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Coronavirus: Expertin verrät, was man bei akuter Angst tun kann

Die Zahl der Neuinfektionen ist besorgniserregend. Wir haben eine Expertin gefragt, was man bei akuter Angst tun kann und ob es tatsächlich hilft, die Nachrichten auszublenden.

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Coronavirus: Expertin verrät, was man bei akuter Angst tun kann
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Gestern wurden über 7.000 Neuinfektionen registriert. Das Coronavirus hat uns fest im Griff. Man könnte sagen: Niemand ist symptomfrei. Denn auch wenn wir und unsere Lieben vielleicht nicht unmittelbar betroffen sind, machen diese Meldungen etwas mit uns. Sorgen, Ängste, das Gefühl, die Situation gerät außer Kontrolle – all das macht uns allen zu schaffen. Wir haben die Sozialpädagogin Eva Pamminger von der Wiener Couch gefragt, wie wir schnell wieder zur Ruhe kommen und es schaffen, einen kühlen Kopf zu bewahren und haben drei Statements von Frauen eingefangen, die uns erzählt haben, was ihnen gerade zu schaffen macht.

Wovor hast du gerade am meisten Angst?

Antonia, 31: "Ich vertraue darauf, dass die ExpertInnen samt Regierung die Situation im Griff haben und fühle mich eigentlich sehr sicher. Aber wenn ich wirklich wirklich in mich gehe, machen mir die grenzwertigen Kapazitäten in den Krankenhäusern wirklich Sorgen."

Marie, 29: "Ganz ehrlich? Jetzt, wo wir uns im zweiten Lockdown befinden, habe ich durchaus Angst um meinen Job. Wer weiß, wie sich dieses ganzes Chaos noch auswirken wirkt. Es ist ein Teufelskreis und derzeit fällt es mir schwer, das Gute zu sehen. Meine Resilienz habe ich schon in der Zeit zwischen März und Juni aufgebraucht..."

Birgit, 44: "Das Schlimmste was für mich passieren könnte ist, wenn jemand aus meiner Familie sich anstecken würde und einen schweren Verlauf hätte. Ich weiß nicht, was ich tue, wenn es meine Mutter erwischen sollte..."

Ängste & Sorgen: Das rät die Expertin

WOMAN: Vor welchen psychischen Herausforderungen stehen wir gerade?
Pamminger: Die Corona-Zeiten gehen mit vielen inneren und äußeren Veränderungen einher, wir stehen vor der zweiten Infektionswelle. Allgegenwärtig ist sie geworden, die Begleiterin Angst breitet sich aus wie das Virus selbst. Als lauernde Gefahr, ein Risiko, ohne klar definiert werden zu können. Alles, was wir nun lernen müssen zu meistern, passt so gar nicht in unser heutiges Leben mit einem ausgeprägten Maß an Sicherheitsbedürfnis.

Angst ist ein normales Gefühl, sie hatte in der Evolution des Menschen eine wichtige Schutzfunktion, die uns beim Überleben geholfen hat. Sie ruft eine körperliche Stressreaktion hervor, dabei produzierte Stresshormone wiederum wirken sich auf das Immunsystem schwächend aus. So auch reale Ängste, wie vor einer Ansteckung oder Existenzverlust.

Unsicherheit kann sich auf die Psyche auswirken, seelische Belastung und Angststörungen hervorrufen. Wenn sie beginnt einzuschränken, Panik auszulösen oder zum Selbstläufer zu werden, ist der Zeitpunkt gekommen, um professionelle Hilfe anzunehmen. Wie lange die Pandemie bleiben wird, ist ein Unsicherheitsfaktor, wir wissen es schlichtweg nicht. Eine Möglichkeit des Einflusses haben wir, wenn es um uns selbst geht. Wie leben wir mit den neuen Herausforderungen unserer Umwelt?

»Es empfiehlt sich kleine Inseln zu schaffen, sich gedanklich in Ruhe eine Pause vom Virus zu gönnen.«

Welche Strukturen oder Rituale können helfen?
Pamminger: Gerade in Zeiten der äußeren Unsicherheit ist es noch bedeutender als sonst, in der eigenen kleinen Welt, im privaten und häuslichen Umfeld Positives als eine „Art Ordnung“ zu erleben. Genau dann, wenn es um Beziehungen, wie wir wohnen oder unseren Umgang mit uns selbst, im Sinne der Selbstfürsorge, geht. Handlungsfähigkeit, das heißt aktiv zu bleiben, ist sehr wichtig. In unserem Ohnmächtigkeitsgefühl nichtsdestotrotz Selbstwirksamkeit zu spüren und einer bewussten Entscheidung nachzugehen, wie z.B. unter Einhaltung der Sicherheitsmaßnahmen beizutragen, dass die Ausbreitung des Virus verhindert wird. Physisch und für Ihr eigenes Sicherheitsgefühl tut es gut, das eigene Immunsystem zu stärken mit gesunder Ernährung, Bewegung, Stressvermeidung, ausreichend Schlaf, einem guten Körpergefühl und auf die Signale des Körpers zu reagieren. Vertrauen in den eigenen Körper zu haben beruhigt. Im Alltag ist es empfehlenswert, in kleinen, möglichen Bereichen Normalität zu leben und eine Tagesstruktur zu haben.

Aus psychischer Sicht empfiehlt es sich, kleine Inseln zu schaffen, sich gedanklich in Ruhe eine Pause vom Virus zu gönnen und Momente der Entspannung im Tagesverlauf einzubauen. Nehmen Sie Gegebenheiten oder Beziehungen wahr, die Ihnen Stabilität geben. Wann fühlen Sie sich geborgen, was heißt für Sie Geborgenheit? Schaffen Sie sich und spüren Sie Momente der Geborgenheit, sei es, indem Sie Stimmung mit Kerzenlicht schaffen, gute Musik hören, sich mit schönen Dingen umgeben oder ihren Liebsten in die Arme nehmen.

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Sollte man besser informiert bleiben oder nur das Dringendste an Nachrichten konsumieren?
Pamminger: Wenn wir die äußeren Einflüsse betrachten, geht es hier ganz klar um Selbstschutz. Zu viele Informationen, dauerhafte Präsenz und Beschäftigung mit dem Thema und Fake News schüren Ängste. Dabei ist ein sachlicher Umgang mit dem Thema wichtig! Wenn Sie merken, Ihnen tut der mediale Einfluss nicht gut, empfehle ich klar eine Einschränkung des unkontrollierten Medienkonsums zum Thema. Wissen und Informationen sind wichtig, allerdings in einem vorgegebenen Zeitrahmen und aus einer vertrauenswürdigen Quelle.

Als soziales Wesen mit den Grundbedürfnissen nach Nähe und Kontakt zu Mitmenschen machen uns die Einschränkungen zu schaffen. Gerade deshalb sollten wir alternativ Kanäle (per Telefon, Mail, Briefen) nutzen, die es uns ermöglichen, in Kontakt und in Austausch von Erfahrungen, Erlebnissen und auch Gefühlen zu bleiben. Trotz allem oder gerade deshalb ist es gut, Positives zu finden, den Blick darauf zu richten und sich zu fokussieren. Auch wenn es kleine Dinge sind, Freude tut immer gut.

Thema: Coronavirus

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