Ressort
Du befindest dich hier:

ParisAttacks: Ihr Freund starb im Bataclan

Ein Bild wird zum Symbol für die Sinnlosigkeit des Terrors: Polina Buckley krümmt sich vor Schmerz und Trauer über den Tod ihres Freundes im Pariser Bataclan.


ParisAttacks: Ihr Freund starb im Bataclan

Polina Buckley bei einer Mahnwache in New York

© Reuters/Carlo Allegri

Es sind die Einzelschicksale, die uns auf erschütternde Weise den Terror von Paris verdeutlichen, die uns auf grauenhafte Weise immer wieder in die Realität holen, dass es sich hierbei nicht um einen brutalen Hollywood-Knaller handelt, den man jederzeit abstellen kann.

Was in Paris geschah, diese Stunden des Horrors, das wird erst durch Berichte wie den der südafrikanischen Studentin Isobel greifbar, die den Terroranschlag auf das Bataclan nur knapp überlebte. Oder durch die Erzählungen der Hinterbliebenen, die ein Bild jener Menschen zeichnen, die ihr Leben hoffnungsfroh noch vor sich hatten und in nur vier Stunden voller Hass und Gleichgültigkeit niedergemetzelt wurden.

Wie jene Geschichte von Polina Buckley. Als die junge Frau von den Anschlägen in Paris erfährt, im TV sieht, dass die Konzerthalle Bataclan betroffen ist, erfasst sie kalte Panik. Ihr Freund Nick Alexander befindet sich dort, soviel weiß sie. Er arbeitet als Verkäufer am Fanartikel-Stand der Eagles of Death Metal , ist mit den Jungs auf Europa-Tournee.

Polina sitzt in New York, die Zeitverschiebung, sie hat seit Stunden nichts mehr von ihrem Liebsten gehört. Vor drei Jahren hat sie den 36-Jährigen kennengelernt, sie begegneten einander an der Ecke 15. Straße und Irving Plaza in New York zum ersten Mal: "Ich verliebte mich in dem Moment, als ich ihn zum ersten Mal sah," schreibt Polina in einem Eintrag auf Facebook.

Wo steckt er? Geht es ihm gut? Ist er geflohen, in einem Hotel, irgendwo bei Parisern untergekommen, die ihre Wohnungen auf Twitter via #PorteOuverte für all jene öffneten, die auf den Straßen herumirrten...?

Polina beginnt ihre Suche auf Twitter:

Bitte helft mir, meinen Freund Nick Alexander zu finden! schreibt Polina, ein panischer Appell, der die nächsten zwei Stunden voller Angst einläutet.

Noch ist nicht sicher, dass Nick zu den 87 Opfern zählt, die von den Terroristen in der Konzerthalle kaltblütig niedergemetzelt wurden. Doch Polina hat eine Ahnung... Sie postet auf Twitter ein Foto des Paares, verliebt und einander küssend.

»Du wirst immer die Liebe meines Lebens sein...«

Es vergehen weitere drei Stunden, dann erfährt Polina jene grausame Wahrheit, die sie bis dahin nicht zulassen wollte. Ihr Freund wurde im Bataclan erschossen. Eine ehemalige Lebensgefährtin Alexanders war in seiner Nähe, wurde Zeugin seiner Hinrichtung.

Für Polina bricht eine Welt zusammen. Doch es vergeht eine Weile, bis die Ratio eines Menschen wirklich erfassen kann, wenn etwas Grauenhaftes, etwas Traumatisches geschehen ist. Es braucht wesentlich länger, bis die emotionale Akzeptanz einsetzt. Noch handelt Polina relativ gefasst, sie schickt ein Bild via Kurznachrichtendienst Twitter in die Welt, ein Foto, mit dem sie ihre große Liebe dokumentiert.

Doch am nächsten Tag schlägt die Trauer mit voller Wucht zu, reißt der jungen Frau die Füße unter dem Körper weg. Bei einer Mahnwache vor der französischen Botschaft in New York bricht Buckley zusammen, Freunde müssen sie halten, weil der Schmerz sie schier zu zerreißen droht.

Die Geschichte ihrer Liebe, das unendliche Leid – es ist ein Symbol für die sinnlose Zerstörungskraft des Terrors.

Thema: Report