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2 Mädchen, 1 Abenteuer

WOMAN-Redakteurin Nadja erzählt von einer spontanen Reise im letzten Jahr. Sie und ihre Freundin machten sich ohne Gedanken, ohne Planung und ohne Geld mit dem VW-Bus auf in Richtung Atlantik. Ihr Fazit: Der bisher beste Reisetrip ihres Lebens.

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Das Reisetagebuch der beiden Mädchen als Video!

Letztes Jahr im Juli hatte ich gerade meine Bachelorarbeit abgegeben, die Uni war vorbei - das harte Leben inklusive Job und Verpflichtungen klopfte schon an die Tür. Meiner Freundin Julia ging es ähnlich. Panik machte sich in uns breit, deswegen hatten wir den Geistesblitz: "Lass uns doch einfach heute Nacht noch an den Atlantik fahren mit dem VW-Bus, ganz spontan, ohne was zu planen. Bevor der Ernst des Lebens beginnt!" Da Freunde gerade eine Surfdoku über Europa drehten und sich ebenfalls an der Atlantikküste herumtrieben, packten wir unsere Sachen und fuhren noch am selben Abend los.

Buntes Hossegor
Nach ungefähr 30 Stunden anstrengende Fahrt mit dem Bully erreichten wir endlich Hossegor in Frankreich. Endlich waren wir am Atlantik angekommen. Hossegor ist das bunte Paradies der Surfwelt Europas. Wir verliebten uns sofort in dieses Örtchen. Die Leute sind entspannt und gut drauf. Wir parkten den Bus direkt am Strand, ohne was zu bezahlen - Wildcampen gehört zu einer Spontan-Reise dazu! Leider ging uns am 2. Tag schon der Bus ein und wir mussten zum ERSTEN Mal in die Werkstatt. Doch wir hatten Glück: Die Männer dort waren so lieb und reparierten unseren Bully gegen einen Kaffee. ;)

Zwei Mädchen die sich spontan in ihrem VW-Bus aufmachen in Richtung Atlatnik, ohne etwas zu planen.
Nadja & Julia erleben viele Abenteuer. (c) Nadja Kupsa

Romantisches Biarritz
Zwei Tage Hossegor und eine Bus-Reparatur später, ging es weiter nach Biarritz zum Frauensurf-Wettbewerb Roxy Pro. Hier starteten die besten Surferinnen der Welt und alles stand unter dem Motto "GIRLS". Pink, Pink, Pink überall. Die Stadt Biarritz bietet den perfekten Mix aus Strand-Urlaubsfeeling und Stadtleben. Mit unseren Longboards kamen wir schnell von A nach B, oder wir fuhren mit dem Bully zum nächsten Strand. Es fühlte sich herrlich an so ungebunden zu sein - einfach mit der Laune zu reisen! Natürlich lernten wir beiden Mädls in diesem großen, schwarzen Bus sehr schnell neue Leute kennen. Einer davon war Philipp aus Frankfurt (auch Bullyfahrer, klar). Er erzählte von einem Surffilm-Festival in San Anglet, nur 10 Minuten vom Stadtzentrum von Biarritz entfernt. Natürlich waren wir zwei spontanen Hühner gleich begeistert und folgten seinem Angebot.

Kino am Atlantik
Das Festivalgelände befand sich direkt neben dem Wasser! Wir waren wirklich im Paradies gelandet, denn auch hier konnten wir wie immer direkt neben dem Strand wildcampen und um Mitternacht gab es dann noch ein wunderschönes Feuerwerk. Surfen, abends am Strand bei einer Flasche Wein, Baguette und Brie sitzen, Filme schauen und direkt am Strand im Bus schlafen. Und das Beste war: Wir hatten bis zu diesem Zeitpunkt noch kein Geld gebraucht - denn wir lebten, von dem was uns der Zufall gab . Der Zufall jedoch, brachte uns auch eine zweite Bus-Panne. Wir bereuten ein wenig, dass wir uns vorab nicht die Zeit nahmen, um unser Gefährt durchchecken zu lassen. Gott sei Dank war es für uns Mädls ziemlich einfach, immer schnell Hilfe zu finden und so machte uns ein netter Australier den Bus wieder flott.

Auf nach Spanien
Nach 5 Tagen Frankreich ging es dann weiter Richtung San Sebastian in Spanien. Ohne Navi, einfach immer die Küste entlang erreichten wir nach ca. einer Stunde Autofahrt die rustikal romantische Stadt. Jeder, der schon einmal in San Sebastian war, riet uns: „Schaut euch diese Stadt an, hier will ich irgendwann mal leben“. Klar, umso neugieriger und mit noch höheren Erwartungen kamen wir in der ca. 190.000-Einwohner-Stadt im Baskenland an. Und schon wieder: Direkt neben unserem Parkplatz fand zufällig ein Surfcontest statt. Einfach nichts planen und die Events fliegen einem von selbst zu. Nach einer Runde mit den Longboards in der Innenstadt von San Sebastian kehrten wir zum Bus zurück und feierten mit den Einheimischen die Party nach dem Wettkampf mit frischem Fisch und spanischem Bier.
In San Sebastian spürt man an jeder Ecke das spanische Flair und der schöne Ozean ist sehr präsent.

Into the Wild
Bald wollten wir weiter mit unserem Bus, den wir mittlerweile sehr gemütlich eingerichtet hatten. Je weiter man ins Baskenland eintaucht, desto wilder und schroffer wird alles: die Natur, die Gebäude, das Meer. In Zarautz quartieren wir uns dann zum ersten Mal in einem Campingplatz ein, da wir nun doch Lust auf eine warme Dusche hatten. ZU unserer Freude lernten wir hier eine Gruppe von Surfern kennen, die auch mit dem Bus unterwegs waren. Wir verbrachten die nächsten Tage miteinander und einige von ihnen wurden richtig gute Freunde.

Adios unbeschwertes Leben
Schweren Herzens mussten wir nach 14 Tagen Paradies unsere Rückreise antreten. Kaum fuhren wir los, vermissten wir die Weiten des Ozeans, die freundlichen Gesichter, den Wind und den Sand. Wir machen einen kurzen Abstecher nach Bordeaux. Wunderschön – wie Paris – und wirklich sehenswert!!

Fazit:
Wenn ihr von Österreich Richtung Ozean fahrt, nehmt die Route über den Norden in Strassburg. Wir haben uns durch die wegfallende Mautgebühr ca. 250 Euro erspart! Außerdem führen euch die Straßen durch unzählige bunte Dörfer, weite Sonnenblumenfelder und ihr trefft Einheimische (das Wichtigste überhaupt!). Die Wellen um die Zeit im Juli lassen zu wünschen übrig, aber das wurde uns schon vor der Reise prophezeit. Dafür gibt es in dem Zeitraum ein riesen Angebot an Festivals und Contests, irgendwo ist immer was los. Wild campen ist in Frankreich und in Spanien durchaus möglich. Einfach immer freundlich sein und öfters umparken, wenn euch die Polizei ermahnt. Und als Mädchengruppe hat man einen klaren Bonus, den man scharmlos ausnutzen sollte. ;) Das Leben im VW-Bus ist abenteuerlich, man fühlt sich frei, unabhängig – spürt keine Grenzen. Die Leute in der Gegend sind superfreundlich und hilfsbereit, einfach jeden anquatschen und fragen, ausprobieren, machen! Empfehlung jedoch: Lasst euer Gefährt wirklich vor der Abfahrt ordentlich durchchecken, so erspart ihr euch Zeit und Stress!

Wer sich Appetit holen möchte, kann sich hier noch den Trailer der Europäischen Surfdokumentation The Old, the Young & the Sea ansehen.

Thema: Reise