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Topmodel-Juror Rolf Scheider im Gespräch

Der Topmodel-Juror Rolf Schneider im Gespräch über Botox, Models und das Älterwerden.


Topmodel-Juror Rolf Scheider im Gespräch
© Getty Images

56, männlich, sucht: Zurzeit fahndet der „Austria’s next Topmodel“-Juror Rolf Schneider nach den schönsten Frauen. Privat steht er auf Männer. Und da läuft es weniger rund.

"Warte, ich geh schnell ins Separee“, flötet Casting-Direktor Rolf Scheider mit französischem Akzent ins Telefon, „da sind wir ungestörter“. Der 56-jährige Deutsche mit Wohnsitz in Paris ist schon wieder am Sprung. Gestern noch beim Dreh für die PULS-4-Show „Austria’s next Topmodel“ (Start: 3. 1. 2013), heute in seinem Büro in Berlin, morgen in Paris auf einer exklusiven Vernissage: „Ein Pflichttermin für mich, Karl Lagerfeld kommt auch.“ Zwischendurch nimmt er sich Zeit für ein Interview.

„Ich hatte Panik!“

WOMAN: Ihre Anfänge waren weniger schillernd – als „Großhandelskaufmann im Butter-, Eier- und Käsesektor“ …

Scheider: Die Firma war neben meinem Elternhaus. Also habe ich mit 15 zweieinhalb Jahre dort gearbeitet, wo sie Würstchen herstellen, Schweine zermahlen und aus dem Kopf Salami machen. Erst danach habe ich Kosmetiker gelernt. Als ich mit 19 nachParis gekommen bin, glich mein Aussehen dem eines Engels. Im legendären Club Z habe ich mit Bianca -Jagger und Yves Saint Laurent auf den Tischen getanzt.

WOMAN: Seit Sie bei „Germany’s next Topmodel“ in der Jury saßen, sind Sie selbst ein Promi. Und gondeln von einer TV-Show zur nächsten. Brauchen Sie die Selbstdarstellung?

Scheider: Anfangs hatte ich panische Angst davor. Die ersten paar Sendungen habe ich mich versteckt, damit mich keiner interviewt. Jetzt fühle ich mich vor der Kamera wie ein Fisch im Wasser. Gerade eben habe ich wieder eine Anfrage für eine Show bekommen. Alles mache ich aber nicht, dem Dschungelcamp habe ich bereits abgesagt! Schließlich habe ich ein Image zu wahren.

WOMAN: Was gefällt Ihnen so sehr am Berühmtsein?

Scheider: Wissen Sie, andere fahren auf Urlaub, ich drehe in der Zeit Fernsehsendungen. Das macht mir Spaß! Außerdem ist es toll für das Selbstbewusstsein, daran hat es mir schon immer gefehlt. Ich hatte eine schwere Kindheit und stets Phobien, dass mich keiner mag. Irgendwie fühle ich michimmer minderwertig. Aber jedes Mal wenn ich eine Sendung abgedreht habe, überkommt mich ein Erfolgsgefühl. Es ist wie eine Therapie. Und die Leute mögen mich.

WOMAN: Von „Germany’s next Topmodel“ zu der Austro-Version davon. Ist das ein Abstieg für Sie?

Scheider: Absolut gar nicht! Am Wörthersee, wo wir gedreht haben, ist es genauso schön wie in New York. Und die Art zu drehen ist ja auch die gleiche. Die Crew besteht aus so vielen energischen Leuten, die sind noch nicht so abgenutzt. Außerdem: Wenn ich Knödel mit Gulasch in einem Dorfgasthof essen kann, geht bei mir die Sonne auf. Während dem Dreh habe ich aber sogar ein paar Kilo abgenommen.

WOMAN: Sind Sie denn auf Diät?

Scheider: Ich versuche permanent abzunehmen. Als 35-Jähriger habe ich 59 Kilo gewogen, mittlerweile habe ich 90. Mindestens zehn Kilo zuviel! (schnauft) Gestern habe ich mich so über einen Kunden geärgert, dass ich geradeaus zum Kühlschrank bin und zwei Tafeln Schokolade verputzt habe. Das tut meinen Nerven gut.

WOMAN: Schon mal Botox probiert?

Scheider: Nein, das will ich auch nicht. Aber ich habe Schlupflider und die würde ich schon gern mal machen lassen. Und um die Mundpartie könnte es auch straffer sein. Ach, und mein Doppelkinn! Vielleicht lasse ich mich in einer TV-Show verschönern – ich mache nichts mehr ohne Fernsehen. (lacht) Ein kleines Lifting – warum nicht? Ich will ja auch anderen gefallen.

WOMAN: Sie sind 56, macht Ihnen das Älterwerden denn Sorgen?

Scheider: Bei der Lufthansa bekommt man ab 59 die Rentnerkarte – da wird mir schlecht. Ich bin doch noch lange kein Rentner! Und wenn du auf Männer stehst, Mitte 50 bist und keinen super Body hast, kannst du dich sowieso vergraben. Ab 40 hat man da schon fast nix mehr zu sagen. Die wollen einen Mann mit Sixpack, einen geilen Hengst. Da will ich nicht mehr mithalten. Und die Leute mögen mich auch so, warum also soll ich jeden Tag ins Fitnessstudio laufen?

WOMAN: Die Beziehung zu Ihrem Lebenspartner ist nach 15 Jahren zerbrochen …

Scheider: Julien ist 20 Jahre jünger als ich, als wir uns kennengelernt haben, war er Anfang 20. Wir sind zusammen groß geworden und haben uns in unterschiedliche Richtungen entwickelt. Aber wir sind nach wie vor die besten Freunde, wie ein altes Ehepaar. Wir arbeiten auch zusammen. Gerade ist er mit mir in Berlin, und morgen geht’s wieder nach Paris, wo wir eine Wohnung haben. Wir lieben uns noch immer.

WOMAN: Und was, sollten Sie sich wieder neu verlieben?

Scheider: Das ist aktuell weder bei ihm noch bei mir Thema. Wir bleiben verheiratet.

Interview: Melanie Zingl