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Three Billboards: Wenn ein Film echte Proteste beflügelt

In "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" provoziert eine trauernde Mutter Polizisten mit Plakatwänden. Protestierende weltweit haben das kopiert.

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Billboards
© twitter.com/Avaaz

Mildred Hayes, gespielt von der brillanten Frances McDormand, mischt ihre Heimatstadt auf. Im Film "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" mietet sie drei Plakatwände und lässt Folgendes draufschreiben: "Vergewaltigt, während sie starb", "Und noch immer keine Verhaftungen?" und "Wie kann das sein, Chief Willoughby?". Damit will sie die Aufmerksamkeit der örtlichen Polizei auf den Fall ihrer Tochter Angela lenken, die ermordet wurde.

Ihr stiller, aber gleichzeitig lauter Protest bringt Chaos über das Örtchen. Die Geschichte von Mildred Hayes versus die Polizei ist geprägt von Misstrauen, Sexismus und Rassimus. Doch die Figuren sind keinesfalls nur schwarz-weiß, sondern bewegen sich allesamt in einer Grauzone - auch Mildred Hayes.

Ob das mit den Grauzonen in der Realität genauso ist, bleibt dem Beobachter selbst überlassen. Klar ist aber, dass es aktuell einige, gravierende Probleme auf der Welt gibt, die von PolitikerInnen nicht ausreichend behandelt werden. Und hier trifft Filmrealität auf die Wirklichkeit, denn bei einigen Protesten weltweit sind in den letzten Monaten Plakatwände aufgetaucht.

Zuletzt waren die drei neonorangenen Plakate nach dem Amoklauf an der Marjory Stoneman Douglas High School in Florida aufgetaucht. Genau vor dem Büro von Senator Marco Rubio. Auf ihnen stand: "In der Schule ermordet", "Und noch immer keine Waffengesetze?", "Wie kann das sein, Marco Rubio?". Die Bürgerrechtsbewegung Avaaz hatte die Plakatwände aufgestellt. Eine Stunde lang standen die Autos vor dem Büro und die Protestierenden hofften, dass Rubio die Aktion sehen würde.

Und das tat er auch, denn in einem CBS Interview meinte der Senator, die Aktion hätte ihn als Schuldigen dargestellt. Doch er würde das nicht kritisieren, denn alle hätten ein Recht, ihre Meinung zu sagen. Schön und gut, aber durch verständnisvolle Worte wurde noch kein Waffengesetz überarbeitet.

(c) Justice4Grenfell

Auch in London versuchte man mit Hilfe der drei Plakate Aufmerksamkeit auf ein Thema zu lenken, das die Medien schon längst wieder verlassen hat: Das Feuer von Grenfell. Im Londoner Hochhaus Grenfell Tower brach letzten Juni ein Feuer aus, bei dem zahlreiche Menschen starben. Dem britischen Volk wurde versprochen, dass die richtigen Leute zur Verantwortung gezogen würden, doch davon sei noch immer nicht viel zu spüren, sagte die Organisation Justice4Grenfell auf Vice.

Mit den Plakaten soll die Tragödie in Erinnerung gerufen werden, um die Prozesse in der Politik zu beschleunigen. So wie auch Mildred Hayes im Film die Arbeit der Polizei anheizen wollte. In allen drei Fällen geht es um den Kampf um die Aufmerksamkeit. Mildred Hayes sagt im Film sogar: "Die Chance, dass ein Fall aufgeklärt wird, ist höher, wenn die Aufmerksamkeit beim Fall bleibt." Ob sie mit ihrem Vorhaben erfolgreich ist, kann man sich im Kino ansehen. Ob die realen Proteste Erfolge feiern werden, wird sich zeigen.

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