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US-Zeitung: Tool warnt Redakteure vor zu vielen Männerstimmen

Weibliche Leserinnen werden von Artikeln, die zu stark auf Zitaten von Männern basieren, nicht angesprochen. Deshalb hat sich eine renommierte US-Zeitung eine Gegenmaßnahme einfallen lassen.

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US-Zeitung: Tool warnt Redakteure vor zu vielen Männerstimmen
© Photo by Headway on Unsplash

Dieses Programm könnte auch so manchem österreichischen Medium nicht schaden: Eine Software, die Redakteure bereits beim Schreiben darauf aufmerksam macht, dass im Text zu viele Männer zitiert werden! Und nein, das ist kein feministischer Scherz oder ähnliches - dieses Programm gibt es und es ist ausgerechnet bei der renommierten US-Zeitung "Financial Times" im Einsatz. Damit sollen die MitarbeiterInnen darauf hingewiesen werden, sich verstärkt nach weiblichen Expertinnen und Interviewpartnerinnen umzusehen. Denn es gibt sie!

Hintergrund ist, dass man bei der "Financial Times" drauf gekommen ist, dass nur 21 Prozent der in der Zeitung genannten Personen Frauen sind. Das hatte die Entwicklung eben jenes "Bots" - also dem automatisierten Tool - zur Folge, das mittels Analyse von Pronomen und Vornamen feststellt, ob eine Quelle männlich oder weiblich ist. Die Redakteure werden dann darauf aufmerksam gemacht, dass sie nicht genug tun, um Frauen in ihren Geschichten zu zeigen.

Mehr weibliche Kommentatorinnen

Die Zeitung, die vor allem über männerdominierte Branchen berichtet, verfolgt damit das Ziel, mehr weibliche Leserinnen zu gewinnen. Und Forschungsergebnisse weisen schon länger darauf hin, dass Artikel, die sehr stark auf Zitaten von Männern basieren, Frauen nicht ansprechen - sondern sogar abschrecken. "Ressorts, die in einem hohen Ausmaß Frauen zitieren und mehr Bilder von Frauen verwenden, werden von Frauen besser gelesen", sagte etwa die stellvertretende Chefredakteurin Roula Khalaf laut "Guardian" in einer internen E-Mail über die Maßnahme. Außerdem wurde noch eine andere Maßnahme ergriffen, um Frauen stärker anzusprechen: Der Anteil der weiblichen Kommentatorinnen bei der "Financial Times" hat sich im Zeitraum von März bis August von 20 auf 30 Prozent gesteigert.

Thema: Feminismus