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Teilzeit: Falle oder Chance?

Streitpunkt Teilzeit: Perfekte Lösung oder Stolperstein auf der Karriereleiter? Nicht jede Frau kann frei wählen. Die Vor- und Nachteile von Teilzeitjobs.


Teilzeit: Falle oder Chance?
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In 20 Jahren wird Teilzeitarbeit zwischen den Eltern aufgeteilt sein, es wird gute, leistbare und flexible Kinderbetreuungseinrichtungen in ganz Österreich geben, und halbe-halbe ist keine politische Forderung mehr, sondern selbstverständlich“, zeichnet Doris Kalod-Rauscher, Arbeits- und Sozialrechtsexpertin bei der Arbeiterkammer Niederösterreich, ein euphorisches Zukunftsbild. Und ergänzt: "Die Kinderbetreuung wird aufgrund derselben Einkommen zwischen Frauen und Männern nicht mehr nur ein weiblich besetztes Thema sein.“

44 Prozent der Frauen sind in Teilzeitjobs

Also alles anders als jetzt: Denn aktuell sind 44 Prozent der Frauen in Teilzeitjobs, allerdings nur neun Prozent der Männer. Für 43 Prozent ist diese Beschäftigungsvariante nur eine Übergangslösung, für 12 Prozent gar nur Notlösung. Hauptgrund für die Entscheidung, kürzer zu arbeiten: die Herausforderung mit der Kinderbetreuung . Laut aktuellem Barometer des Frauenministeriums finden 54 Prozent einen Vollzeitjob damit unvereinbar. Wir listen die Vor- und Nachteile von Teilzeitjobs:

Vorteile von Teilzeitsjobs

• Kind und Job sind besser vereinbar (das Gesetz lässt hier viele Varianten, auch in Abwechslung mit dem Partner, zu).

• Wiedereinstieg nach Kinderbetreuungszeiten wird erleichtert.

• Die berufliche Routine bleibt aufrecht.

• Soziale Eingliederung in Betrieb besteht weiterhin.

• "Übrige“ Freizeit kann für Aus- und Weiterbildung genutzt werden.

• Höherer Nettostundenlohn, weil bei niedrigerem Gehalt weniger Steuer & Sozialversicherung zu bezahlen ist.

• Es gibt relativ viele - wenn auch gering qualifizierte - Jobangebote für Teilzeit.

• Sozialversicherungszeiten für die Pension und Arbeitslosenversicherung können erworben werden.

Die Nachteile von Teilzeitjobs

• Von Teilzeitarbeit kann "Frau“ selten selbständig leben. Gerade Alleinerzieherinnen jobben in mehr als einer gleichzeitig (Problem mit Anreise, Zeitmanagement, Urlaub etc.).

• Teilzeit ist sozial wenig angesehen, weil es wenig qualifizierte Teilzeitjobs gibt.

• Die niedrigeren Sozialversicherungsbeiträge bedingen niedrigere Pensionen, vor allem bei langer Teilzeitbeschäftigung.

• Bei geringer Stundenanzahl (Geringfügigkeit) ist keine Sozialversicherung abzuführen, es gibt also auch keine soziale Absicherung.

• Durch Teilzeit verliert "Frau“ oft den sozialen Kontakt zum Betrieb & den Kollegen, da keine Zeit für Kommunikation & Netzwerken bleibt.

• Karriere bleibt stecken, weil wenige Unternehmen teilzeitbeschäftigte Führungskräfte anstellen.

• Es bleibt oft nicht bei der vereinbarten Stundenanzahl.

• Teilzeitkräfte arbeiten dicht und haben kaum Pausen.

• Sie werden in der Praxis "flexibel“ eingesetzt, an Feiertagen, zu Randarbeitszeiten, zur Spitzenabdeckung.