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Survival Guide für den Kinderspielplatz

Dein Kind greift in die Snackbox von anderen? Es will sein Spielzeug nicht teilen? Eine fremde Mama tadelt deinen Schatz? Wie du in diesen Situationen am besten reagierst, erklären zwei Expertinnen.

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Survival Guide für den Kinderspielplatz
© iStock

Zwicken, beißen, einander die Rutsche runterschubsen oder mit Sand bewerfen: Wenn sich eine Horde spaßbesessener Kids am Spielplatz trifft, geht’s oft wild her. Wer hat den größten Bagger? Wer rutscht am schnellsten? Wer schaukelt am höchsten? Wenn Mamis und Papis nicht gerade als Schaukelgehilfe oder Snack-Automat gebraucht werden, stehen sie meist nur rum und beobachten das anarchische Remmidemmi mit gemischten Gefühlen.

Aber: Wann soll man eingreifen? Und wann ist es besser, das Kind einfach machen zu lassen? Wir haben uns mit zwei Expertinnen unterhalten, die für jede noch so verzwickte Eskalationsstufe am Spielplatz easy umsetzbare Tipps parat haben. Christina Tropper bloggt auf einerschreitimmer.com über ihren chaotischen Alltag mit ihren Zwillingen. Und sie weiß eines: "Kinder sind das Schönste auf der Welt. Besonders wenn sie endlich schlafen". Auch Familiencoach Linda Syllaba hat zwei Söhne und berät andere Eltern in Erziehungsfragen. Sie hat dazu gerade ein Buch veröffentlicht: "Selfcare für Mamas – Geht's dir gut, geht's deinem Kind gut. Das etwas andere Erziehungsbuch" (Julius Beltz, € 19,95). Na dann, Matschhose anziehen, Snacks einstecken, wir gehen jetzt zum Spielplatz.

Was mache ich, wenn…

... mein Kind anderen weh tut?

"Ruhig bleiben. Kinder verteidigen sich archaisch, wenn ihnen jemand blöd kommt. Genau schauen, was los ist, und das Jüngste zuerst befragen. Gut zuhören, ohne zu werten und zu interpretieren", empfiehlt Syllaba. Es hilft auch, zu wiederholen, was man gesehen und gehört hat, damit sich der kleine Terminator mit seinen Emotionen wahrgenommen fühlt: "Ich kann sehen, dass du wütend bist. Du wolltest auch mit der Schaufel spielen. Auch wenn du sauer bist, du darfst nicht schlagen." Zweifachmama Tropper sieht Gewalt ebenso als klares No-Go: "Sobald es um Handgreiflichkeiten geht, ist Schluss mit lustig. Als Elternteil musst du eingreifen und eine Lösung finden."

... es Zoff gibt, weil ein KInd sein Spielzeug nicht teilen will?

"Wem würdest du freiwillig dein neues Auto fürs Wochenende leihen? Wenn es nichts teilen will, ist das okay", meint Tropper. Eltern können hier einlenken mit: "Was möchtest du deinem Freund gern zum Spielen borgen? Vielleicht wollt ihr ja etwas zusammen spielen?" Syllaba fügt hinzu: "Konfliktlösung bedeutet immer, sich auf Menschen – egal ob Kind oder Erwachsener – und ihre Interessen einzulassen."

... auf einmal nackt auszieht?

"Unbedingt Grenzen kommunizieren, wenn du nicht willst, dass dein Dreikäsehoch nackt herumturnt. Eine mögliche Ansage wäre: 'Ich möchte, dass die Unterhose anbleibt'", schlägt Syllaba vor. Aber natürlich kommt’s auf die Umstände an. Im Sommer im eigenen Garten blankziehen ist natürlich komplett etwas anderes, als sich am städtischen Spielplatz oder sonst wo in der Öffentlichkeit zu enthüllen.

... das Spielzeug eines anderen Kids kaputtgemacht wurde?

"Kommt drauf an. War es ein lautes, mit Batterie betriebenes Ding? Dann werden alle Erwachsenen glücklich über den Verlust sein", scherzt Zwillingsmama Tropper aus eigener Erfahrung. Ansonsten gilt wohl eher, sich mit dem anderen Elternteil auf eine Reparatur zu einigen. "Kinder leben im Jetzt und agieren aus Impulsen heraus. Es gibt immer einen Grund für ihr Handeln. Sie machen alles, was sie tun, für sich und nicht gegen uns", versucht Syllaba die Hau-drauf-Mentalität zu erklären. "Zivilisiertes Verhalten ist nun mal nicht angeboren, und es dauert meist ein paar Jahre, bis Kinder vollständig integriert haben, sich weniger anarchisch zu verhalten. Das sollten wir nie aus dem Auge verlieren. Wir mussten da auch durch", sagt sie.

... eine andere Mama meinen Schatz anmault?

Tropper sieht das relativ entspannt. Schließlich heißt es ja: Man braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen. "Aber natürlich kommt es auf den Grund und die Mutter an." Wenn die anderen Eltern in persönlicher Ich-Sprache ihre Grenzen aufzeigen, so ist das etwas, das auch Syllabas Meinung nach erlaubt sein muss – auch anderen Kids gegenüber. Mit ein paar Ausnahmen, findet Syllaba: "Wird abgewertet, erniedrigt oder beschimpft, dann würde ich einschreiten und es verbieten. Menschen geraten immer wieder aneinander und müssen deutlichmachen, was ihnen wichtig ist. Konflikte per se sind nichts Schlimmes. Es kommt drauf an, wie man sie austrägt."

... mein Kind von seinen Spielbuddys ungerecht behandelt wi

"Geht gar nicht", findet Tropper. "Kann das Kind die Situation allein lösen? Gut. Falls nicht, unbedingt eingreifen!" Das sieht auch Kollegin Syllaba ähnlich: "Solange du es aushältst und keine Gefahr in Verzug ist, lass sie selber lernen, Konflikte auszutragen und zu regeln." Wenn es brenzlig wird, schnell eine räumliche Trennung der Konfliktparteien schaffen und immer in "Ich-Sprache" reden, auch zu den anderen. Darauf kommt’s an: "Bleibe bei deinen Aussagen bei dir und authentisch. Erwachsene, die eine Rolle spielen, machen auf Kinder wenig Eindruck."

... es andere meidet?

"Dein Kind muss keine Rampensau sein. Es ist, wer es ist. Manches bleibt so, manches verändert sich", weiß Elterncoach Syllaba. Je einfühlsamer wir damit umgehen, umso eher fühlen sich unsere Kleinen angenommen. So können sie Ängste abbauen und bei Bedarf stärker auftreten. Es ist ganz einfach: Sicherheit gewinnen Kinder dadurch, dass wir ihnen Sicherheit gewähren – emotional, körperlich und mental, sagt Syllaba. Auch Tropper betont, dass kleine Menschen in ihrem eigenen Tempo die Welt erkunden. Wir können sie zwar zur Kommunikation ermutigen, aber wenn sie mit anderen nicht spielen wollen, ist das auch okay. "Schließlich willst du ja auch nicht mit jeder Person, die du zufällig kennst, einen Nachmittagskaffee trinken, oder?"

... es ungeniert in eine fremde Snackbox greift?

"Mahlzeit. Wie heißt es so schön? Beim Wirt schmeckt’s am besten!", lacht Blogger-Mum Christina Tropper. Man kann ja einfach mal die Jause teilen, schlägt sie vor. Natürlich nur, wenn alle damit einverstanden sind. Auch die Mamas müssen sich dabei wohlfühlen. Syllabas Tipp: "Wenn es dich stört, dann sag wieder in Ich-Sprache: 'Du, ich mag das nicht. Wenn du aus einer fremden Jausenbox etwas haben willst, frag bitte vorher, ob du darfst.'"

... es ewig schaukeln will, andere Kinder aber schon warten?

"Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Wenn ein Kind gerade im Flow ist und dabei die Welt um sich vergisst: Warum soll es nicht auf der Schaukel bleiben, bis es keine Lust mehr hat?", fragt sich Christina Tropper. Klingt simpel. Aber in der Realität ist es doch meist so, dass man als Mutter eines "Extremschauklers" schon nach 20 Minuten von so vielen sehnsüchtigen Kinderaugen fixiert wird, dass man irgendwann mal aus Mitleid stoppen muss. Was tun? Syllaba hat hier Kommunikationsstrategien parat. Zum Beispiel: "Du, jetzt wird es Zeit, auch andere schaukeln zu lassen. Ich schubse dich noch fünf Mal an, und dann gehen wir weiter." Solche Ansagen können Frust auslösen. "Es ist nun mal hart, wenn man nicht bekommt, was man will", erklärt die Elterncoachin. "Da müssen Gefühle gemanagt werden, das dauert, doch am Ende ist Ruhe. Die Heranwachsenden lernen durch das Durchlaufen solcher Prozesse, Frustrationstoleranz auszubilden, was enorm wichtig ist für ihre soziale Kompetenz im Umgang mit der Welt."

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