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Telefonsex mit 64

Nett plaudern, geduldig zuhören, lustvoll stöhnen und dirty talken: Das alles gehört zum Job von Ulrike, 64, die seit acht Jahren bei einer Erotikhotline arbeitet.


Telefonsex mit 64
© Rudi Froese

Erregt stöhnt sie ins Telefon, stößt dazwischen spitze Lustschreie aus, während sie vorm Bügelbrett steht und Wäsche macht: So weit das gängige
Klischee von „Callgirls“, die via Telefon liebestolle Männer zum Höhepunkt bringen. Doch wie sieht die Realität aus? Welche Frauen verbergen sich hinter diesen Nummern? Und wie geht es ihnen bei diesem Job?

Sex auf Draht

Bei der Suche nach einer Interviewpartnerin sondieren wir Inserate und erhalten vorerst nur Absagen – zu groß ist die Angst, dass Freunde und Familie von dem geheim gehaltenen Nebenverdienst erfahren. Fündig werden wir dann bei einer Frau, die wir nicht in diesem Umfeld gesucht hätten: Ulrike M.*, 64, erklärt sich bereit, uns ihren Arbeitstag zu zeigen.

Wir besuchen sie mittags in Wien. Eine freundliche, etwas füllige alte Dame bittet uns herein. Ihre Kleidung, die Einrichtung - alles eher schlicht und altmodisch, überall Nippesfiguren und selbst gemachte Häkeldecken. Hier findet also Dirty Talking statt...

Dirty Talking in mehreren Rollen

Ulrike tritt, wie viele andere der lüstern plaudernden Hotline-Ladies, in mehreren Rollen auf. Mal ist sie die sanfte Mittvierzigerin, die reife 50-Jährige oder die Sex-Oma. „ Da bin ich so um die 60, 70 Jahre alt, je nachdem, wie die Anzeige lautet. Drunter bring ich’s nicht, dafür klingt meine Stimme einfach nicht jung genug. “ Verschiedene Namen hat sie sich auch zurechtgelegt. Eingesetzt und gewechselt werden sie nach Bedarf. Derzeit mag sie Adele, Claudia, Helga und Johanna.

Zum Telefonieren gekommen ist Ulrike vor mittlerweile acht Jahren. Damals verlor die gebürtige Steirerin ihren Job und stieß auf der Suche nach einer neuen Einkommensquelle auf jene Anzeigen, die telefonfreudige Frauen mit angenehmer Stimme suchten. „ Ich hab dort angerufen, mich vorgestellt und einen Vertrag zugeschickt bekommen. Dann erhält man eine Nummer, mit der man sich ab sofort ins System einloggen kann. “ Erreichbar ist die 64-Jährige seitdem über eine Mehrwertnummer, beginnend mit 0930 oder 0931, die kostenpflichtig ist. Und den Anrufer ein bis zwei Euro pro Minute kostet.

Das gesamte Porträt findet ihr im neuen WOMAN 01/2013!

*Name von der Redaktion geändert

Redaktion: Petra Mühr