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"Ein Dirndl passt immer!"

Mit Trachten, meint Caroline Strasser, ist man immer richtig angezogen. Fast wie mit einem kleinen Schwarzen. Wir trafen die Designerin des Austro-Labels MaulbeerBlüte .


  • Maulbeerblüte: Design aus Österreich

    Caroline Strasser entwirft in der Wachau traditionelle Trachten.

    Bild 1 von 9 © eva trifft.
  • Maulbeerblüte: Design aus Österreich

    Die Materialien für ihre Accessoires und Dirndl kommen aus Österreich.

    Bild 2 von 9 © eva trifft.

Allein schon die Location für das Atelier des neuen Trachtenlabels MaulbeerBlüte versprüht die Romantik alter Heimatfilme. In Krems an der Donau, im wunderschönen Weltkulturerbe der Wachau, hat sich Designerin Caroline Strasser niedergelassen, um traditionelle Trachten wiederzubeleben.

Wer Caroline Strasser trifft, ist dann überrascht. Vielleicht liegt es daran, dass Caro jünger und cooler ist, als man es vielleicht von einer Trachtenschneiderin klischeehaft erwartet. Vielleicht aber auch, weil ihre Vita so erstaunlich ist. Denn ehe sie 2012 ihr eigenes Label gründete, arbeitete die gelernte Kostümbilderin als Projektleiterin bei den Bundestheatern Wien. Strasser: "In dieser Zeit habe ich sehr viel gelernt und meine Liebe zu Stoffen sowie Schnitten vertieft. Es wurde mir aber auch klar, dass mir die Mode des alltäglichen Lebens eher am Herzen liegt."

Gemäß ihres Leitsatzes „Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers“ machte sich die gebürtige Salzburgerin also in der Wachau selbstständig, schneidert dort Dirndlvariationen oder Trachten-Accessoires für jeden Anlass. Wir trafen sie zum Gespräch.

Maulbeerblüte: Design aus Österreich
Der Tradition verbunden: MaulbeerBlüte-Designerin Caroline Strasser.

WOMAN: Du hast dich bewusst für Trachten-Design entschlossen. Warum diese Liebe zum Traditionellen?
Caroline Strasser: Ich bin mit einer großen Portion Naturverbundenheit aufgewachsen. Ein Dirndl zu tragen war für mich sowie auch für meine Mutter immer eine Selbstverständlichkeit. Es war kein Verkleiden. Und ein Dirndl schafft das, was vielleicht noch ein kleines Schwarzes kann. Du bist immer richtig angezogen, egal wohin du gehst! Tracht bedeutet Geschichte und bewirkt, dass ich mich auf meine Wurzeln besinne. Wer weiß, wo er her kommt, weiß auch wo er hin will!

WOMAN: Was zeichnet die MaulbeerBlüte-Designs aus ?
Strasser: Meine Mode ist für jeden Tag gedacht. Wohlfühlteile für jede Frau, die Qualität in Verarbeitung und Material schätzt. Das Design - das bin ich selbst. Ich entwerfe jedes Stück, als ob ich es selbst tragen würde. Es sind Entwürfe, die ich gerne in anderen Geschäften kaufen würde, aber nicht bekomme. Trachtiges, das sich leicht zur bestehenden Garderobe kombinieren lässt. Ich krame in älterer Literatur und bin immer auf der Suche nach Stickereien, die mit einer Geschichte verbunden sind. Diese verarbeite ich dann in meinen Entwürfen – das macht dann das gewisse Etwas meiner Mode aus. Durch einen Anhänger mit Informationen über die Herstellung, Herkunft der Stickerei sowie Bedeutung können auch die Kundinnen an dieser Einzigartigkeit teilhaben.

WOMAN: Du produzierst ausschließlich in Österreich, verwendest traditionelle Textilien wie Loden. Wieso verfolgst du diese Philosophie?
Strasser: Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nah liegt? Wir waren in Österreich stets ein Land mit einer vielfältigen und großen Textilindustrie. Leider gibt es heute nur mehr wenige Betriebe die durchgehalten haben. Diese Produkte haben aber allemal die Qualität, sich gegenüber internationalen Importprodukten zu behaupten. Ich kaufe diese Rohwaren mit einem guten Gewissen ein. Zudem macht es mir extrem viel Freude mit den Materialien wie etwa Leinen, Loden, Leder, Blaudruck, Spitzen, Handdrucke auf Baumwolle und Stickwaren zu arbeiten. Gleichzeitig unterstütze ich somit den Erhalt von Arbeitsplätzen in Österreich und kooperiere mit karitativen Produktionsstätten.

WOMAN: Du fertigst auch maßgeschneiderte Dirndl an. Wie lange dauert es, bis so ein Handmase-Teil fertig ist?
Strasser: Am Anfang steht immer ein ausgiebiges Gespräch mit der Kundin. Je besser wir uns austauschen, desto schöner wird das Gefühl im Dirndl und das Ergebnis für beide Seiten. Maße nehmen, Material auswählen, Schnitt zeichnen, Zuschnitt, Zusammensetzen der Teile, erste Anprobe, Ausschnitt sowie Länge und Details werden festgelegt, Nähen und Endfertigung sowie eine zweite und letzte Anprobe, fertig! Hierfür sollte man circa mit zwei Wochen rechnen.

WOMAN: Du hast bei den Bundestheatern gearbeitet, dort auch mit Mode-Großmeister Valentino gewerkt. Wie war diese Erfahrung?
Strasser: Spannend und sehr aufregend! Herr Valentino kreierte die Entwürfe für ein Neujahrskonzert und ich war dafür verantwortlich die Ideen in die Tat umzusetzen. Er kam mit großem Gefolge aus Assistenten, Übersetzern und Beratern in den Werkstätten an. Es war schon etwas ganz Besonderes so eine Fashion-Ikone live erleben zu können. Ein Mann, der eine sehr große Disziplin ausstrahlt und diese auch lebt. Im schicken, perfekt sitzenden dunkelblauen Anzug kam er uns besuchen. Er war sehr gut vorbereitet und wusste genau was er wollte. Farben, Materialien und die Verarbeitung hat er exakt vorgegeben. Nach dieser Erstbesprechung wurden alle Balletttänzer nach Paris in seine heiligen Hallen eingeladen, wo der Meister persönlich dann Änderungen und Wünsche direkt an den Kleidern übernehmen konnte. Ein persönliches Autogramm auf einem Foto der Kreationen habe ich aus dieser Zeit mitgenommen.

WOMAN: Und welche Designer bewunderst du noch?
Strasser: Christian Dior und Vivienne Westwood finde ich einfach großartig. Dior, weil ich seine Silhouetten und die Kunst eine Frau wirklich gut aussehen zu lassen bewundere. In Zeiten instabiler gesellschaftlicher Verhältnisse hat er sich für die Selbstständigkeit entschieden und mit seinem speziellen „New Look“ eine Generation sowie eine Zeit für immer geprägt und vorangetrieben. Westwood hat eine starke Verbindung zur Tracht. Sie ist ja auch mit einem Österreicher zusammen! Zudem ist sie Botschafterin der Tracht und erläuterte einmal, dass nur eine Frau im Dirndl eine echte Frau sei. Das unterstützte ich total. Sie schafft den Spagat zwischen historischen Schnitten, Details von der Bühne und traditionellem Handwerk. Das spürt man in ihren Entwürfen, die eine starke Weiblichkeit ausstrahlen. Zudem ist sie genauso wie ich sehr naturverbunden und engagiert sich für die Umwelt.

WOMAN: Was sind die nächsten Pläne?
Strasser: Die kurzfristigen Ziele sind meine aktuellen Anfragen und Bestellungen der letzten Wochen fertig zu stellen. Wunderschöne und glückliche Bräute in ihr Traumdirndl zu verhelfen und Gedanken für eine besondere Herbst-/ Winterkollektion zu sammeln. Langfristig steht der Wunsch nach Vertriebspartnern an oberster Stelle, sowie der Ausbau der Zusammenarbeit mit karitativen Produktionsstätten.

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