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Topmanagerin: Buch „Ganz oben“

Wer als Frau nach ganz oben will, muss wissen, wie männliche Bosse ticken. Machtsymbole und Machogehabe bestimmen nach wie vor die Führungsetagen. Wie Frau sich zu ihrem eigenen Vorteil klug verhält, verrät eine Topmanagerin.


Topmanagerin: Buch „Ganz oben“
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Sie schlagen bei Verhandlungen schon mal mit der Faust auf den Tisch. Wählen Praktikantinnen mitunter mehr nach dem Äußeren als nach der Qualifikation aus. Und als Statussymbole müssen repräsentativer Dienstwagen sowie imposantes Büro her: männliche Topmanager. Alles nur Klischee? Nein, klassischer Alltag auf internationaler Vorstandsebene, die nach wie vor von Männern dominiert wird. Wer als Frau hier reüssieren will, hat’s entsprechend resch, muss auf maskuline Regeln reagieren und dennoch authentisch bleiben – sagt eine deutsche Spitzenmanagerin. Ihre Erfahrungen hat sie nun veröffentlicht („Ganz oben“, Verlag C. H. Beck, € 14,95). Anonym, weil sie sonst mit „beruflichen Veränderungen“ rechnen müsste …

WOMAN: Sie haben Ihr Buch geschrieben, damit Frauen mögliche karrierehemmende Fehler vermeiden. Was ist Ihnen denn auf dem Weg nach oben passiert?

Anonyma: In bin zwar in keine Fallen getappt, habe aber immer wieder aus der traditionellen Rolle der Frau agiert: Ich habe mich zur Protokollführung überreden lassen, die Organisation von Meetings übernommen … wahrscheinlich habe ich bei Gehaltsverhandlungen auch schlechter als meine männlichen Kollegen abgeschnitten.

WOMAN: Weil Männer ja nach wie vor das Topmanagement dominieren, gelten an der Spitze vorwiegend Machogesetze. Gibt’s da welche, die Frau besser beherzigen als strikt ablehnen sollte?

Anonyma: Ja, Machtspiele, Konkurrenz, sich überlegen fühlen. Frauen sollten hier taktisch reagieren, kooperieren, den Mann gegebenenfalls bestärken und an anderer Stelle die eigene Person wieder in den Vordergrund stellen.

WOMAN: Wie haben Sie das Männerbollwerk durchbrochen, um an die Spitze zu gelangen?

Anonyma: Indem ich Männer erst mal so akzeptiere und nehme, wie sie sind. Ich interessiere mich für Menschen und ihre Beweggründe, Dinge zu tun. So habe ich mich immer bemüht, Kollegen und Vorgesetzte zu verstehen und entsprechend zu reagieren.

WOMAN: Hübsche Blondinen haben es Ihrer Erfahrung nach eher schwer, die Topebene zu erreichen. Sie selbst beschreiben sich als durchschnittlich attraktiv, groß und dunkelhaarig. Wie sehr beeinflusst also Aussehen die Karrierechancen?

Anonyma: Gewisse Größe und Statur können den Weg nach oben erleichtern – eine offensiv zur Schau getragene Weiblichkeit lenkt den Fokus der Herren oft auf andere Gedanken als auf die fachliche Qualifikation. Das kann es erschweren, als kompetent anerkannt zu werden. Praktikantinnen hingegen können mit ihrem Aussehen durchaus punkten.

WOMAN: Stichwort Machtsymbole: Für Männer gehören stattliches Büro oder fetter Firmenwagen dazu. Sollten Frauen auch darauf setzen?

Anonyma: Um Anerkennung von den Herren zu bekommen: gleichwertiges Auto, großes Büro. Sonst erleidet Frau einen Autoritätsverlust, den sie sich nur leisten kann, wenn sie schon ganz oben ist. Um Konflikte mit gleichrangigen Männern zu vermeiden, sollten Auto und Büro allerdings nicht größer sein als die der Kollegen.

WOMAN: Klingt nach Spielchen – wie sehr soll Frau sich generell auf männliche Machtspiele einlassen?

Anonyma: Nur so weit, wie’s zur eigenen Autoritätsdarstellung notwendig ist.

WOMAN: Beispiel Konferenz: Mehrere männliche und ein, zwei weibliche Führungskräfte sitzen am Tisch, Kaffee fehlt noch. Wer steht auf und organisiert?

Anonyma: Frauen fällt oft zuerst auf, was fehlt, und ohne darüber nachzudenken, bringen sie die Sache in Ordnung. Diesem Impuls sollten sie nicht immer folgen, da ihnen diese Rolle dadurch automatisch zugewiesen wird. Ich habe früher so agiert. Heute warte ich erst mal ab und springe nicht sofort auf.

WOMAN: Was ist strikt tabu auf dem Weg in die Chefetage?

Anonyma: Sex am Arbeitsplatz, zu sehr die Emanze rauskehren, versuchen, wie ein Mann zu agieren.

WOMAN: Umgekehrt gefragt: Was gehört unbedingt dazu?

Anonyma: Kollegialität, Authentizität, Wertschätzung für andere, sich auf individuelle Stärken besinnen, Ärger und Angriffe wegstecken können, sich bemerkbar machen, auch mal in geselliger Runde ein Bier mittrinken.

WOMAN: Reicht schon eines, um im Männerklub ernst genommen zu werden, oder muss man richtig trinkfest sein?

Anonyma: Das eine oder andere Glas Wein oder Bier mitzutrinken oder zumindest so zu tun wird von den Herren positiv zur Kenntnis genommen. Alkoholisiert sollte man aber nicht sein.

WOMAN: Es scheint, als hätten Sie sich häufig angepasst – wirklich ein Schritt zur Gleichberechtigung im Topmanagement?

Anonyma: Ich glaube, dass wir Frauen sehr gut in der Lage sind, Situationen zu beobachten und die Stimmungslage einzuschätzen. Darauf so zu reagieren, dass es uns auch nützlich ist, heißt für mich nicht automatisch Anpassung.

Petra Mühr