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Wenn aus einem Pärchenfoto "homosexuelle Propaganda" wird

Dass die eigene Sexualität für andere Menschen ein extremer Game Changer sein kann, hat eine texanische Lehrerin am eigenen Leib erfahren müssen: Sie wurde gefeuert, weil sie ihrer Klasse ein Foto ihrer zukünftigen Frau zeigte.

von

klasse kiner
© istockphoto.com

Dass man jahrelang ausgezeichnete Arbeit leisten und dann trotzdem blitzschnell ins Aus geraten kann, erfuhr Stacy Bailey am eigenen Leib. Die texanische Kunstlehrerin unterrichtete seit 2008 in der Charlotte Anderson Volksschule im texanischen Arlington. Letztes Jahr bekam sie eine neue 4. Klasse, der sie sich persönlich vorstellen wollte. Sie zeigte den Kindern ein Foto von sich und ihrer langjährigen Freundin, Julie Vazquez, in lustigen Fischkostümen. Bailey erklärte der Klasse, dass dies ihre zukünftige Frau sei.

Dieses Foto löste eine wahre Kettenreaktion aus: Bailey wurde von der Schulleitung unterbreitet, dass sie aufgrund der "ungeeigneten" Bilder von der Schule suspendiert und schließlich versetzt werden würde. Nun hat die Texanerin eine offizielle Klage gegen die Schule eingereicht mit der Begründung, dass ihre Karriere und ihr Ruf durch diese Aktion geschädigt wurden. Außerdem zielt die Klage auf die Diskriminierung ab, welche Bailey aufgrund ihrer Sexualität erfahren hat. Laut den New York Times versteht Baileys Ehefrau Julie Vazquez die ganze Sache nicht: "Ich finde das alles so verblüffend! Denn was von der Sache übrigbleibt ist: Wir sollten genauso das Recht haben, über unsere Familie zu reden, wie alle anderen Familien auch."

Der Schulbezirk sieht das aber ganz anders. Laut einem Statement, hätte Bailey ihre Homosexualität offen gelebt und niemand hätte damit ein Problem gehabt. Nur sei es so, dass das veränderte Verhalten der Lehrerin in der Klasse zu Sorge bei den Eltern geführt habe. Die Schule wirft Bailey vor, ihre Rolle als Lehrerin genutzt zu haben, um "homosexuelle Propaganda" unter die Kinder zu bringen. In Texas gibt es kein offizielles Gesetz, das LGBTQ-Personen (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender und Queer, Anm.) am Arbeitsplatz vor Diskriminierungen schützt. Doch zumindest ist das Gericht seit einer Klage im April 2018 sensibilisierter für solche Fälle. Damals verklagte die transsexuelle Nicole Wittmer eine Energiefirma, weil sie meinte aufgrund der Transsexualität nicht angestellt worden zu sein. Und obwohl die Wittmer die Klage nicht gewann, wird in diesem Fall eine Art positive Wende gesehen.

In Österreich dürfen Personen am Arbeitsplatz aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Religion, ihrer Weltanschauung, ihrer ethnischen Zugehörigkeit, ihres Alter oder der sexuellen Orientierung nicht benachteiligt werden. Dies besagt das Gleichbehandlungsgesetz. Würde eine Diskriminierung stattfinden, dann gibt es zig Möglichkeiten, Schadensersatz vom Arbeitgeber zu fordern. Zum Beispiel bei der Benachteiligung in der Bezahlung oder sogar beim Bewerbungsprozess, wenn man zwar die oder der Bestqualifizierte ist, aber trotzdem nicht genommen wurde. Doch auch wenn die rechtliche Komponente gesichert ist, heißt das leider nicht, dass keine Diskriminierung passiert. In einer Studie der Wiener Antidiskriminierungsstelle von 2015 gaben 14 Prozent der Befragten LGBTQ-Personen an, sich am Arbeitsplatz diskriminiert gefühlt zu haben.

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