißt. In der Regel finden diese Kontakte dann ganz formlos im Einvernehmen mit der Kindesmutter statt. Bei der gerichtlichen Festsetzung eines solchen Kontaktrechtes ist jedoch Zurückhaltung geboten. Gegen den Willen der Mutter sollte einem Dritten, gerade wenn kein Verwandtschaftsverhältnis besteht, nur in Ausnahmefällen ein Kontaktrecht eingeräumt werden.

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Über die Autorin: Mag. Carmen Thornton ist selbständige Rechtsanwältin in Wien und schreibt regelmäßig juristische Artikel für WOMAN.at. Ihre Kanzlei ist spezialisiert auf Scheidungen, Obsorge und Unterhaltsverfahren. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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