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WOMAN testet: Korsett im Alltag

Im Supermarkt, in der U-Bahn und im Büro - wie macht sich ein Mieder im täglichen Leben? Wir haben ein Modell von "Corset Story" getestet.

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Korsett
© Refat Mamutov/ iStock/ Thinkstock

Denkt man an die Wörter Mieder, Korsett oder Korsage, dann denkt man meist auch an zu eng geschnürte Damen am französischen Hofe, die zum Riechfläschchen greifen oder vielleicht an die Fetischecke. Aber damit tut man einem Klassiker der Dessouswelt wohl unrecht. Und daher haben wir ein Modell auf seine heutige Alltagstauglichkeit getestet.

Die Wahl fiel auf eine schlichte, schwarze Variante des Online-Anbieters Corset Story, spezialisiert auf den Verkauf von Burlesque, Steampunk und viktorianisch inspirierter Miederware. Der Shop von Maggie Yan und Chris Rawlings, wurde im Jahr 2008 als bescheidener eBay-Shop gegründet und hat sich mittlerweile in den Nr.1-Korsett-Anbieter der Welt verwandelt.

Für die Größe misst man zu Hause Taille, Brust- sowie Hüftumfang und erhält dann - dank einer bei jedem Modell im Online-Shop integrierten Tabelle - seine Korsettgröße. Und kurz darauf das schwarze Schnürwunder in einem Packerl vor die Haustüre.

Korsett Volumina

Der große Nachteil, wie immer beim online Bestellen: Ohne probieren, ist es nicht so einfach, die perfekte Form oder die perfekte Größe zu finden - vor allem kann Laien ein Fehler beim Messen passieren. Aber zum Glück hat ein Mieder ja eine gewissen Größenregulierung anhand der Bänder zum Weiter- oder Engerziehen automatisch eingebaut.

Nachdem das Korsett gebührend bewundert wurde, muss es natürlich auch angezogen werden: Für alleinlebende Singles UND Ungeübte könnte dies allerdings ein Problem darstellen. Die metallischen Knöpfe vorne sind schon ein bisserl ein Geduldsspiel, die Bänder am Rücken eine Wissenschaft für sich - und eben am Rücken. Mit hoher Wahrscheinlichkeit benötigt man also eine Anziehhilfe und da meine Zofe gerade Ausgang hat, musste der Göttergatte beherzt zugreifen. Nachdem ich ihn überzeugt habe, dass es ums Anziehen und nicht ums Ausziehen geht, verwandelt sich mein Körper in die klassische Sanduhr-Figur - natürlich nicht allzu fest zugezogen, ich will ja noch Luft bekommen und irgendwie den Tag überstehen. Erster Effekt: Ich muss mir selbst ständig ungläubig an die geschwungene Taille greifen.
Nur einen schönen Busen macht mein Modell leider nicht - aufgrund des flachen Mittelteils werden meine Brüste jeweils etwas nach außen zur Seite gedrückt. Die Passform ist also noch nicht ganz ideal, jedoch insgesamt ist das Korsett bequemer als gedacht.

Ein Vorteil, abgesehen davon, dass man sich doch ziemlich sexy fühlt, ist, dass man quasi eine Rückenlehne gleich mitgeliefert bekommt, man nimmt automatisch immer eine aufrechte Haltung ein und will man etwas aufheben, geht man automatisch rückenschonend in die Knie statt sich nur vorzubeugen. Insgesamt ist man sich seines Körpers über den Tag hinweg weitaus bewusster.

Der Grund dafür ist das darin enthaltene steife und stabile Gebilde - das mich aber gleichsam davon abhalten würde, die Korsage an heißen Sommertagen zu tragen, da man noch eine ordentliche Schicht unter der Kleidung versteckt. Und unter einem allzu dünnen Shirt ist das Korsett ebenso relativ deutlich zu erkennen.

Apropos, die Bewegungsfreiheit beim Anziehen ist dank meinem neuen Taillenformer ebenso etwas eingeschränkt, aber dennoch lande ich relativ problemlos in Hose sowie etwas weiterem Shirt. Hätte ich das Korsett vielleicht über das Shirt ziehen sollen?
Der erste Gang an dem Tag erfolgt zum Supermarkt, wo ich irgendwie das Gefühl hatte, dass die Leute mich verstärkt ansehen, genauso in den öffentlichen Verkehrsmitteln - Paranoia, sieht man die Korsage wirklich durchs Shirt durch oder einfach nur besseres Körperbewusstsein?

Den Rest des Tages verbringe ich wie üblich vor meinem Computer im Sitzen - ebenso bedeutend aufrechter als sonst. Die untere, ebenso feste Partie des Modells muss ich dafür leicht umbiegen und dies wird nach einigen Stunden unangenehm - erstaunlicherweise gar nicht die Schnürung.
Die wird nicht einmal behindert von einem üppigen Mittagessen - und in der Not, könnte ich die Bänder ja jederzeit wieder etwas lockern.

Das Highlight des Korsetts ist dennoch definitiv der Abend, als mein Bester nun endlich das Signal zum Lösen der Bänder bekommt. Mieder sind meiner Meinung nach eben doch nicht für den Alltag gemacht - sondern für besondere Momente und zum reizvollen Verführen.

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