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Menstruation in der U-Bahn: Kontroverse wegen schwedischer Künstlerin

Das Stockholmer U-Bahn-System wird oft als längste Kunsthalle der Welt bezeichnet. Die neuen Bilder von menstruierenden Frauen sorgen nun für Aufsehen!

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Menstruation Ubahn
© twitter.com/ptipainsuedois / instagram.com/leifstromquist

Wir blicken gerne zu den Nordeuropäern auf. Die scheinen nämlich ein paar Schritte vor uns zu sein, was die gesellschaftlichen Entwicklungen anbelangt. Ihre Familienpolitik ist vorbildlich, ihre Lebenseinstellung sehr modern und sie haben sogar offiziell ein geschlechtsneutrales Pronomen, "hen", eingeführt.

Doch selbst in einem fortschrittlichen Land scheint eine kleine Nebensache große Kreise zu ziehen: Menstruierende Frauen sind wohl noch immer ein unfreiwilliges Schockmittel. Die illustrierten, menstruierenden Ladies sind vor einiger Zeit Teil der Stockholmer U-Bahn-Galerie geworden. Mit 90 von 100 bebilderten Stationen ist es kein Wunder, dass diese Schächte auch als 'längste Galerie der Welt' bekannt sind.

Die permanente Ausstellung wurde nun um Illustrationen von Zeichnerin und Radiomoderatorin Liv Strömquist erweitert. Die Schwedin ist in ihrem Heimatland bekannt und zwar genau für den sarkastischen Feminismus, den sie in ihren sechs Büchern immer wieder zur Schau trägt. Ihre U-Bahn-Bilder zeigen nackte Männer, Tiere und Frauen mit behaarten Beinen.

Da die Illustrationen in schwarz-weiß gehalten sind, sticht eins gleich hervor: Rotes Menstruationsblut, das zum Teil auf den Höschen der tanzenden Figuren zu sehen ist. Bei einer Frau steht der freche Spruch: "It's Alright. (I'm Only Bleeding')" dabei.

Und obwohl der sarkastische Ansatz ganz klar herauszulesen ist, scheinen nicht alle mit den Bildern leben zu können. Wie der Guardian berichtet, sind auch einige negative Rückmeldungen zu finden. Menschen bezeichnen die Kunst als 'ekelhaft' und vergleichen scherzhaft den pompösen U-Bahn-Schacht in Moskau mit der Stockholmer-Galerie. Eine Userin merkte an, es wäre doch schlimm genug, dass sie jeden Monat ihre Tage hätte. Nun würde sie auch noch jedes Mal daran erinnert werden, wenn sie auf die U-Bahn warte.

Strömquist selbst ist zwar gewöhnt an Kritik, doch will sie trotzdem nicht verstehen, wie viele Menschen etwas Harmloses so negativ sehen können. "Es ist komisch, dass etwas so Natürliches als provokant gesehen wird. Es fällt mir wirklich schwer, das zu verstehen.", sagte sie in einem Interview mit dem TV-Sender SVT.

Trotz der Kontroversen steht das Komitee, welches ihre Kunst ausgewählt hat, hinter Strömquist: "Wir wollten mit den Bildern niemanden provozieren. Doch in der Kunst war es schon immer möglich, den Körper neu zu interpretieren. Wir haben die Bilder von Liv Strömquist gewählt, weil sie den Körper in all seinen Variationen feiert!"