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Von Versagen und Triumph: Detox-Saftkur im Test

5 Säfte am Tag, 3 Tage lang. Das Versprechen: Entgiftung und Schönheit. Wir haben eine Detox-Saftkur getestet. Eine Geschichte über Triumph ... und Versagen.


Von Versagen und Triumph: Detox-Saftkur im Test

Michaela, stv. WOMAN-CR: ab jetzt ein Vorbild, ehrlich

© WOMAN

Es klingt zu gut. Drei Tage lang ernährst du dich ausschließlich von kaltgepressten Gemüse- und Obstsäften, entlastest den Verdauungstrakt, schwemmst Giftstoffe aus. Danach: etwas weniger auf der Waage, eine reinere Haut, mehr Energie.

Wie wirkt eine Detox-Saftkur auf den Körper - zumal man diesen Kuren zuletzt immer wieder die Sinnhaftigkeit abgesprochen hat? Bewegt sich was? Ändert sich was? Und vor allem: Wie hart ist dieses "Fasten light"?

Die stellvertretenden WOMAN -Chefredakteurinnen Nana und Michaela machten den Selbst-Test.

Hintergrund: Da es sich bei den Damen um zwei ausnehmend faule Geschöpfe handelt, die ihre Tages-Säfte nicht selbst pressen und mixen wollen, bestellten sie der Einfachheit halber gleich eine fix fertige Cleanse-Kur bei Superfood-Spezialist Dean & David. Einmal das Einsteiger-Paket "Super Cleanse 1" um 108, 95 Euro – und die Kenner-Variante "Super Cleanse 2" für wohlfeile 116, 95 Euro. Die Kiste mit Säften für drei Tage wird wahlweise vormittags oder nachmittags geliefert.

Hier nun ihr Test-Bericht. Gleich vorweg: Es ist eine Geschichte voller Versagen - und eines kleinen Triumphs.

DETOX-SAFTKUR, TAG 1:

Die Säfte werden in die WOMAN-Redaktion geliefert

Bericht Michaela: Ohhhhh! Das Päckchen mit den Säften von Dean & David ist angekommen! Yummyumm, schaut alles sehr appetitlich aus! Ich wage mich übrigens schon an Cleanse-Stufe 2 (1 ist für Anfänger, 3 ist für Hardcore-Cleanser!), da das meine zweite Saftkur ist. Der Unterschied zur 1-er-Kur: es sind mehr grüne Säfte drin. Die erste Challenge: alle Fläschchen in den Büro-Kühlschrank schlichten (und so absichern, dass sie keiner klaut!). Als das geschafft ist, genehmige ich mir den ersten „FIRST“-Juice. Schmeckt zitronig und etwas scharf weil Pfeffer drin ist –macht tatsächlich wach und ich fühle mich schon total gesund ;-)

Als Vorbereitung für diese Saftkur habe ich übrigens schon eine Woche vorher keinen Kaffee mehr getrunken und starte mit einem heißen Zitronenwasser in den Tag. Deswegen hoffe ich auch, dass ich die – durchaus üblichen – Kopfschmerzen bei der Cleanse vielleicht umgehen kann …

Nana und ich cleansen während der Arbeit. Ich finde das sehr angenehm, erstens kann man das Leid teilen und zweitens ist man durch die Arbeit abgelenkt. Zuhause würde mich nur darauf konzentrieren, wäre ich irre vor lauter Essensversuchungen. Best of: drei Tage nicht überlegen was man frühstückt, kocht oder noch einkaufen muss. Love it!

Vormittags folgt Saft 2, der herrlich schmeckt. Auf jedem Fläschchen wird übrigens erklärt, was es Tolles für einen macht. Dieses ist gut fürs Bindegewebe. Juhu! Der Saft zu Mittag macht mich dagegen nicht so glücklich, da ist roter Paprika drin, den vertrage ich generell nicht. Nach ein paar Schlückchen beschließe ich, diesen Saft auszulassen. Stattdessen gibt’s Tee. Der Hunger ist noch nicht da. Alles fein, noch zwei köstliche Säfte am Nachmittag und Tag 1 ist fast rum...

Abends genieße ich noch meine Nutmilk, die ich mir, um das „Abendessen“ zu zelebrieren, in meinen liebsten Sieger-Champagnerbechern kredenze. Fazit: Ich bin zufrieden und nicht hungrig. Herrlich! Allerdings muss ich schon um 10 ins Bett, detoxen macht echt müde! Als Cleanse-Streber genehmige ich mir vorm Schlafen noch ein Basen-Bad zur Unterstützung. Jetzt aber: Gute Nacht!

Bericht Nana: Drei Tage lang nur Flüssignahrung. Ganz ehrlich: Warum mache ich den Blödsinn eigentlich? Michaela hat mich da reingeritten, die hat mir das schöngeredet. Tolle Haut. Entschlackter Magen. Ein neues Körpergefühl! Hab ich also JA gesagt, zu dieser Detox-Kur. Obwohl ich Ähnliches schon letztes Jahr versucht habe, mit üblem Effekt. Eine Kreuzallergie, Augenlider wie Wachteleier, Antihistaminikum für fünf Tage. Nun gut. Ein Leben on the edge, no risk, no fun.

Leider habe ich sofort nach der Zusage schon wieder verpeilt, wann wir eigentlich mit der Kur starten. Detox-Kur Tag 1: liebe Säfte, ihr müsst leider als erstes meine morgens geschlürften Tassen Kaffee mit Milch und Zucker besiegen. Saft 1 schmeckt zum Glück wirklich lecker, Ananas, Ingwer und Cayennepfeffer, da kann man sich drauf einigen.

Nana mit Saft 3. Gut fürs Bindegewebe, yippie

Die von Dean & David sind ganz schön clever. Auf jedem Flascherl die Info, wofür das Zeugs eigentlich taugt. Bindegewebe? Cellulite??? Zeigt mir die Frau, die den halben Liter Obstsaft nicht sofort gierig kippt.

Es geht weiter. Saft 3, Saft 4. Langsam zipft es mich an. Meine Kiemen wollen kauen. Ich rede mich in ausgemachten Grant. Heute ist ja alles noch okay. Aber Morgen und Übermorgen wieder nur Saft? Immer dieselbe Reihenfolge? Keine geschmackliche Neuerung? Pfuh.

Abends dann Versagen 1: die Nussmilch ist zwar köstlich, aber mein Körper verlangt ... nach den Ohren dieses Marzipan-Hasen. Dazu kommen noch fünf Scheiben Gouda. Fühle mich ein klein wenig als Versager, rede es mir aber noch schön, weil der restliche Tag ja total brav... äh. Ja. Ihr kennt das.

Ganz ehrlich: NIEMAND könnte widerstehen. Niemand.

DETOX SAFTKUR, TAG 2:

Bericht Nana: Ich bin ein Versager, ein Versager, ein absoluter Versager. War in der Früh mit meinem Freund und seinen Eltern frühstücken. Semmerl, Rührei, Würstel mit Speck ... es ging einfach nicht anders, schon aus Gründen der Höflichkeit. Rede mir die Sache aber schön, weil: dafür geht es jetzt richtig los! Echt. Ja. Echt jetzt.

Fakt ist: den Rest des Tages bin ich halbwegs diszipliniert. Allerdings sind die Säfte im Kühlschrank leicht gefroren. Ich rede mir das als Granita schön (wenigstens was zum Beißen!) und vermute Sabotage. Irgendjemand will partout nicht, dass ich schön werde.

Saft, gesund, aber gefroren

Halte durch. Am Abend Gespräch mit meinem Freund. Der findet die Kur ohnedies lächerlich. "Flüssignahrung ist keine Entlastung für den Magen. Der muss Festes verarbeiten können, genauso, wie Beine gehen müssen." Ich hasse es, wenn er schlauer ist als ich. Lese mir die Beschreibung auf Saft 5 nochmal durch: "...schützt die Haut vor freien Radikalen." Na bitte. Runter damit.

Bericht Michaela: Am zweiten Tag springe ich wirklich frisch aus dem Bett und fühle mich als wahre Detox-Queen. Jetzt erst Mal ein heißes Zitronenwasser und den ersten Saft. Mein Hals ist ein bisschen rau und die Säure brennt im Hals. Egal. Weiter geht’s!

Im Büro gibt’s dann den zweiten Saft. Die gute Neuigkeit am Etikett: „Der grüne Klassiker mit dem besonderen Etwas: Die alkalisierende Wirkung des Spinats neutralisiert Übersäuerung und schenkt Dir neue Energie. Die Gurke ist ein optimaler Feuchtigkeitsspender und sorgt mi Silicium, Kalium und Magnesium für ein gesundes Hautbild.“ Zack, schon bin ich wieder top-motiviert!

Der Nachmittag läuft unauffällig, abends bin ich mit zwei Freundinnen zu einem Shoppingevent verabredet, wo ich einem tollen Buffet trotze. Ich bin soooo willensstark! Daheim gibt’s noch eine Nutmilk. Detox-Queen over and out!

DETOX-SAFTKUR, TAG 3:

Bericht Nana: Ihr erlebt: eine Frau, die konsequent und diszipliniert an der Umsetzung ihrer Ziele arbeitet. Wenn ich denn ein Ziel hätte. Irgendwie habe ich es aus den Augen verloren. Gab es überhaupt jemals eines? Egal. Ich brauche in der Früh einfach meinen Tee mit Milch und Zucker, es ist wie eine Sucht, kalter Entzug: unmöglich.

Arbeitsbeginn mit einem 4-stündigen Sitzungsmarathon. Habe Saft 1 bei mir. Den mag ich, der gibt durch seine pfeffrige Würze tatsächlich Energie. Im WOMAN -Kühlschrank warten die Säfte 2 und 3. Würgs. Ich mag nimmer. Ich brauche feste Nahrung.

Over and out. Ich habe endgültig versagt. Mittags Erdäpfelsuppe, danach sind alle Dämme gebrochen. Ich gehe zum Supermarkt und hole:

Es sind die besten Schoko-Mint-Linsen meines Lebens. Und ihr glaubt gar nicht, wie schnell man eine Packung davon exen kann.

MEIN FAZIT: So eine Kur macht wahrscheinlich doch Sinn. Obwohl ich netto vermutlich nur einen Tag wirklich konsequent gesaftelt habe: ich habe prinzipiell weniger gegessen als sonst, die Säfte sind recht sättigend. Fühle mich also ein wenig leichter (auf die Waage wage ich mich trotzdem nicht). Und: ich habe ziemlich viel Energie, obwohl die letzten Arbeitstage lang waren. Für disziplinierte Charaktere als meinereiner ist die Dean & David -Saftkur also wirklich was. Für mich: hm. In Zukunft nur über einen kürzeren Zeitraum.

Und Prost.

Bericht Michaela: Okayyyyy, heute hab ich keine Lust mehr auf die Säfte! Ich hab zwar noch immer keinen Hunger, will aber einfach wieder richtiges Essen. Gestern habe ich schon von Laugenstangen phantasiert, ich überlege stark, mir eine zu gönnen. Aber täglich grüßt mein Murmeltier: zuerst Zitronenwasser, dann Saft 1.

Parole, Parole: DURCHHALTEN!

Im Büro maulen wir uns gegenseitig an. Wir wollen ESSEN!!!! Ich nehme mir vor noch durchzuhalten, aber abends kocht mein Eichhorn für mich. Ich denke die ganze Zeit dran. Zwischen den Säften kippe ich Tee in mich hinein, mein Kreislauf ist heute ein bisschen schwach. Naja, wird schon!

So, es ist schon spät und wir haben Schlussproduktion im Büro, ich brauche jetzt ein keines Laugengebäck. Office-Picknick! Trotzdem fühle ich mich natürlich irre willensstark ;-)

Irgendwann wird dann auch Michaela schwach

MEIN FAZIT: Die zweite Cleanse war auf jeden Fall einfacher als meine erste und die Säfte und die Nutmilk fand ich super. Abgenommen habe ich nichts, aber meine Haut ist viel besser (vor allem am Rücken!) und ich stehe morgens schneller und leichter auf. Mache ich garantiert wieder!

Themen: Detox, Ernährung