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Tinnitus: Symptome und Heilungschancen

Niemals Ruhe, immer ein Rauschen im Ohr: Tinnitus bedeutet für Betroffene ständige Qualen. Alles über die Ursachen – und Heilungschancen.


Tinnitus: Symptome und Heilungschancen
© Corbis

Dauernd ein Klopfen, Rauschen und einen Pfeifton im Ohr, der Schlaf gestört, Entspannung kaum mehr möglich – ein Tinnitus belastet die Psyche der Betroffenen massiv.

Leistungsdruck führt zu Tinnitus

800.000 ÖsterreicherInnen leiden unter den Ohrgeräuschen. Was die Aussage von Prim. MR Dr. Herwig Edlinger, "Tinnitus wird immer mehr zum Zivilisationsphänomen“, mehr als plausibel macht. Erhöhter Leistungsdruck im Berufsleben, selbst gewählter Freizeitstress, Reizüberflutungen einer "Spaßgesellschaft“, die nach Unterhaltung und Konsum strebt, gepaart mit Bewegungsarmut und falscher Ernährung , nennt der Experte als die Voraussetzungen für das Leiden.

Lärm, chronisch oder akut, tut das seinige dazu, die Ohren zu ruinieren. Immer mehr junge Patienten sind betroffen. Häufig, aber nicht zwingend geht der "Hölle im Ohr“ ein Hörsturz voraus. Worunter man "einen plötzlichen Hörverlust unterschiedlichen Ausmaßes“ versteht, ausgelöst entweder durch einen Infarkt im Ohr, der durch eine akute Durchblutungsstörung bedingt ist, oder als Folge einer Infektion. "Der Hörsturz“, so Primar Edlinger, "geht immer mit Hörverlust von geringfügig bis taub einher. Und zu 95 Prozent mit Ohrgeräuschen sowie zu 50 Prozent mit Schwindel.“

Schlafdefizit bei Tinnitus

HNO-Spezialist Herwig Edlinger, der im steirischen Feldbach Österreichs einzige (private) Klinik mit Schwerpunkt Tinnitus führt, stellt fest, "dass die Medizin das Problem lang hintangestellt hat und sich nur wenige Kollegen dessen ernsthaft annehmen“. Eine Katastrophe für viele Patienten, die sich alleingelassen fühlen. Denn das ungewollte Orchester im Ohr kann sich extrem auf die Lebensqualität auswirken.

Mit das Schlimmste ist der Schlafmangel: "Durch die Geräusche kann man nicht einschlafen und nicht durchschlafen, ist am nächsten Tag wie gerädert“, schildert der Mediziner. "Durch das Schlafdefizit ist man irgendwann physisch so parterre, dass es einem auch psychisch schlecht geht.“

Die Ohrgeräusche stören natürlich auch bei der Arbeit, beim Lesen, bei der Unterhaltung mit anderen - eigentlich bei allem, was man tut. Die anfänglichen Reaktionen wie Nervosität, Gereiztheit und Unpässlichkeit können in weiterer Folge zu Arbeits- und Gesellschaftsunlust führen, ein Rückzugs- und Isolationsbedürfnis auslösen.

Hilfe bei Tinnitus

"Am Schluss“, so Herwig Edlinger, "steht dann häufig die Depression, die bis zu Selbstmordgedanken und gar Suizid gehen kann.“ Man kann sich, so der Experte, an das Pfeifen sogar gewöhnen, wenn es aber länger besteht, lässt die Gewöhnung wieder nach.

Die gute Nachricht ist allerdings: In allen Stadien, auch nach jahrzehntelangem Leiden, kann man helfen, so der Spezialist. Wenn man als Akutpatient sehr schnell zum Arzt geht, reicht häufig eine Therapie mit relativ einfachen medikamentösen Maßnahmen, die eine Sauerstoffverbesserung im Innenohr bewirken.

Wenn das nichts nützt und auch bei chronischem Tinnitus setzt der Experte auf ein Therapiekonzentrat, das auf die Ohren, den gesamten Organismus und die Psyche wirkt. Neben Medikamenten werden physikalische, apparative, diätetische, psychotherapeutische, aufklärende und beratende (counselling) sowie musiktherapeutische Maßnahmen gesetzt (siehe auch Kasten rechts: Entstehung und Vorbeugung).

"In sehr hohem Ausmaߓ, weiß Primar Edlinger, "kann man die Ohrgeräusche so ganz abstellen, bei jedem Grad von Betroffenheit aber zumindest Erleichterung bringen. Quantitativ: wenn das Geräusch ganz aufhört, weniger oder ruhiger wird. Qualitativ: wenn es gelingt, die Geräusche von einem hohen in einen tieferen Frequenzbereich zu verlagern. Denn: Ein Wasserfall ist noch immer angenehmer als eine Sirene im Ohr!“ Beim Rest der Patienten kann man zumindest erreichen, dass sie ihre Peiniger besser ertragen oder sich besser daran gewöhnen, "sodass die Geräusche nicht mehr als störend empfunden werden“.