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Warum du manchmal schweigen solltest!

Ihr liebt euch - und geratet euch trotzdem immer wieder in die Haare. Unmöglich, sollte man meinen. Leider doch. Weil ihr die immergleichen Fehler macht.

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Warum du manchmal schweigen solltest!
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Man soll alles besprechen, in so einer Beziehung. Auch die unangenehmen Themen. FALSCH! Rufen wir. Und revidieren ein wenig. Ihr sollt über Erwartungen, über Wünsche, aber auch über Dinges sprechen, die euch stören. Entscheidend ist nur, WIE und WANN ihr darüber sprecht.

Nehmen wir etwa Nora und Reinhard. Ein schönes, ein glückliches Paar, sie haben schon einige Probleme gemeinsam überstanden. Aber ihre Streitkultur? Entsetzlich. Geprägt von Vorwürfen, Verletzungen, kleinen Gemeinheiten, Eskalation. Beide leiden darunter, wie Diskussionen entstehen, wie sie enden. Sie schreien sich an, danach schweigen sie sich tagelang an, keiner will den ersten Schritt tun. Irgendwann wird das Fass wieder aufgemacht, es kommt erneut zur Explosion, Entschuldigung, Liebesbeteuerungen. Bis zum nächsten Streit.

Ist diese Beziehung zum Scheitern verurteilt? Nein. Denn da ist im Grunde wahnsinnig viel Liebe. Es handelt sich aber um zwei Menschen, die es nicht schaffen, in aufgewühlter Stimmung auf einer normalen, erwachsenen Basis ihre Konflikte zu lösen. Sie schaukeln sich gegenseitig auf, jeder hat seine Trigger und Muster, aus denen er nicht raus kann – es geht sich einfach nicht aus. Und hinterher denkt man sich: Hätte ich doch bloß nichts gesagt.

Hier sind 7 Gründe, nächstes Mal genau das zu tun: zu schweigen.

Warum du im Streit manchmal schweigen solltest

1

REDEN ALLEINE LÖST NICHT JEDES PROBLEM. Wenn wir erst ausgesprochen haben, was uns auf der Seele lastet, dann wird schon alles gut. Glauben wir. Hoffen wir. Ist aber nicht so. Wenn wir uns darüber ärgern, dass unser Partner selten etwas organisiert und wir ihm das so unter die Nase reiben, dann fühlt er sich in erster Linie angegriffen. Und geht in Verteidigungsmodus, statt unser wahres Bedürfnis zu erkennen. Wer einen Seitensprung gesteht, verletzt seinen Partner in erster Linie, wer zum hundertsten Mal dasselbe Problem durchkaut, nervt nur mehr. Den Mund zu bewegen ist noch keine Lösung oder Garantie für ein Happy End. Überlege also gut, WAS und WIE du etwas anbringst.

2

SEI NICHT VERLETZEND. "Ich glaube du tickst nicht ganz richtig!", "Warum plärrst du mir die Ohren voll!" oder "Genau diese miese Art hast du von deinem Vater geerbt!" sind pure Verletzungen! Nach solchen Sätzen einen friedvollen Konsens zu finden und sich zu versöhnen, ist fast unmöglich. Worte sind Waffen. Und sich damit zu verletzen, klappt als Paar besonders gut. Weil man genau weiß, wo die Wunden des anderen sind – und dann mit besonderer Kraft zusticht.

3

ES KOMMT ZU MISSVERSTÄNDNISSEN. Gerade Menschen, die sich besonders nahe stehen, missverstehen sich besonders oft. Klingt paradox? Ja. Aber weil wir davon ausgehen, dass unser Partner uns ohnedies versteht oder ja auch über die gleichen Infos wie wir verfügt, halten wir genaue Erklärungen für überflüssig. Die Botschaft entsteht aber beim Empfänger. Wir machen uns nicht mehr die Mühe, uns in den anderen hineinzuversetzen und zu verstehen, warum er diese Aussage anders versteht als wir.

4

KLEINIGKEITEN WERDEN ZU DRAMEN ZERREDET. Das Schlimmste in einer Beziehung sind ... Erwartungen. Wenn wir etwas anmerken, dann haben wir eine bestimmte Wunschvorstellung, wie unser Partner darauf zu reagieren hat. Nehmen wir die mittelharmlose Frage, ob unser Partner die neue Kollegin eigentlich ganz attraktiv findet. Welche Antwort wollen wir hören? Ihr wisst es. Wehe, wenn der Partner ehrlich antwortet, dass sie nicht schlecht aussieht. Sofort wird ein Drama inszeniert, wird aus einer Mücke ein Elefant. Er wirft dir krankhafte Eifersucht vor, du unterstellst ihm darauf den Betrug. Ja, manchmal wird ein Thema überhaupt erst dann ein Problem, wenn man darüber spricht.

5

GEFÜHLE KANN MAN(N) NUR SCHWER BESPRECHEN. Die amerikanischen Psychotherapeuten Patricia Love und Steven Stosny analysieren in ihrem Buch „How to Improve Your Marriage Without Talking About It“, dass Männer über weniger Vokabular rund um Gefühle verfügen – während Frauen sehr blumig und ausführlich über ihre Emotionen sprechen. Wenn du ihm also Fragen zu seinen Empfindungen dir gegenüber stellst, solltest du dich auf eine Enttäuschung vorbereiten. Er KANN vermutlich nicht so reagieren, wie du es dir gerne erwartest.

6

NICHT IMMER IST DEIN PARTNER DIE LÖSUNG DES PROBLEMS. Seit Monaten wirst du immer grantiger, weil ihr Beide einfach keine Zeit füreinander findet. Das macht dich wahnsinnig. Vor allem, weil du das Gefühl hast, dass es deinem Partner nicht so wichtig ist wie dir. Also machst du es zum Thema. Immer wieder. Doch die Diskussion endet unbefriedigend – Zeit-Management, es gibt immer eine Entschuldigung, weil es nicht klappt. Deine Frustration wächst. Warum schiebst du die Lösung des Problems deinem Partner zu? Besorg doch einfach selbst zwei Konzertkarten, organisiere einen Kurz-Trip irgendwohin.

7

MANCHE DISKUSSIONEN HABEN KEIN ENDE. In jeder Beziehung gibt es einen Dauerbrenner-Konflikt. Egal, wie oft ihr darüber gesprochen habt – er landet immer immer immer wieder auf dem Tisch. Manchmal auch nur dann, weil du ein Ventil für deine miese Laune suchst (und niemand ist dafür besser geeignet als der Partner). Dein Flirt mit einem Kollegen vor fünf Jahren. Der fehlende Dank, als du das Geschenk für seine Mutter besorgt hast. Seine Präsentation, die euren gemeinsamen Urlaub zunichte gemacht hat. In den immerselben Sätzen kommen die Vorwürfe hoch, ihr meckert, ihr lasst euch provozieren, ihr schießt zurück – ihr seid dort, wo ihr vor ein paar Wochen wart. Lösung? Aussichtslos. Die Vergangenheit kann man nicht ändern. Schließ ab.