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Stress: Vom Lebensretter zum Feind

Wie wir mit dem Erbe unserer Vorfahren umgehen und Krankheiten vorbeugen.

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Stress: Vom Lebensretter zum Feind
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Wie so oft gilt auch in Sachen Stress: Die Dosis macht das Gift. Hat er uns einst im Kampf und auf der Flucht zu Höchstleistungen angetrieben und unser Überleben gesichert, verteufeln wir ihn heute weitgehend als Krankmacher. Woran das liegt? Die Geschichte vom scheinbar „bösen“ Stress.

Wir springen auf die Bremse, lenken, weichen aus – das Auto steht. Das Herz rast, und wir sind außer Atem. Momente, wie wir sie im Straßenverkehr beinahe täglich erleben. Und trotzdem: Gerade noch einmal alles gut gegangen. Er hat uns das Leben gerettet – mal wieder: der Stress. Denn in dem Moment, in dem wir eine Gefahr erkennen, wird die Information, der Reiz, im Gehirn verarbeitet. Von hier aus werden Signale an bestimmte Körperregionen – allen voran die Nieren und Nebennieren – versandt. Im Bruchteil einer Sekunde kommt es nun zur Ausschüttung sogenannter Stresshormone: Botenstoffe, die den Sympathikus – jenen Teil des vegetativen Nervensystems, der für die Aktionsfähigkeit verantwortlich ist – aktivieren. Heißt: Unser Körper reagiert richtig, ohne dass wir uns darüber den Kopf zerbrechen müssen. Gut so, denn dafür fehlt es in Situationen wie diesen ohnehin an Zeit.

Ein evolutionsbiologisches Erfolgsrezept

Wer denkt, Stress ist ein Phänomen unserer Zeit, der irrt. Denn der ausgeklügelte Schutzmechanismus, der uns heute in brenzligen Situationen die richtigen Entscheidungen fällen lässt, hat bereits unseren Vorfahren das Überleben gesichert. Zum besseren Verständnis: Plötzlich – wie aus dem Nichts – steht er da, der Säbelzahntiger. Unser Vorfahre war angehalten, innerhalb kürzester Zeit die richtige Entscheidung zu treffen. Die einzigen Möglichkeiten, die er hatte: Flucht oder Angriff. Der Stress sitzt ihm im Nacken und stärkt ihm in beiden Fällen den Rücken. Denn durch die Steigerung der Herzfrequenz und den damit einhergehenden Anstieg des Blutdrucks, kombiniert mit einer schnelleren Atmung, ist unser Organismus bereit, Höchstleistungen zu vollbringen.

Die Zeiten haben sich geändert

Doch warum verteufeln wir den Stress heute als Krankmacher der Nation, anstatt ihn als Lebensretter gebührend zu feiern? Dazu lohnt es sich, genauer hinzusehen: Denn selbst wenn die physiologischen Prozesse, die der Stress im Organismus auslöst, seit Jahrtausenden dieselben sind, hat sich eines über die Jahre stark verändert – der Umgang mit dem einst überlebenswichtigen Stress. Einerseits trifft man Säbelzahntiger heute nur mehr schlecht präpariert und wenig furchteinflößend in Museen an, was unterm Strich bedeutet, dass wir heute nur mehr in seltensten Ausnahmefällen um unser Leben kämpfen müssen. Und andererseits ist da die Digitalisierung, die unser Leben von Grund auf verändert hat. Statt stundenlang dem Nachtmahl aufzulauern und es anschließend zu jagen und zu erlegen, sind Pizza, Sushi, Burger und Co heute bloß noch einen Mausklick entfernt. Eigentlich nicht schlecht? Zumindest auf den ersten Blick.

Doch die Medaille hat ihre Kehrseite: Auch wenn sich die Reize über die Jahre verändert haben, ist der Stress in unserer Gesellschaft allgegenwärtig. Was früher der Kampf ums Überleben war, sind heute die sich türmende Zettelwirtschaft am Arbeitsplatz, akute Terminknappheit und nicht zuletzt der Spagat zwischen Job und Familie. Immerhin empfinden rund 39 Prozent aller Befragten im Rahmen einer groß angelegten Studie der Allianz ihren Beruf als belastend, ganze 25 Prozent fühlen sich sogar in ihrer Freizeit durch Stress beeinträchtigt. Nicht weiter verwunderlich, dass hierzulande jeder Vierte auf ein Burn-out zusteuert. Denn viele von uns stehen unter Dauerspannung. Und genau hier liegt das Problem: Was uns in Ausnahmesituationen, wie beispielsweise im Straßenverkehr, das Leben rettet, macht auf Dauer krank. Denn folgten früher der Stresssituation körperliche Aktivität (im Kampf oder auf der Flucht) oder Phasen der Entspannung – beides begünstigt den Abbau der Stresshormone –, bleibt der Stresspegel heute oft konstant. Blutdruck und Herzfrequenz bleiben dauerhaft erhöht. Wir schlafen schlecht, und unser Darm, das Zentrum unserer Gesundheit, gerät ins Ungleichgewicht. Ein Teufelskreis.

Und trotzdem sind wir dem Stress nicht schutzlos ausgeliefert. Entscheidend ist, wie wir damit umgehen. Wie du den Stress im Alltag ausbremsen und so deine Gesundheit wahren kannst? Hier die besten Anti-Stress-Tipps

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