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Tanzen und Küssen für neuen Polit-Stil: So kämpfen die Obamas für "normales" Leben

Sie sind im Moment die öffentlichste Familie der Welt. Intensiver beobachtet als die Pitt-Jolies, öfter fotografiert als die Hiltons, unter stärkerem öffentlichen Fokus als die Promis, die sonst das Societytreiben bestimmen. Und sie haben einen Vorsatz: Sie wollen trotz aller äußerer Umstände bestmöglich ihr "normales" Leben weiterleben.


Tanzen und Küssen für neuen Polit-Stil: So kämpfen die Obamas für "normales" Leben
© APA/EPA/Wilson

Eine der brennendsten Fragen zum Start der Amtszeit des neuen US-Präsidenten betrifft nicht hohe Politik, sondern das praktische Privatleben. Beobachter treibt um, was wohl aus Barack und Michelle Obamas gewohntem freitäglichen Ausgeh-Abend wird. Es ist gar nicht so einfach, aus der "Blase" strenger Bewachung und komplizierter Logistik zu entwischen, die das Weiße Haus umgibt.

Eine (fast) normale Familie
Die Obamas wiederum sind fest entschlossen: Sie wollen weiterhin ausgehen, sich weiterhin amüsieren, nicht auf Tanzen, Kino, Konzerte und Theater verzichten. Ein verständlicher, ja überaus sympathischer Vorsatz, den die Obamas da haben. Allerdings sind wir ja auch nicht verantwortlich für die Sicherheit des neuen Präsidenten der USA und seiner Familie.

Die Unternehmungslust der "First Family" stellt den Securitys ungeahnte Aufgaben. Denn seit ihrer Ankunft in Washington Anfang Jänner sind die Obamas viel unterwegs gewesen: Mutter und Töchter sahen sich am letzten Ferientag im Kino die Komödie "Bedtime Stories" an. Michelles Geburtstag feierte das Ehepaar mit Freunden im Restaurant Equinox vor. Die ganze Familie ging auch auf Touristentour und besichtigte am Abend das Lincoln Memorial. "Gewöhnlich gehen wir freitagabends aus", erzählte Obama einmal in einem Interview. Sie wollten auch weiterhin versuchen, ab und zu ein Restaurant zu besuchen oder Gäste einzuladen. Doch das war vor seinem Amtsantritt...

Präsidenten leben einsam
"Die meisten Präsidenten sind zu Beginn ihrer Amtszeit fest entschlossen, sich nicht isolieren zu lassen, nicht in der Blase zu ersticken", weiß Joe Lockhart, früher Pressereferent bei Bill Clinton. "Mit der Zeit aber kommen sie alle nicht so oft aus der Blase raus, wie sie gern wollen." So pflegte Clinton anfangs in der Öffentlichkeit joggen zu gehen, "um Menschen zu sehen und mit dem normalen Bürger auf der Straße zu reden", erinnert er sich. "Zum Schluss stieg er aufs Laufband, weil das sonst ein logistischer Alptraum für hunderte Leute war."

Causa Blackberry
Dass Obama sich des Problems bewusst ist, zeigt sein erfolgreicher Kampf um seinen Blackberry, mit dem er nun wenigstens mit einem kleinen Kreis von Freunden und Vertrauten in Verbindung bleiben kann. Als Sicherheitsrisiko wurde dieser eingestuft und Obama sollte ihn eigentlich abgeben. Vor dem Amtsantritt kostete Obama seine letzten Tage in relativer Freiheit noch einmal richtig aus. Kreuz und quer zog er durch die Hauptstadt. So tauchte er bei einer Party in Bobby Vans Steakhaus auf, spielte in einem Freizeitzentrum mit Freunden Basketball und vertilgte in Ben's Chili Bowl eine scharfe Räucherwurst.

Noch ist Obama ein Präsident zum Anfassen. Einer, der seine Frau öffentlich küsst, der die Liebe zu seinen Kindern zeigt. Einer, der bei Konzerten abrockt, zu seiner Taktschwäche steht und trotzdem keine Tanzfläche meidet. Michelle und Barack versuchen zu zeigen, dass es auch anders geht. Persönlicher, offener, gefühlvoller. Nur die Zeit wird zeigen, ob dieser Stil aufrecht zu erhalten ist. Bisher sind die Obamas auf einem guten Weg - und schwingen demonstrativ ihr Tanzbein.

(apa/Susanne Jelinek)