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Tibetische Atemübungen

Tibetische Atemübungen sind ein echter Jungbrunnen: Sie animieren die Zellen und vitalisieren den Körper. Die besten Techniken für zuhause.


Tibetische Atemübungen

Wir machen es ständig, immer, überall: atmen. Wie kann es also sein, dass wir etwas, das eigentlich automatisch passiert, doch nicht ganz richtig machen?

"Die meisten Menschen nutzen nicht den gesamten der Atmung zur Verfügung stehenden Raum und atmen nur in den Brustkorb. Das ist nicht optimal“, so die langjährige Atemtherapeutin Inka Jochum (neues Buch: "Verjüngende Atemübungen vom Dach der Welt“ ). Mit einfachen tibetischen Techniken, den Pranayamas, ist das aber leicht zu lernen. Positiver Nebeneffekt: Sie verjüngen Ihre Zellen!

So atmet man bewusst

WOMAN: Gibt es eine richtige bzw. eine falsche Atmung?

Jochum: Ja, auf jeden Fall. Viele atmen durch den Mund ein und aus. Die normale Atmung geht aber über die Nase. So wird die Luft angewärmt und von Staub gereinigt. Manche atmen auch nur bis in den Brustkorb, das Zwerchfell schwingt dann nicht mit. Die davon ausgehenden Vibrationen sollten aber den Beckenboden erreichen. Wenn das nicht geschieht, wird z. B. das Gewebe an der Lendenwirbelsäule ganz schlaff, das kann sogar zu Rückenproblemen führen.

WOMAN: Was muss man also beim Atmen beachten?

Jochum: Man muss es sich bewusst machen - immer wieder. Der Atem sollte tief und dreidimensional sein, also vom unteren Beckenboden über den Brustkorb bis zum Schlüsselbein hinaufgehen.

WOMAN: Sie sprechen von innerer und äußerer Atmung. Was ist der Unterschied?

Jochum: Über die äußere passiert der Gasaustausch: Sauerstoff wird über die Luft aufgenommen, ans Kreislaufsystem weitergegeben, Kohlendioxid wird ausgeschieden. Bei der inneren Atmung handelt es sich um gewisse Stoffwechselprozesse, die dem Energiegewinn der Zellen dienen.

WOMAN: Was passiert bei der inneren Atmung, der Zellatmung, genau?

Jochum: Die Mitochondrien, die kleinste Einheit jeder Zelle, werden tonisiert. Das aktiviert die Zellkraft. Sie müssen sich das so vorstellen: Nicht energetisierte Zellen sind wie leere Luftkissen. Mit der richtigen Atmung fließt der Sauerstoff über Blutbahn und Meridiane (Energiebahnen im Körper) wieder in die Zellen und bläst sie auf. So werden diese wieder belebt, es verlangsamt sich ihre Degeneration. Der ganze Körper wird besser mit Energie versorgt und hat mehr Kraft. Das geht so weit, dass z. B. Schmerzen in den Bandscheiben verschwinden.

WOMAN: Heißt das, man kann mit der Atmung auch eine schlampige Körperhaltung verbessern?

Jochum: Ja, sie wirkt unterstützend, da sich Haltung und Atemfluss gegenseitig beeinflussen. Wer richtig atmet, richtet sich dabei automatisch auf. Und nur in der richtigen Haltung kann man gut atmen.

WOMAN: Gibt es eine Übung, die Sie für Stresssituationen empfehlen können?

Jochum: Ja. Eine Hand auf den Bauch legen, die andere auf gleicher Höhe in den Rücken. Tief ein- und ausatmen. Das beruhigt bei Angst, Stress oder starkem Druck. Oder Sie legen beide Hände auf den Bauch und beobachten die Atemzüge für ein paar Minuten - das entspannt.

Atemübungen für zuhause

So finden Sie Ruhe. Täglich trainiert, sorgt diese Übung (Pranayama) für mehr Ruhe und Gelassenheit .

So geht’s: Rechtes Nasenloch mit dem Zeigefinger verschließen, langsam und tief durch das linke einatmen, Luft anhalten. Nun das linke Nasenloch blockieren, kräftig und lang durch das rechte ausatmen. Dann umgekehrt ein- und ausatmen. Mehrmals wiederholen. Für Geübte: Dieselbe Übung kräftig und kurz ausführen, dann ruhig und sanft ein- und ausatmen.

Übung gegen Verspannungen. Wer Bewegung und Atem beobachtet, schult damit das Körpergefühl. Die richtige Atmung (synchron zur Bewegung) hilft gegen Verspannungen .

Übung: Mit dem Einatmen beide Arme heben. Atem kurz anhalten und mit dem Ausatmen die Arme nach hinten schwingen lassen. 5- bis 10-mal wiederholen.

Die richtige Technik. Hände auf den Bauch (Unterer Atemraum) legen und hineinatmen. Nach einigen langen Atemzügen wandern die Hände zu den Rippen (Mittlerer Raum): Atem spüren, wie er vom Becken zum Brustkorb geht. Dann Finger aufs Schlüsselbein legen (Oberer Raum) und Atmung hinauffließen lassen.

Redaktion: Barbara Schaumberger