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Sie stylen die Promis!

Hinter (beinah) jedem gut angezogenen Promi steckt ein versierter Profi. Wir haben vier der erfolgreichsten heimischen Stylisten zu ihrem Job befragt.

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Sie stylen die Promis!
© privat

Was steckt eigentlich hinter dem Job Stylist? Und wie kommt man überhaupt dazu? Wir haben bei den Profis nachgefragt. Und den Stilberatern der Stars natürlich auch das ein oder andere Fashion-Geheimnis entlockt.

Nell Kalonji

Die gebürtige Wienerin lebt seit 2008 in London, arbeitet für das Magazin
AnOther & als Stylistin. Neben Star-Stylings wie für Hollywood-Aktrice Chloë Grace Moretz konzeptioniert sie auch die Outftis von Musikern wie M.I.A & Jesse Ware für deren Touren.

Wie bist du zum Styling gekommen?

Durch Zufall! Nach einem vierwöchigen Gastbesuch bei der WU Wien habe ich ziemlich schnell beschlossen, dass die Wirtschaft nichts für mich ist... Also meldete ich mich bei der Modeschule mit der Hoffnung an, ins Kostümbild einzusteigen. Nach meinem Abschluss habe ich eine Designerin kennengelernt, die mich fragte, ob ich nicht mit ihr an ihrer PR arbeiten möchte. Ohne Plan nahm ich das Angebot an und lernte dann eines Tages in ihrem Büro den Stylisten Sammy Zayed kennen. Der war mir sympathisch und hat ausgesehen, als hätte er Spaß im Leben! Eines führte zum anderen und bevor ich wusste, was abgeht, war ich seine Assistentin.

Wie ging es dann weiter?

Sammy wurde zu meinem Mentor und nach einigen sehr lustigen und lehrreichen Jahren bei ihm ging es dann weiter nach England für ein Praktikum bei Dazed&Confused (heute Dazed Magazine). Aus drei Monaten wurden sechs und dann ein Jahr … bis mir eine permanente Position als Fashion Assistant angeboten wurde. Ich assistierte Katie Shillingford und als Katie dann zu AnOther ging um die Fashion Director Rolle zu übernehmen, nahm sie mich mit und ich wurde zuerst Deputy und dann Fashion Editor. Und außerdem betreue ich eben meine Styling-Kunden.

Welche Promis betreust du?

Am längsten arbeite ich mit Chloe Grace Moretz, nämlich seit sieben Jahren. Dazwischen kamen noch ein paar On-and-Off-Kunden aus der Musikszene dazu. Letzten Sommer habe ich mit M.I.A an ihrer Tour gearbeitet. Und aktuell arbeite ich mit Jessie Ware an ihrer Tour.

Wie suchst du die Looks aus?

Ich habe schon während der Fashionweeks im Kopf, dass eine meiner Kundinnen einen Film herausbringt und promoten muss oder eine Konzert Tour plant. Für eine Filmpremiere arbeite ich meistens mit Runway-Looks. Wenn es aber um die Oscars geht, kann es auch schon ein Custom-Made-Look sein. Viele Designer entwerfen spezielle Kleider für die Award Season. Dann suchen Designer, VIP und Stylist gemeinsam ein Outfit aus.

Was macht an dem Beruf am meisten Spaß?

Es wird nie fad! Und ich habe das Glück, dass ich mit tollen Leuten
arbeite, die mich jeden Tag inspirieren.

Bist du auch bei den Events vor Ort?

Es kommt darauf an. Bei Schauspielern ist das meistens nicht notwendig. Ich versuche meistens dabei zu sein, wenn sich ein Klient fertig macht, um zu schauen ob alles perfekt sitzt. Bei Musikern und Konzerten ist das dann schon mehr der Fall. Da gibt es ja dann auch öfters Outfitwechsel. Da ist es besser, wenn ich und ein Assistent dabei sind.

Wen würdest du gerne einmal einkleiden?

Ich hab vor kurzem mit Nile Rogers gearbeitet. Da ist ein Traum wahr geworden! Was für eine Musik-Legende! Dann vielleicht noch Jennifer Lawrence, Oprah Winfrey, Meryl Streep, Helena Bonham Carter und Beyoncé. Was haben sie gemeinsam? Alles Frauen, mit denen ich gerne auch mal gemütlich essen gehen würde. Und bei denen ich überzeugt bin, dass wir BFFs sein sollten ... sie wissen es nur noch nicht! (lacht)

Thomas Reinberger

Der kreative Niederösterreicher arbeitet schon seit über 15 Jahren als Stylist & bildet unter anderem in einem eigenen Lehrgang talentierten Nachwuchs aus. Außerdem arbeitete er mit vielen Bühnenstars aber auch Sportlern wie Sebastian Vettel & Lindsey Vonn. Sein bekanntester Stil-Schützling ist Conchita, deren Look er von 2014 bis 2017 komplett konzeptionierte.

Wie bist du zum Styling gekommen?

Über Berge und Täler, als Disponent in einer Filmproduktion und als PR-Assistent bei H&M. Das Ziel hatte ich immer klar vor Augen – aber mir war nicht bewusst, wie der „Einstieg“ funktioniert. Zum Glück hatte ich vor über 15 Jahren Unterstützung durch meine damalige Agentur.

Wie arbeitest du mit prominenten Kunden?

Bei Personen des öffentlichen Lebens spielt die mediale Aufmerksamkeit eine große Rolle. In den letzten Jahren wurde Social Media ein wichtiges, zusätzliches Element.

Wie sucht man Red Carpet-Looks aus und wie kooperierst du mit den Designern?

Grundlage ist immer das Event. Wenn kein Dresscode/Thema vorgegeben ist lautet die Devise: je glamouröser das Event, desto mondäner die Robe. Kooperationen laufen immer über ein Netzwerk aus PR-Agenturen der jeweiligen Designer. Oder über die Modeschöpfer persönlich. Im Optimalfall ist der vorab recherchierte Look zum benötigten Datum verfügbar. Wenn nicht, geht das Spiel von vorne los. Angefragt werden mehrere Looks gleichzeitig. Die finale Entscheidung wird beim Fitting getroffen – der spannendste Moment!

Was ist dein Modetrend für 2018?

Knallige Pinknuancen, viel Disco-Flitter, Denim-Adaptionen, 80er-Details, usw. Als großer Freund von Vielfalt will ich mich gar nicht auf nur einen Trend festlegen.

Welche Keypieces wirst du dir für die neue Saison zulegen?

Meine eigene Garderobe steht im totalen Kontrast zu meinen Projekten. Alles sehr schlicht, gedeckt, monochrom und sehr sportlich. Aber auf jeden Fall neue Sneakers! Die gehen immer.

Wen du dir etwas wünschen kannst – wen würdest du gerne einmal einkleiden?

Tilda Swinton! I adore you. Ich liebe ihren androgynen Genderfluid-Look. Sie trägt sehr oft Haider Ackermann – auch einer meiner Favoriten!

Simon Winkelmüller

Der in Wien lebende Stylist arbeitet für Magazine als freier
Stylist und betreut Promis – vor allem für Events oder Video-Drehs.

Welche Promis betreust aktuell?

Am engsten arbeite ich mit der Schauspielerin Verena Altenberger (die ich auch erstmalig bei einem Woman-Shooting kennengelernt habe). Außerdem setze ich mit der deutschen Sängerin Grace Capristo gezielt größere Projekte, wie internationale Events und Video-Drehs um.

Wie bist du zum Styling gekommen?

Nach dem Abschluss auf der Modeschule wollte ich der kreativen Arbeit unbedingt treu bleiben. Aber es ist naiv zu glauben, dass man unmittelbar nach der Schule mit seinem eigenen Label den großen Durchbruch schafft, geschweige denn überhaupt eine Kollektion auf die Beine stellt. Außerdem habe ich für mich beschlossen, „kreativ mit dem fertigen Stück“ sein zu wollen. Nach einigen Assistenz-Jobs, Praktika bei einem Modemagazin und somit wertvoller Erfahrung in der Branche, kamen nach etlichen weiteren freien Produktionen die ersten bezahlten Aufträge, die – Gott sei Dank – immer mehr wurden!

Was macht am Beruf am meisten Spaß?

Neben der Möglichkeit, sich kreativ zu entfalten, finde ich es wahnsinnig spannend, sich für jedes Projekt aufs Neue in den Kunden bzw. den Auftrag hineinzuversetzen.

Was ist dein Modetrend für 2018?

Ich bin kein Fan von oberflächlichen Trends, die zu Trends gemacht werden, nur weil drei oder vier Designer Blümchenprints in ihren Kollektionen integriert haben. Ein Thema, das womöglich unsere globale Situation widerspiegelt ist ‚Plastik‘. Umgesetzt von Chanel oder Calvin Klein.

Welche Keypieces wirst du dir selbst zulegen?

Ich habe es auf leichtes Print-Hemd von Anne Demeulemeester abgesehen! Bitte nicht vor mir kaufen! Ich warte auf den Sale! ;-)

Was sind die internationalen Größen der Szene? Gibt es da Vorbilder oder Stylisten, mit denen du gern arbeiten würdest?

Mein absoluter Favorit ist Karla Welch, die Stylistin von Lorde oder Justin Bieber. Da Red Carpet-Styling ja primär aus Amerika kommt und dort ein nicht allzu kommerzieller, „europäischer“ Look Mangelware ist, sticht Karla für mich da total raus. Gerade in L.A. verlässt sich keiner auf den Zufall. Ich fände es durchaus spannend, in solch einem Umfeld Erfahrungen zu sammeln – zumindest temporär.

Sammy Zayed

Der Wiener ist mittlerweile eine echte Institution in Sachen Styling. Vom Event bis zu Videodrehs sorgt der Kreativkopf für optische Gesamtkonzepte.

Wie bist du zum Styling gekommen?

Ich hatte im früheren Leben einen „echten“ Job, kam praktisch aus der Industrie (Peek & Cloppenburg) und hatte dort eine bahnbrechende, richtungsweisende Begegnung mit meinem Lehrer, Mentor und Freund Frank Wilde.

Was macht am Beruf am meisten Spaß?

Gute Frage. Ich denke das direkte Feedback. Im Wort Beruf steckt auch die Berufung. Und um meinen Freund Frank zu zitieren: „Styling ist Kommunikation.“ Und ich denke, ich bin ein recht geselliger Typ! ;-)

Welche Promis betreust du?

Da es in Österreich nicht so stark benötigt wird, betreue ich keine Promis exklusiv. Ich habe allerdings in meiner Laufbahn mit vielen Celebrities gearbeitet. Persönliche Highlights waren die Gallaghers (Liam & Noel von Oasis) auszustatten oder mit Africa Bambaataa und Westbam zu arbeiten. Oder auch mit Victoria Beckham in ihrer „Gucci Phase“ und mit Wyclef Jean von den Fugees für einen Videodreh. In Wien hab ich bei einem Werbespot David Alaba kennen und lieben gelernt, ein bodenständiger, cooler Typ mit echten Homie-Qualitäten!

Wie arbeitest du mit prominenten Kunden?

So normal wie möglich, allerdings ist eine gute Recherche (also Hausaufgaben machen!) unumgänglich! Aber im Grunde genommen sind die, die am erfolgreichsten sind, meist auch die Normalsten.

Was ist dein Modetrend für 2018?

Keepin‘ it real, nein nicht der Verein!

Was ist der größte Fehler beim Styling?

Tag für Tag dokumentiert via vieler Influencer/Blogger, deren Looks auf Instagram & Co. verkleidet und einfach nur merkwürdig wirken. Ernsthaft, wer will denn wirklich so aussehen?

Wen würdest du gerne einmal einkleiden?

Ganz viele Menschen! Meine Frau und ich planen, gemeinsam ein kleines, von Hand ausgesuchtes Label zu gründen - in Tiflis, Georgien. Dort passiert modemässig wirklich viel und zusammen sind wir ein ziemlich gutes (Style-)Team.

Thema: Trends