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Sylvie Klien im exklusiven WOMAN-Talk über miese Kerle, Beziehungen & Co.

Knapp zwei Jahre nach ihrer Scheidung blickt Sylvie Klien ohne Groll zurück. Nach 28 Jahren Ehe mit einem der Topmanager Österreichs, lebt sie ein Leben in dem sie sich rundum wohlfühlt. Als finaler Countdown steht der Umzug in die City bevor. „Ich habe abgeschlossen und konzentriere mich auf das, was kommt. Was vorbei ist, ist vorbei – und 25 fast perfekte Ehejahre sind mehr als die meisten Paare vorzuweisen haben. Jetzt in Groll und Selbstmitleid zu versinken bringt niemanden etwas, schon gar nicht mir. Um zu neuen Ufern zukommen, muss man die alten verlassen. Ich bin gut unterwegs, auch wenn’s manchmal ein bisschen stürmisch ist und die Crew noch nicht ganz perfekt. Es läuft alles viel besser als ich es mir erwartet habe!“


Sylvie Klien im exklusiven WOMAN-Talk über miese Kerle, Beziehungen & Co.
© Ernst Kainerstorfer

WOMAN: Frau Klien, ich habe Sie vor kurzem bei der „Klitschko“-Filmpremiere gesehen. Ganz gebannt schauten Sie zu, wie sich die russischen Boxerbrüder mit Rivalen blutig schlugen. Mögen Sie es, wenn sich Männer gegenseitig in die Gosch’n hauen?

Klien: (lacht) Nein, aber ich bin ein echter Kinofreak und nachdem ich noch nie einen Boxkampf gesehen habe, war das ein Erlebnis! Ich war mit Julia, der Freundin meines Sohnes dort. Sie wohnt zurzeit bei mir, weil sie gerade ihr Diplom in der Lauder Business School macht. Der Box-Film war mir jedenfalls nicht zu brutal, im Gegenteil: Ich mag den Nervenkitzel, und wenn’s grausig wird. Auch Hitchcock-und Tarantinothriller, wo man an die tiefen Abgründe der Seele geführt wird, sind super! Früher flog ich mit meinem Sohn zu Halloween oft nach New York. Wir tranken Budweiser alkoholfrei, aßen Chips und sahen Freddy Kruger und zogen uns bei den ganz argen Szenen immer die Decke über den Kopf! Und so wie auf dem Celluloid ist es auch im Leben: Die Bösen sind immer als scheinbar Gute getarnt, die einem nichts anhaben können. Schauen Sie sich nur die Meidlinger Eisbaronin an. Die Psychopathen sind immer lieb und freundlich.

WOMAN: Wie findet man heraus, ob einer ein mieser Kerl ist?

Klien: Ich denke „flunkern“ ist wohl in jeder Beziehung gestattet – und manchmal wird das Zusammenleben dadurch auch viel angenehmer und erträglicher. Ehrlichkeit um jeden Preis hat auch ein sehr dunkle Seite. Ich ziehe es jedenfalls vor zu schweigen bevor ich jemanden beleidige – und man kann ja auch schweigend sehr viel sagen. Und man erkennt viele Unwahrheitenviel früher mit dem Bauch – nur bis es auch im Gehirn ankommt , das dauert mitunter ziemlich lange. Ich habe jedenfalls lange gebraucht, um mir selbsteinzugestehen, dass ich mein Leben ändern muss um wieder glücklich zu sein und einen Schlußstrich gezogen. Das Leben dauert zwar lange, aber es ist trotzdem zu kurz für Kompromisse. Man sollte die Chancen wahrnehmen so lange man noch welche hat. Hätte ich noch zehn Jahre gewartet und auf ein Wunder gehofft, dann könnt ich vielleicht nur mehr den Grabstein putzen gehen!“

WOMAN: Warum gehen so viele Beziehungen in die Brüche?

Klien: Weil wir zu lange leben und es nicht verkraften können, alle Möglichkeiten, die sich uns bieten, nur mit einem Partner auszuleben. Früher hatten Frauen den Anstand im Kindbett zu sterben und dem Mann den Weg für eine andere frei zu machen. Hören Sie mal beim Autofahren Radio: Da geht’s in allen Liedern immer nur um Liebe oder Trennung. Und je nachdem wie man selbst gerade emotional drauf ist, nimmt man das eine oder andere wahr und fühlt sich bestärkt. Ich finde es wahnsinnig, heutzutage einem Kind zu vermitteln, dass Beziehungen von Dauer sind. Drei Jahre sind mittlerweile schon viel! Und wenn was Neues kommt, wird das Alte entsorgt: Das gilt für Waschmaschinen und Fernseher genauso wie für Menschen! Diese Wegwerfgesellschaft betrifft inzwischen alle Facetten unseres Lebens.

WOMAN: Vollinhaltlich richtig, aber das klingt schon sehr abgebrüht und traurig!

Klien: ch bin nur realistisch genug, um mich keinen Illusionen hinzugeben. Ich bin auch nicht wütend oder hege gegen jemanden Hassgefühle, denn Hass richtet sich letztendlich immer gegen sich selbst. Das gilt auch für neue Beziehungen. Es ist sehr schwierig nach einer für lange Zeit glücklichen und harmonischen Partnerschaft einen Menschen zu finden, der einen so akzeptiert wie man ist. Das beruht natürlich auf Gegenseitigkeit – und wenn man nach einigen Versuchen auf keinen Konsens kommt, nicht fähig zu Kompromissen ist, dann habe ich das zu akzeptieren, egal ob’s mir gefällt oder nicht. Da bin ich Kopfmensch und konsequent – auch wenn’s weh tut! Aber so war ich schon als Mädchen, aber da war’s einfach – ich hatte eine wunderschöne Kindheit.

WOMAN: In St.Pölten...

Klien: Trotzdem war’s schön! Und die Glanzstoff hab’ ich auch überlebt (lacht) . Ich bin ein Einzelkind, meine Mutter war Hausfrau und mein Vater Disponent. Wir Kinder waren immer nur rudelweise unterwegs und furchtbar schlimm. Zum Glück haben die Eltern davon nichts mitbekommen. So haben wir zum Beispiel Fallschirmspringer gespielt und sind mit Regenschirmen aus dem ersten Stock gesprungen. Nix ist passiert! Das Schönste für mich war der Sonntag: da hat mir mein Vater selbst erdachte Märchen erzählt. Vielleicht bin ich deshalb später Journalistin geworden.

WOMAN: Ihren Exmann lernten Sie dann an der Uni Wien kennen…

Klien: Ja, er war ein lustiger netter Student und es war von beiden Seiten Liebe auf den ersten Blick. Wir waren beide ziemlich hübsch und passten super zusammen. Ich wusste sofort: Er ist ein Mann mit Zug zum Tor und wenige Jahre später war er ja tatsächlich jüngster Generaldirektor in Österreich. 25 Jahre waren wir wirklich ein Traumteam, weil wir beide kreativ waren und uns austauschen konnten. Als unser Sohn geboren wurde, arbeitete ich nur mehr als Freelancer, weil Familie mir immer wichtiger war als Karriere. Bis mein Mann auf der Karriereleiter ganz oben war. Dann gab’s auf einmal derartig viele gesellschaftlichen Verpflichtungen – Konzerte, Oper, Theater, Dinnerparties. Wir selbst haben auch mehrmals im Monat Geschäftsfreunde zum Essen in unser Haus eingeladen. Die ersten Jahre hab’ ich noch selbst gekocht. Bis zu acht Gänge für zwölf Personen. Später haben wie uns dann allerdings einen Koch gemietet und ich hab’ mich aufs Tischdekorieren gestürzt. Darin bin ich wirklich ein Profi!

WOMAN: In der Regel sind Zusammenkünfte mit anderen hochrangigen Persönlichkeiten und deren Partnern geschäftliche Zweckbeziehungen. Wie verhielten sich diese Paare nach Ihrer Scheidung? Ließen sie Sie fallen, weil Sie als Exfrau nicht mehr interessant sind?

Klien: Sagen wir es neutral: Solche Lebenskrisen haben etwas Positives: Man muss nie mehr nachdenken, wer seine Freunde sind. Alldiejenige, von denen ich gehofft habe, dass sie mir bleiben, sind für mich da! Wenn du auf der Sonnenseite stehst kannst du dich nie erretten von Leuten, die einen Schatten werfen, aber wenn irgendwas passiert und es sind immer noch genug da, die dir den Schirm über den Kopf halten, dann ist das sehr viel wert!

WOMAN: Und wie gestalten sie ihr neues Leben?

Klien: Ich schreibe wieder für ein Life-Style-Magazin, lese, golfe und verreise immer wieder für ein paar Tage. Oder ich verabrede mich. Gerade war ich mit einem lieben Freund Frühstücken. Er spürt immer, wenn er sich melden soll. Aber ich habe auch kein Problem Männer anzurufen, Ich bin ja schließlich erwachsen!

WOMAN: Sind Sie zur Zeit verliebt?

Klien: Ich glaube, das wird nicht so schnell passieren. Männer in meinem Alter sind schon so kompliziert und einen Jüngeren kann ich mir nicht vorstellen. Ich bin doch ka Kinderverzahrerin! (lacht) Aber wenn einer gut ausschaut, intelligent ist, Humor hat und mir auf Augenhöhe begegnen kann,kann’s schnell passieren. Und dann werde ich in die Küche gehen, wo ein Spruch hängt, den ich mir Zeit meines Lebens vorsage: „Herr, gib mir die Kraft, die Dinge zu ändern, die zu ändern sind. Die Gelassenheit, die Dinge zu akzeptieren, die nicht zu ändern sind. Und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterschieden...“

Interview: Petra Klikovits