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Diese Comedy-Frau solltest du unbedingt kennen!

Sie versorgt ihre Fans als "toxische_pommes" auf Social Media mit schrägen Parodien. Wir sprechen mit ihr über Hate-Kommentare, tief verwurzelte Sexismen und Humor als Rettung vor dem Untergang.

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© Zoe Opratko

Sie war in einer toxischen Beziehung und liebt Pommes: Nach der Trennung ging Irina (Nachname & Alter möchte sie nicht veröffentlichen) auf TikTok, um wieder ein bisschen lachen zu können. Und irgendwann begann sie, selbst Videos zu produzieren. Heute hat sie 39.100 Follower, und ihre Filmchen gehen durch die Decke!

"Ich möchte auf Probleme und Missstände in unserer Gesellschaft aufmerksam machen, wie etwa auf soziale Ungleichheiten, alltagsrassistische Situationen, Doppelmoral oder tief verwurzelte Sexismen", erklärt die Wienerin mit Balkanwurzeln. Irina parodiert unterschiedlichste Rollen, zieht dabei Wiener Bobos aus Neubau genau so durch den Kakao wie ihre eigenen Balkanwurzeln. Sie ist provokant, rotzfrech und und trifft mit ihren Beiträgen voll ins Schwarze.

WOMAN: Warum bist du auf Instagram/TikTok?

IRINA: Ich versuche durch meine Videos auf satirische Art und Weise, Gesellschaftskritik zu üben und Phänomene anzusprechen, die mich schon länger beschäftigen.

Deine Message?

IRINA: Ich möchte in meinen Videos auf diverse Probleme und Missstände in unsere Gesellschaft aufmerksam machen, wie etwa auf soziale Ungleichheiten, alltagsrassistische Situationen, Doppelmoral oder tief verwurzelte Sexismen. Mein persönlicher Anspruch ist es, dies auf eine humoristische, leicht zugängliche und verständliche (manchmal bestimmt zu stark vereinfachende) Weise zu tun. Ich versuche daher auch, meine Videos kurz zu halten und die wesentliche Botschaft in 15 Sekunden rüberzubringen.

Wen genau möchtest du ansprechen?

IRINA: Ich denke nicht, dass ich eine klar definierte Zielgruppe habe. Meine Videos behandeln verschiedene gesellschaftspolitische Themen. Anfangs habe ich in erster Linie Videos über tragische, witzige oder kuriose Situationen gemacht, die man als Person mit Migrationshintergrund in Österreich erlebt - meine Familie selbst ist in den 90ern aus Ex-Jugoslawien geflüchtet. Mittlerweile thematisiere ich aber alle möglichen Absurditäten, die einem als in Österreich lebendem Menschen so widerfahren.

Was inspiriert dich?

IRINA: Tagespolitische Ereignisse, zwischenmenschliche Begegnungen oder ganz gewöhnliche Alltagssituationen. Unsere Gesellschaft gibt unendlich Stoff für verschiedenste Videos her. Wenn mir eine Videoidee einfällt, dann notiere ich sie kurz in mein Handy – da stehen dann oft Notizen wie „irgendetwas mit Freunderlwirtschaft“ – und setze sie dann bei Gelegenheit in ein Video um.

Was würdest du niemals posten?

IRINA: Dinge, die Menschen in ihrer Identität kränken. Ich kritisiere Menschen für (sozialschädliche) Handlungen und Einstellungen, auf die sie Einfluss üben können und nicht für das, was sie sind.

Was ist für dich nicht lustig?

IRINA: Negatives Feedback, das tatsächliche Kritik enthält, nehme ich mir zu Herzen. Ich bin mir bewusst, dass ich Fehler mache oder Dinge übersehe und bin bereit zu lernen. Insofern freue ich mich auch über darüber. Sinnentleerte Hate-Kommentare ohne Substrat ignoriere ich mittlerweile fast komplett, außer ich bin ausnahmsweise in Stimmung, zurückzutrollen.

Für welches Posting bzw. welchen Schmäh hast du am meisten Feedback bekommen bis jetzt?

IRINA: Generell kann ich sagen, dass ich am meisten Feedback für Videos bekomme, in denen ich Alltagsrassismus oder Sexismus thematisiere. Das scheint viele zu triggern. Ich habe zum Beispiel ein Video über meine Erfahrung bei der Polizei gemacht, als ich einen Mann anzeigen wollte, der mich gestalkt und mir Morddrohungen geschickt hat. Die Polizei ist in meinem Fall - bei ganz vielen anderen Betroffenen in ähnlichen Situationen auch - sehr unprofessionell vorgegangen und hat mich gar nicht ernst genommen. Auf dieses Video habe ich sehr gemischte Reaktionen bekommen: Auf der einen Seite haben etliche Menschen von ähnlichen Erfahrungen mit solchem Exekutivversagen berichtet, auf der anderen Seite meinten sehr viele, ich wäre eine Lügnerin und würde die Story erfinden.

Worüber hast du zuletzt laut lachen müssen?

IRINA: Keine Ahnung, ich lache aber jedenfalls sehr laut und penetrant. Letztens meinte ein Mann in der Straßenbahn zu mir, dass ich "deppert" wäre und "keine Manieren hätte", weil ich so laut lache. Ich habe ihm daraufhin geantwortet, dass es mir leid tut, dass er so wenig Spaß im Leben hat.

In welcher Situation hat dir nur dein Humor geholfen?

IRINA: Ich war in der Schule eher das nerdige Kind. Ich glaube, da hat mich mein Humor mehrmals vor dem kompletten sozialen Untergang bewahrt.