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Was kostet deine Welt? Eine Theater-Chefin über ihren Kontostand

Arbeiten, zahlen, leben: Wie viel verdient die Leiterin eines freien Theaters? Und wie viel bleibt am Ende des Monats übrig? Wir haben im Rahmen unserer Serie nachgefragt.

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Was kostet deine Welt? Eine Theater-Chefin über ihren Kontostand
© Kosmos Theater/APA

"Über Geld spricht man nicht" - das gilt besonders in Österreich. Das eigene Gehalt halten die meisten von uns geheim. Dabei sind wir tagtäglich mit unseren Finanzen konfrontiert. Wo ist der 100er im Geldbörsl schon wieder geblieben? Wie soll ich die Reparatur des Autos bloß bezahlen? Wie schaffen es andere Leute, etwas auf die Seite zu legen? Und wie viel verdienen eigentlich die KollegInnen, die mit mir im Büro sitzen? Nicht zuletzt diese unnötige Verschwiegenheit ins Sachen Einkommen trägt dazu bei, dass Frauen immer noch nicht gleich viel verdienen wie ihre männlichen Kollegen. Wir sagen: Schluss damit, über Geld spricht man! Deshalb fragen wir im Rahmen dieser Serie Frauen mit den unterschiedlichsten Berufen: Was kostet deine Welt? Wie viel verdienst du? Was bleibt am Monatsende übrig? Im 13. Teil der Serie haben wir eine Theater-Leiterin zum Interview gebeten.

Veronika Steinböck ist 54 Jahre alt, lebt in Wien und hat am Max-Reinhardt-Seminar Schauspiel studiert. Danach hat sie viele Jahre als Schauspielerin - frei und auch angestellt - gearbeitet. Vor etwa 10 Jahren hat sie sich als Regisseurin und Projektleiterin selbstständig gemacht und vor allem in Dresden gearbeitet. Seit einem Jahr ist sie Künstlerische Leiterin und Geschäftsführerin im Kosmos Theater im siebten Bezirk in Wien und bezieht zum ersten Mal in ihrem Leben über einen längeren Zeitraum ein regelmäßiges Einkommen. Sie hat einen All-in-Vertrag und verdient brutto 4.000 Euro im Monat, netto bleiben ihr 2.500.

Wie hoch sind deine Fixausgaben?
Veronika: Im Haus meiner Eltern kann ich wohnen ohne Miete zu bezahlen - also nur die Betriebskosten. Aber diese Wohnmöglichkeit liegt in Niederösterreich und da ich oft bis spät in der Nacht im Theater zu tun habe, musste ich eine kleine Wohnung in Wien anmieten. Fürs Wohnen zahle ich insgesamt etwa 900 Euro pro Monat. Weitere 1.000 Euro gebe ich für Lebensmittel, Kleidung, Bücher, Freizeit, Auto, Versicherungen und meinen Hund aus. Meine beiden Kinder studieren und verdienen auch nebenbei. Dennoch versuche ich sie bei Sonderausgaben zu unterstützen. Außerdem bin ich zahlendes Mitglied bei verschiedenen Non-Profit-Organisationen.

Hast du eine private Pensionsvorsorge? Wenn ja – Warum und wie viel gibst du dafür monatlich aus?
Veronika: Mein Vater hat für mich vor 20 Jahren eine Er- und Ablebensversicherung abgeschlossen. Inzwischen zahle ich dafür pro Jahr 3.600 Euro. Die läuft bald aus und ich kann entscheiden, ob ich das angesparte Geld nehme oder eine Pension bis zu meinem Lebensende. Die Höhe der Pension wären ca. 120 Euro pro Monat. Das lohnt sich nicht wirklich, also werde ich investieren müssen, anlegen, was weiß ich – das entspricht eigentlich nicht meinem Naturell. Wenngleich das natürlich Jammern auf hohem Niveau ist, das ist mir bewusst.

Sparst du Geld und wenn ja - wie legst du es an?
Veronika: Nein, ich spare nicht.

Wie viel bleibt am Monatsende übrig?
Veronika: Mir bleiben in etwa 300 bis 400 Euro über.

Bist du zufrieden mit deinem Gehalt?
Veronika: Ich bin sehr zufrieden, weil ich in meinem langen Leben erst seit einem Jahr finanziell unabhängig von Mann, Eltern und Staat bin. Ich weiß aber auch, dass es eigentlich - für die Verantwortung und die Anzahl der Stunden, die ich arbeite - zu wenig ist. Aber im Kunst- und Kulturbereich arbeiten zu können und gut auszukommen, macht mich zufrieden.

Weißt du, was deine KollegInnen verdienen?
Veronika: Nein, ich weiß nicht, was meine Kolleg*innen in den anderen Freien Theaterhäusern verdienen.

Wofür gibst du gerne Geld aus?
Veronika: Gern gebe ich Geld nie aus, außer bei Geschenken und Spenden. Und die Studiengebühr meines Sohnes zahl ich auch gern.

Wofür würdest du gern mehr Geld haben?
Veronika: Ich würde gern mehr Zeit haben, um mit meinem Bus und Hund auf Reisen zu gehen. Ohne viel auszugeben.

Redest du mit deinem Freundeskreis übers Geld?
Veronika: Wenig.

Gibt es sonstige Einnahmen?
Veronika: Nein.

Was ist dein größter Luxus?
Veronika: Meine Arbeitszeit selber einteilen zu können.

Würdest du von dir selbst behaupten, dass du gut mit Geld umgehen kannst?
Veronika: Ja. Ich bin sehr sparsam und genau. Manchmal zu sparsam.

Kannst du dir die Dinge leisten, die du gerne haben möchtest oder musst oft auf was verzichten?
Veronika: Inzwischen muss ich nicht mehr verzichten. Das war lange anders.

Würdest du lieber mehr verdienen oder eher weniger arbeiten und dafür halt auch weniger haben?
Veronika: Mehr verdienen klar, gern. Die Entscheidung weniger zu arbeiten steht aber nicht an und würde auch nicht funktionieren - denn dann wäre ich falsch an dieser Stelle.

Und wie wichtig ist dir Arbeit generell? Welchen Stellenwert nimmt sie in deinem Leben ein?
Veronika: Seitdem sich mein Kleinfamilienleben aufgelöst hat und die Kinder ihre eigenen Wege gehen, arbeite ich gern und viel. Ich empfinde meinen Job als wertvoll und bereichernd.