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Toxic Positivity: Warum uns "Good Vibes Only" ruinieren

Auf Teufel komm raus positiv zu denken? Alles wird gut, keine Sorge? "Toxic Positivity" nennt sich das Ganze und kann ganz schön gefährlich sein...

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Toxic Positivity: Warum uns "Good Vibes Only" ruinieren
© Hean Prinsloo on Unsplash

Kann man es mit dem Positivdenken auch übertreiben? JA. Toxic Positivity nennt sich das Ganze in der Fachsprache und lässt Menschen weniger erfolgreich, egoistischer und leichtgläubiger sein – und zwar ohne, dass sie es merken.

Aber warum ist Toxic Positivity gefährlich? Im Prinzip geht es bei Toxic Positivity darum, so zu tun, als wäre man glücklich und dass eh alles gut ist, obwohl das Gegenteil der Fall ist. Es ist diese Fake Happiness, wenn dir irgendetwas Schlimmes passiert ist und dir anderen Menschen mit "Es wird alles wieder gut, mach dir keine Sorge!" oder einem gutgemeinten "Kopf Hoch!" gut zureden wollen.

Es ist aber eben nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen. Schon gar nicht, wenn man wiederholt Negatives ignoriert ... Wie bei so vielem kann man eben auch *zu* positiv denken. Das könnte so weit gehen, dass du irgendwann unauthentisch wirkst und die Realität nicht mehr klar siehst.

5 Gefahren, wenn man *zu* positiv denkt

1. Das Negativ-Fass läuft irgendwann über

Jedes Mal, wenn du etwas Negatives erlebst, füllt sich dein Negativ-Fass. Irgendwann bringt eine Kleinigkeit das Fass zum Überlaufen. Und deine Probleme überrollen dich. Wir sind Menschen. Und die sind nun mal nicht immer happy. Wir sind traurig. Wir sind grantig. Wir haben Angst. Viele Studien haben gezeigt, dass unterdrückte Emotionen am Ende viel mehr Schaden anrichten. Also fühl deine Gefühle. Auch die nicht so schönen.

2. Du bist keine gute Freundin

FreundInnen sollten zu einem stehen. In guten, wie in schlechten Zeiten. Es gibt sie aber, die FreundInnen, die mit deinen Bad Vibes nichts zu tun haben wollen. Oder bist vielleicht sogar du diese Freundin? Das könnte dir auf lange Sicht einige Freundschaften kosten, weil sich Menschen dir nicht komplett anvertrauen wollen. Jemand schimpft über seinen Job und du sagst nur "Naja, zumindest hast du noch einen"? Das kann dein Gegenüber nur noch grantiger machen, weil du seine oder ihre Gefühle nicht ernst nimmst.

3. Es ist nicht ECHT

Echte Emotionen lassen sich nur schwer faken. Du merkst es spätestens an der Körpersprache des Menschen, der sich glücklicher gibt, als er ist....

4. Es macht dich am Ende noch unglücklicher

Negative Gefühle einfach ignorieren? Keine gute Idee. Das fand zum Beispiel auch eine Stanford-Studie heraus. Die Conclusio? Menschen fühlten sich noch unglücklicher, wenn andere von ihnen erwarteten, dass sie keine negativen Emotionen zulassen. Es ist OK, nicht OK zu sein.

5. Es macht dich unsensibel

Menschen, die immer so tun als wäre alles Häppi-Beppi? Die sind auch unsensibler! Irgendwann verliert man durch die ganze Fake-Happiness nämlich den Sinn für Details. Man sieht nur noch das große Ganze.

Was wir daraus lernen? Wenn sich dir jemand öffnet oder unglücklich wirkt, nimm diese Gefühle bitte ernst. Frag, ob du helfen kannst, frag, ob er oder sie darüber reden will. Sei da. Manchmal reicht es, einfach zuzuhören und keine gut gemeinten Ratschläge zu erteilen. Und auch mit dir selbst solltest du weit weniger streng umgehen. Lass deine Gefühle zu. Ohne Regen kein Regenbogen, wie es so schön heißt!