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Wie man Stress zu seinem Freund machen kann!

Warum Stress - dank der richtigen Betrachtungsweise - durchaus gut für dich sein kann, erklärt die Psychologin Kelly McGonigal. Denn wie neue Studien herausfanden ist Stress nur dann schlecht für dich, wenn du das auch glaubst!

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Wie man Stress zu seinem Freund machen kann!
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Stress. Kein schönes Gefühl - besonders dann, wenn er einen übermannt! Das Herz schlägt schneller, die Atmung erhöht sich, man kann nicht mehr klar denken, macht Fehler und wird in weiterer Folge vielleicht sogar langsam. Was wir aber auch wissen: Es gibt auch den guten Stress, den, der dich effektiver arbeiten lässt, dich anspornt, dir ein gutes Gefühl gibt. Stress ist ja bei Weitem nicht sinnlos: Früher war er eine überlebenswichtige blitzschnelle Reaktionsmöglichkeit für Körper und Seele. In Bruchteilen von Sekunden versetzte der Stress das im Alarmzustand befindliche Individuum in die Lage, mit guten Erfolgsaussichten wahlweise die Konfrontation im Kampf oder das Heil in der Flucht zu suchen. Heute müssen wir halt nicht mehr vor riesigen Fressfeinden fliehen oder unser Revier verteidigen. Stress kann archaisch sein. Und trifft uns in der heutigen Zeit hauptsächlich am Arbeitsplatz. So scheint er mittlerweile vor allen Dingen für die Entstehung physischer und psychischer Schäden zu taugen.

Die Psychologin Kelly McGonigal fordert uns in ihrem TED-Talk allerdings auf, unser Bild zu korrigieren. Denn Stress tut unserer Gesundheit durchaus gut. Er aktiviert und trainiert unser Immunsystem. Er beugt Alzheimer vor, schützt uns gegen Hautkrebs, beschleunigt die Heilung von Verletzungen - und verlängert unser Leben sogar, weil die Alterungsprozessen in unseren Zellen im Moment des Stresses verzögert werden. Halleluja! Wellnessprogramm quasi:

Es kommt darauf an, was wir über Stress denken

Kurioserweise hängt aber nicht nur der Stress selbst, sondern auch dessen Wirkung stark von der subjektiven Bewertung ab. Das zeigt eine bemerkenswerte Studie der University of Wisconsin, von der McGonigal im Video erzählt: Dabei wurden 29.000 Erwachsene gefragt, wie viel Stress sie ausgesetzt seien und wie sie versuchten, mit dem Stress fertigzuwerden. Zugleich wollten die Interviewer wissen: "Glauben Sie, dass Stress gesundheitsschädlich ist?" Acht Jahre später durchforsteten die Wissenschaftler die Sterberegister, um zu ermitteln, wer von den Befragten gestorben war. Ergebnis: Jene, die viel Stress erlebt und zugleich angegeben hatten, Stress gefährde ihre Gesundheit, wiesen ein um 43 Prozent höheres Sterberisiko auf. Jene Untersuchten hingegen, die ebenfalls großem Stress ausgesetzt waren, ihn aber für unbedenklich hielten, wiesen das niedrigste Sterberisiko auf – niedriger noch als diejenigen, die in ihrem Leben wenig oder gar keinen Stress hatten.

Man sollte die Kontrolle behalten

Kurz gesagt: Es kommt darauf an, was wir über Stress denken! Wer ihn nur als schädlich ansieht, erlebt in weiterer Folge auch seine schädliche Wirkung. Auch andere Studien bestätigen: Es is besser, vielbeschäftigt zu sein, als nur herumzufläzen oder unterfordert zu sein. Zufrieden und gesünder ist, wer keine Zeit zum Trödeln und zum Grübeln findet. Macht Sinn eigentlich. Wichtig ist dabei aber auch, weiter ein Gefühl der Kontrolle zu haben. Das erklärt auch den akuten, unguten Stress, der uns in Situationen überfällt, in denen wir machtlos sind und nichts tun können - wenn wir zum Beispiel vor einem wichtigen Termin plötzlich im Stau stehen, oder die U-Bahn streikt.

Was wir daraus lernen können?

Was wir daraus lernen können? Auch in Situationen, wo uns der Stress übermannt und wir gefühlt machtlos sind, können wir uns damit trösten, die Dinge umzukehren: Aus erzwungenem Warten machen wir zum Beispiel "Entspannung". Die Erkenntnis, dass am Stress eigentlich nur eine Sache wirklich schädlich ist, ist irgendwie banal und beruhigend zugleich: Wenn wir uns selbst damit stressen.