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Theresa Loidl über ihre Heimkehr von Japan nach Wien: Die Stunden danach...

Ein schwerer Abschied für Theresa Loidl (links im Bild, mit einer Freundin in Japan ), die Gattin des stellvertretenden österreichischen Botschafters in Japan: Nach dem Erdbeben und Tsunami in Japan kehrt sie zurück nach Wien. Für WOMAN schreibt Theresa Loidl über ihre Erfahrungen und Gefühle...


Theresa Loidl über ihre Heimkehr von Japan nach Wien: Die Stunden danach...
© privat

Rückblickend war natürlich das Wichtigste nach dem großen Beben mit Familie und Freunden so schnell wie möglich in Kontakt zu treten. Kaum waren die Netze der Mobiltelefonbetreiber wieder funktionstüchtig, klingelten auch schon Telefone und Handys ohne Unterlass.

Etwas, dass mich besonders berührt, war der enge Zusammenhalt meiner japanischen und ausländischen Freunden in Tokio. Die Sorge um den anderen war groß. Es wurde telefoniert, SMS und Emails geschickt, um sich zu erkundigen, ob es allen gut geht und auch alle ausreichend versorgt sind oder vielleicht Hilfe brauchen. Übernachtungsmöglichkeiten wurden angeboten, mit Lebensmitteln, Wasserflaschen oder Taschenlampen ausgeholfen. Bis zu diesem Zeitpunkt war mir gar nicht bewusst wie viele Freunde ich in Japan habe.

Aber vor allem der Austausch des Erlebten untereinander war uns wichtig.
Jeder meiner Freunde kann eine andere Geschichte zu erzählen. Viele erlebten das Beben in den oberen Stockwerken moderner Hochhäuser, die meterweise schwankten und dadurch auch im Inneren so einigen Schaden anrichteten.

Andere wiederum waren gerade auf den Straßen unterwegs und versuchten daher so rasch wie möglich in weniger bebaute Gebiete zu gelangen, einige waren in Zügen, die jedoch sofort zum Stillstand kamen und somit oft stundenlang festsaßen. Eine japanische Freundin erzählt, sie war zu Besuch bei ihrer 95jährigen Mutter, deren altes Holzhaus schon viele Erdbeben und auch dieses wieder unbeschadet überstand und nur wie ein Schiff im Sturm ächzte und stöhnte.

Menschen auf der Flucht, Wolkenkratzer, die sich bewegen, riesige Antennen, die sich scheinbar mühelos verbiegen, Rauch, der plötzlich aus Gebäuden aufsteigt und eine nicht zur Ruhe kommende Erde mit ihren ständigen Nachbeben.

All das sind Bilder, die sehr starke Emotionen freisetzten und die man meistens ein Leben lang nicht mehr vergisst. Es lässt einen einfach nicht los. Der Körper hat ein gutes Erinnerungsvermögen. Noch im Flugzeug nach Wien musste ich schon bei leichten Turbulenzen sofort wieder an ein Erdbeben denken. Und trotzdem oder gerade deshalb dürfen wir nie vergessen, dass wir noch einmal mit dem Schrecken davon gekommen sind!

Ein paar Wochen vor diesem furchtbaren Ereignis habe ich zusammen mit einigen Freunden an einer Zen-Meditation teilgenommen. Am Ende klopfte der Mönch uns allen mit seinem Stab auf die Schulter, da beugte sich meine Freundin sich zu mir und sagte: „Das soll uns wohl als eine Art Beschützung dienen solange wir in Japan sind.“

Theresa Loidl